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Anlegermesse Invest : Wald in Panama, Gold und Silber sind gefragt

  • -Aktualisiert am

Bei der Anlegermesse in Stuttgart waren besonders grüne Anlagemöglichkeiten attraktiv. Bild: dpa

Auf der Anlegermesse in Stuttgart werden Interessenten mit vielen Angeboten für grüne Investments umworben. Gerade die Nachfrage nach Gold als Inflationsschutz ist gestiegen.

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          Grüne Geldanlagen sind beliebt wie noch nie. Das hat sich auch auf der Anlegermesse Invest in Stuttgart gezeigt. Stände von Anbietern entsprechender Anlagen sind gut besucht gewesen. So auch der Stand der Genossenschaft The Generation Forest, eines deutsch-panamaischen Projekts, das in die Wiederaufforstung gerodeter Waldflächen des Landes investiert, wie der Mitgründer Andreas Eke in einem Videotelefonat erläuterte. Auf den kahlen Flächen würden Baumsorten angepflanzt, die für den internationalen Holzhandel interessant seien.

          Die Verzinsung des eingesetzten Kapitals soll im Schnitt 4,5 Prozent über die Zeit betragen. Das Prinzip klingt simpel: Ein Genossenschaftsmitglied kauft Waldfläche und verdient an der Vermarktung des Holzes. Die Genossenschaft wurde 2016 gegründet und hat eigenen Angaben zufolge über 5000 Mitglieder und über 20 Millionen Euro eingesammelt. Aktuell koste ein Anteil 1431 Euro. Und damit könne man durch 500 Quadratmeter Wald das Klima schützen.

          Wald mit Totalverlustrisiko

          Das Investment ist für eine längerfristige Anlage gedacht. Denn die kommerzielle Ausdünnung des Waldes kann erst nach einer gewissen Zeit erfolgen. Doch Eke machte zugleich deutlich: „Es gibt auch ein Totalverlustrisiko.“ In der Vergangenheit hatten in Deutschland vor allem immer wieder Genossenschaften für Schlagzeilen gesorgt, die Gelder von Anlegern im Bereich des Wohnungsbaus investierten. So sorgte die Insolvenz von Inventus für Aufsehen.

          Unter nachhaltigen Geldanlagen werden Investments verstanden, die Umweltfaktoren, soziale Verantwortung und gute Unternehmensführung einbeziehen. Die EU hatte vergangenen Dezember konkrete Kriterien für klimafreundliche Investitionen festgelegt und trotz breiter Kritik vorgeschlagen, Investitionen in Gas und Atomkraft übergangsweise als nachhaltige Geldanlagen einzustufen. Erneuerbare Energien sind in dem Klassifizierungssystem namens Taxonomie bereits als klimafreundlich eingestuft.

          Auch wenig Zinsen sind beliebt

          Nachhaltig anlegen kann man auf vielfältige Art und Weise: vom Direktinvestment in Windräder über grüne Bundesanleihen bis hin zu aktiv gemanagten Fonds und ETFs, die einen Aktienindex nachbilden. Meist werden bei solchen Fonds Aktien von Firmen ausgeschlossen, die Geld mit Kohle, Öl, Alkohol oder Waffen verdienen. Doch allgemeingültige Kriterien oder eine Art Gütesiegel gibt es nicht. Etwa 120 Aussteller waren bei der größten deutschen Anlegermesse in diesem Jahr mit von der Partie. Vor der Pandemie sind es nach Angaben der Messe Stuttgart 132 Aussteller gewesen. Etwa 8500 Besucher informierten sich bei der zweitägigen Veranstaltung.

          So auch bei der estnischen Onlinebank Bigbank, die vehement für Festgeld warb. Die erwartete Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank hat der Anbieter schon vorweggenommen und warb mit 1,5 Prozent bei einer dreijährigen Laufzeit. Trotz gestiegener Inflationsraten legen die meisten Menschen in Deutschland ihr Geld weiterhin in kaum verzinsten Sparformen an. Bei einer Umfrage im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB) gaben 45 Prozent an, Geld auf dem Sparbuch zu parken. Auf Tages- oder Festgeld setzen 38 Prozent. Die Anteile blieben gegenüber der Umfrage vom vergangenen Jahr unverändert. Mehrfachnennungen waren möglich. Die genannten Sparformen werfen in der Zinsflaute kaum oder gar nichts ab.

          In diesen unsicheren Zeiten waren auf der Messe auch die Stände von Goldanbietern gefragt. Die Nachfrage im Jahr 2022 sei bisher stark gewesen, sogar noch größer als 2021, sagte Bernhard Urban von der Münze Österreich. Er verwies auf den Ukrainekrieg und die weiterhin spürbaren Nachwirkungen von der Corona-Pandemie. Viele Anleger erhoffen sich von Gold einen Inflationsschutz. Dies gilt umso mehr, da die Situation für die Notenbanken immer schwieriger wird. Schließlich treibt der Krieg nicht nur die Inflation nach oben, sondern belastet auch das Wirtschaftswachstum.

          Der Nachteil: Für Gold gibt es weder Zinsen noch Dividenden. Die Rendite lässt sich letztlich nur aus einem steigenden Goldpreis erzielen. „Männer denken beim Kauf an die Altersvorsorge, und Frauen verschenken das Edelmetall eher“, sagte Urban. Einen Vorteil von Gold sieht er auch darin, dass beim Kauf keine Umsatzsteuer fällig werde, bei anderen Rohstoffen hingegen schon.

          Ein Stand auf der Messe fiel besonders auf: Bullion Art hatte hochwertige Skulpturen aus Silberkunst im Angebot. Und die könne man in Notzeiten auch zu Geld machen. „Denn im Gegensatz zu Kunstwerken aus Leinwand oder Bronze, deren Verkauf sich insbesondere in Krisenzeiten als schwierig erweisen kann, wird der Rohstoff Silber täglich international gehandelt. Daher ist es jederzeit möglich, eine Silberskulptur zu verkaufen und mindestens den Materialpreis zu erlösen“, heißt es.

          Auf der Suche nach besser verzinsten Alternativen hatten Anleger in der Vergangenheit unter anderem auch auf Investments in Kryptowerte wie Bitcoin, Ether und Co. gesetzt. Doch die Werte erlebten in den vergangenen Monaten einen Kurseinbruch. Trotzdem hatte die Börse Stuttgart für ihre App Bison, mit der man Kryptowährungen relativ unkompliziert kaufen kann, in den letzten Monaten steigende Nutzerzahlen verzeichnet. Aktuell seien es rund 640.000 aktive Nutzer.

          Doch das bisherige Handelsvolumen im Jahr 2022 sei geringer als im starken Vorjahreszeitraum. Dragan Radanovic, Sprecher der Geschäftsführung der Börse Stuttgart GmbH, sagte, dass die Handelsumsätze an dem auf Privatanleger spezialisierten Markt wegen der Krise zurückgegangen seien. Er stelle sich vor, dass durch steigende Zinsen auch wieder vermehrt Anleihen gehandelt werden. Die sind für den Privatanleger zurzeit aber nicht attraktiv, auch wegen der hohen Eintrittsschwelle: Viele Unternehmensanleihen sind wegen einer Stückelung von 100 000 Euro oder mehr de facto nicht für Privatanleger handelbar.

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