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Anleihekäufe : Wie die Geldpolitik der EZB Anlegern nutzt

Zentrale der EZB in Frankfurt: Die lockere Geldpolitik hat auch gute Seiten für Anleger und Sparer. Bild: dpa

Die Europäische Zentralbank kauft jetzt auch Anleihen von Unternehmen. Das können Anleger mit Indexfonds für sich nutzen.

          3 Min.

          Für Sparer war der 10. März 2016 kein guter Tag. Denn an jenem historischen Datum hat die Europäische Zentralbank nicht nur erstmals den Leitzins auf null gesenkt. Die EZB hat darüber hinaus auch beschlossen, künftig noch mehr Geld von den Banken zu verlangen, wenn diese ihre Einlagen bei der Notenbank parken. Das hat für Sparer zur Folge, dass sie von den Banken nur noch verschwindend geringe Zinsen für ihre Tagesgeldkonten erwarten können und obendrein mit künftig höheren Gebühren rechnen müssen. So ernüchternd diese Fakten sind, die die EZB vor zweieinhalb Wochen geschaffen hat: An jenem 10. März hat die Notenbank auch noch eine andere überraschende Entscheidung gefällt, von der Privatanleger durchaus profitieren können.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die EZB hat nämlich angekündigt, ihr seit nunmehr einem Jahr laufendes Anleihekaufprogramm deutlich auszuweiten. Sie wird künftig nicht nur noch mehr Staatsanleihen kaufen, sondern vom kommenden Juni an auch Euroanleihen von Unternehmen. Die Auswahl ist auf sogenannte „Non Financials“ beschränkt. Das heißt: Die EZB erwirbt keine Anleihen von Banken, sondern nur von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Und auch davon nur solche, die eine gute Bonität und damit ein vergleichsweise geringeres Ausfallrisiko haben. Zwar hat die Zentralbank noch nicht kundgetan, in welchem Umfang sie Unternehmensanleihen kaufen wird. Aber ihr Ziel ist klar: Sie will dafür sorgen, dass die Zinsen für Firmenanleihen sinken, damit die Unternehmen sich noch günstiger refinanzieren können. Im Gegenzug steigen dann die Kurse dieser Anleihen. Man mag von der lockeren Geldpolitik halten, was man will: Aber durch das erweiterte EZB-Kaufprogramm bietet sich für Anleger eine Chance, an Kursgewinnen zu verdienen. Am einfachsten und kostengünstigsten geht das über einen ETF (das Kürzel steht für Exchange Traded Funds).

          Solche Fonds bilden einen bestimmten Index ab. Das heißt: Wenn der Index drei Prozent hinzugewinnt, dann gewinnt auch der ETF drei Prozent. Mit einem dieser sogenannten Indexfonds für Unternehmensanleihen (ohne Bankentitel) können Privatanleger aufgrund der EZB-Entscheidung auf stattliche Kursgewinne hoffen. „Man geht eine taktische Wette ein“, sagt Ali Masarwah vom Analysehaus Morningstar. „Es ist eine zeitlich limitierte Chance.“ Aber eine, die sich lohnen könnte: „Im vergangenen Jahr hat man besser gelegen, wenn man mit der mächtigen Notenbank geschwommen ist als dagegen.“

          Niedrige Gebühren

          Dazu müssten die Unternehmensanleihen nun zumindest kurzfristig eine ähnliche Entwicklung nehmen wie die Staatsanleihen im vergangenen Jahr. Nachdem die EZB nämlich im Januar 2015 ihr Kaufprogramm verkündet hatte, fielen die Renditen der Staatsanleihen in der Eurozone bis April deutlich, was Anlegern vorübergehend stattliche Kursgewinne bescherte. Aber Ende 2015 waren die Kurse nach einem starken Auf und Ab fast wieder auf dem Niveau wie zu Jahresbeginn. Seit der EZB-Sitzung am 10. März sind nun die Kurse von Unternehmensanleihen guter Bonität schon etwas gestiegen. Allerdings nicht so stark, dass sich ein Einstieg in den eigentlich engen Markt nicht noch lohnen könnte.

          Bild: F.A.S.

          Im Bereich der Unternehmensanleihen gibt es nicht viele ETF ohne Bankentitel, und bei der Auswahl sind einige Dinge zu beachten. Nicht nur, welchen Index sie abbilden, sondern auch, wie breit sie aufgestellt sind und welche Restlaufzeiten die darin befindlichen Anleihen haben. In einem unterscheiden sich die Indexfonds gar nicht oder nur geringfügig. Die Gebühren sind durchweg niedrig und liegen bei jährlich 0,2 Prozent. Die französische Fondsgesellschaft Amundi berechnet für ihren ETF Euro Corp Ex Financials iBoxx sogar nur 0,16 Prozent.

          Am breitesten aufgestellt ist der iShares Euro Corporate Bond ex-Financials aus dem Hause Blackrock mit rund 1000 Titeln aus dem Euroraum. Er bildet den gleichnamigen Barclays Index ab und ist mit einem Vermögen von aktuell 1,81 Milliarden Euro nicht nur der größte ETF in diesem Bereich, sondern in den vergangenen drei Jahren auch der erfolgreichste mit einer Rendite von 3,52 Prozent. Ebenfalls auf Eurounternehmensanleihen mit eher längeren Laufzeiten von bis zu zehn Jahren setzt der iBoxx Liquid Non-Financials Diversified ETF der Sparkassenfondsgesellschaft Deka. Er beschränkt sich in seinem Portfolio auf lediglich 40 Anleihen. In den ersten zweieinhalb Monaten dieses Jahres hat der Deka-ETF, der den Markit-Index abbildet, am stärksten an Wert gewonnen.

          Rund 450 Anleihen, allerdings mit maximal fünf Jahren Restlaufzeit sind im zweiten großen ETF aus dem Hause Blackrock zu finden, dem iShares Euro Corporate Bond ex-Financials 1-5yr. Er folgt dem gleichnamigen Barclays-Index, schneidet bei der Wertentwicklung aber vergleichsweise schlecht ab. Die ETFs der anderen drei Anbieter Amundi, Lyxor und der Deutschen Bank mit ihrer Marke db x-trackers bilden dagegen den jeweiligen Index nicht durch den Kauf von Unternehmensanleihen (replizierend), sondern über Derivate nach (swap). Sie mögen deshalb einem Privatanleger weniger durchsichtig erscheinen, lohnen sich aber ebenso.

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