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Anleihen : Dollar hilft Schwellenländern

Gegen viele Schwellenländerwährungen zeug ich der Dollar schwächer, so auch gegen den südkoreanischen Won. Bild: AP

Anleihen aus Schwellenländern versprechen hohe Zinsen - verlockend, wäre da nicht der Wechselkurs. Doch ein neuer Abwertungszyklus des Dollar könnte sie interessant machen.

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          Als im Frühjahr die Corona-Krise begann und die Finanzmärkte auf Nummer Sicher gingen, bekamen dies auch Schwellenländeranleihen zu spüren. Die Rendite etwa der zehnjährigen brasilianischen Staatsanleihe schnellte von 6,5 bis auf 9,6 Prozent nach oben, der thailändischen von 0,8 auf 1,8 Prozent. Seitdem haben sich die Anleihekurse wieder erholt, dennoch liegen die Renditen mit 7,5 und 1,3 Prozent immer noch über dem Vorkrisenniveau.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Der Abfluss von harten Währungen kehrt nur langsam zurück“, sagt David Furey, beim ETF-Anbieter State Street Global Advisors für Rentenstrategien in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika verantwortlich. Die Investoren seien immer noch in Anleihen entwickelter Länder übergewichtet. Aber so langsam freundeten sie sich mit einer Rückkehr immer mehr an. Die Tatsache, dass die realen Renditen in den Schwellenländern positiv seien und derzeit ein Kissen von rund 3 Prozentpunkten zur Abfederung der Risiken bieten, sei schon ein verlockendes Argument.

          „Wir sehen, dass institutionelle Anleger, die schon früher in Schwellenländeranleihen investiert haben, beginnen, ihre Quoten zu erhöhen“, sagt Furey. „Sie sehen auf dem aktuellen Niveau eine Einstiegsgelegenheit.“ Aber auch Anleger, für die diese Anlageklasse neu sei, überlegten ernsthaft, sich daran zu wagen. „Der erste Schritt ist immer schwer“, sagt Furey. „Besonders in Europa und ganz besonders in Deutschland. Während in Europa der Anteil von Schwellenländeranleihen in den Portfolios im Durchschnitt nur 4 bis 8 Prozent beträgt, liegt er in Deutschland noch deutlich darunter.“

          Langfristige Dollar-Aufwertung vor dem Ende

          Verständlich sei dies allemal. Die Anlageklasse sei nun einmal volatil, für Anleger aus dem Euroraum noch mehr als aus Dollarländern. Zudem seien die Erträge aufgrund der hohen Volatilität zuletzt doch eher niedrig gewesen. Die Wechselkursschwankungen seien seit 2015 enorm gestiegen, sagt auch Zsolt Papp, leitender Investmentspezialist für Schwellenländeranleihen bei JP Morgan AM. Das liege vor allem an der lockeren Geldpolitik der Notenbanken. Der Beitrag der Währungen zu den Erträgen sei immer noch positiv, aber nicht mehr so wie in früheren Zeiten. Zudem habe es doch einzelne Perioden mit starken Verlusten gegeben

          Ein Ende der lockeren Geldpolitik sei zwar derzeit nicht abzusehen, meint Papp, hofft aber, dass die nunmehr wieder lockerere Geldpolitik der amerikanischen Notenbank und mit ihr die geringere Zinsdifferenz Währungsspekulationen künftig weniger interessant werden lässt. Auch ein wieder stärker miteinander verbundenes Wachstum dies- und jenseits des Atlantiks könnte dazu beitragen, dass sich der wichtige Euro-Dollar-Kurs beruhigt.

          Der Dollar spielt bei Schwellenländeranleihen eine große Rolle, und genau dieser gibt Furey Anlass, optimistisch zu sein. „Der Aufwertungszyklus des Dollars läuft nun schon seit neun Jahren. Er ist also ziemlich fortgeschritten. Historisch, beträgt er etwa zehn Jahre. Das bedeutet, dass die Schwellenländerwährungen zum Dollar unterbewertet sind, da der Dollar überbewertet ist. Selbst wenn der Dollar noch aufwerten sollte – viel kann da nicht mehr kommen.“

          SPDR I SPDR Bloomberg Barcla

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          Das sei auch der große Unterschied zur Zeit der Finanzkrise. Damals seien Schwellenländerwährungen überbewertet gewesen und auch die Fundamentaldaten weniger positiv als aktuell. Daran ändere auch die Pandemie nichts. Die gravierende Situation in Indien oder Brasilien sei eher die Ausnahme als die Regel. Außerdem belaste die Pandemie zwar die Staatshaushalte, beeinflusse aber nicht die Inflation oder die Wechselkurse. „Und es wird erwartet, dass die Präsidentschaft von Biden höhere Staatsausgaben und ein weniger unruhiges geopolitisches Umfeld mit sich bringen wird, und das ist gut für Schwellenländeranleihen.“

          Auch Papp sieht ein gutes Umfeld. „Die bevorstehenden Konjunkturpakete, eine niedrige Inflation und expansive Geldpolitik sowie die Aussicht auf einen Impfstoff – das ist alles gut für Aktien. Und weil es gut für Aktien ist, ist es auch gut für Schwellenländeranleihen. Denn zwischen beiden gibt es einen starken Zusammenhang. Schließlich sind beides Wachstumsinvestitionen.“

          Raphael Marechal, leitender Portfolio-Manager für Schwellenländer beim Asienspezialisten Nikko sieht vor allem eine zunehmende Nachfrage nach hochwertigen Schwellenländeranleihen. Die finanzpolitischen Aussichten blieben indes grundsätzlich schwierig, hätten sich aber verbessert, auch weil viele Regierungen etwa von Chile, Peru oder der Philippinen vorsichtiger agiert hätten als erwartet. Ein Zukunftsrisiko seien mögliche soziale Unruhen in Ländern wie Kolumbien, Brasilien oder Ecuador, in denen anscheinend zur Bekämpfung der Pandemie zu wenig getan worden sei. Daher mahnt er auch zur Vorsicht bei stark touristisch geprägten Ländern wie Thailand, Sri Lanka, der Dominikanischen Republik oder Dubai.

          Der Markt stelle auch das niedrige Niveau der Realzinsen in der Türkei in Frage, wo Devisenreserven zur Stützung der Währung eingesetzt würden und der kurzfristige externe Finanzierungsbedarf wachse. Dagegen böten Rohstoffproduzenten wie Südafrika und Chile gute Möglichkeiten, um auf den beeindruckenden Aufschwung der chinesischen Wirtschaft zu setzen.

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