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Mehr als 6 Milliarden Dollar : Apple zapft den Anleihemarkt an

Bitte Lächeln: Vor einem Apple-Store in Los Angeles Bild: Reuters

Das amerikanische Technologieunternehmen nimmt insgesamt mehr als 6 Milliarden Dollar auf. Warum bleibt den meisten europäischen Anlegern das Papier verwehrt?

          2 Min.

          Fällt der Name Apple, dann horchen Verbraucher und Anleger gleichermaßen auf. Allein die Kursentwicklung der Aktie ist eine Erfolgsgeschichte. Seit dem Börsengang des amerikanischen Technologieunternehmens mit Hauptsitz im kalifornischen Cupertino im Jahr 1980, also vor mehr als 40 Jahren, ist der Aktienkurs um fast 150 000 Prozent gestiegen – gemessen am Ausgabepreis von 22 Dollar und bereinigt um Aktiensplits. Die Aktie würde umgerechnet inzwischen theoretisch mit rund 33. 000 Dollar notieren. Aktuell kostet das Papier knapp 150 Dollar. Mit einem Marktwert von rund 2,4 Billionen Dollar ist Apple derzeit zudem das wertvollste Unternehmen der Welt vor Microsoft mit 2,2 Billionen Dollar.

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Auch die Anleihen, die Apple seit einigen Jahren regelmäßig in verschiedenen Tranchen und Laufzeiten begibt, sind unter Investoren beliebt. In Anlehnung an die Produkte wie das iPhone werden sie oft iBonds genannt. Der Konzern schwimmt eigentlich in Geld, daher wird dieser Emittent von den Ratingagenturen auch mit Bonitätsnoten im hohen Investmentgrade-Bereich bedacht. Doch wie viele andere Unternehmen nutzt er das niedrige Zinsniveau, um sich günstig Geld zu beschaffen. Von den Einnahmen will Apple unter anderem Aktienrückkäufe und Dividenden finanzieren, aber auch etwaige Übernahmen, heißt es. Ein hoher Anteil der Barmittel des Konzerns liegt im Ausland. Würde Apple das Geld in die Vereinigten Staaten transferieren, fielen hohe Steuern an.

          In der aktuellen Emission Apples geht es laut amerikanischer Börsenaufsicht SEC um insgesamt 6,5 Milliarden Dollar. Die Anleihen umfassen Fälligkeiten von 2028 bis 2061. Die Zinskupons reichen von 1,4 Prozent für die Anleihe, die Apple in sieben Jahren zurückzahlt bis hin zu 2,85 Prozent für die längste Laufzeit von 40 Jahren. Die Zinsen sollen von 2022 an halbjährlich gezahlt werden.

          Die Papiere sind in Dollar denominiert. Daher gehen zum Beispiel Anleger aus dem Euroraum ein Währungsrisiko ein. In diesem Jahr hat der Euro zum Dollar rund 3 Prozent an Wert verloren. Was für Reisende in die Vereinigten Staaten schlecht wäre, würde den Wert bestehender Anlagen im Dollarraum entsprechend erhöhen. Die ersten Apple-Anleihen in Euro wurden 2014 begeben.

          Fraglicher Anlegerschutz

          Für europäische Anleger ist es jedoch sehr schwierig, an solche Anleihen wie die von Apple zu kommen. „Gemäß europäischer Finanzmarktrichtlinie Mifid II sind zum Schutz von Privatanlegern für komplexe Finanzprodukte sogenannte Basisinformationsblätter des Emittenten vonnöten, die allerdings bei vielen ausländischen Anleiheemissionen fehlen“, sagt Gerald Müller, Kapitalmarktstratege der Commerzbank. Diese Blätter informieren in komprimierter Form über die wichtigsten Merkmale der Wertpapiere wie Risiken, Renditeprofil und Kosten.

          Für einfache Anleihen reichten Produktinformationsblätter, die auch die Finanzinstitute ausstellen könnten, sagt Müller. Rund 80 Prozent der amerikanischen Anleihen verfügten jedoch über eine „Make-Whole“-Klausel, welche die Kündigung und vorzeitige Rückzahlung eines Papiers durch den Emittenten jederzeit möglich mache. Davon würden zwar sowohl Unternehmen wie auch Anleger profitieren, aber dadurch würden die Anleihen aus Sicht der europäischen Aufseher zu komplexen Finanzprodukten. Und kein amerikanisches Unternehmen werde extra für den europäischen Markt ein solches Blatt ausfüllen, sagt Müller. Dadurch falle aus Sicht eines deutschen Privatanlegers fast der gesamte amerikanische Anleihemarkt weg - und damit auch die Apple-Anleihen.

          In Europa dürfen seit 2017 nur professionelle Investoren in solche Anleihen investieren. „Dazu müssen Anleger zwei von drei Merkmalen erfüllen“, sagt der Commerzbank-Fachmann für Unternehmensanleihen, Müller. Dazu zählten ein Kapital von mindestens 500 000 Euro, im Durchschnitt zehn erhebliche Handelsgeschäfte im Monat und ein Jahr Berufserfahrung am Kapitalmarkt.

          Daneben ist das aktuelle Angebot an Neuemissionen relativ überschaubar. Euro-Anleihen mit kleinen Mindeststückelungen gibt es derzeit nur wenige.

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