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Anlagetaktik : Sollten wir uns auf eine Rezession vorbereiten?

Eine Baustelle in Berlin. Bild: dpa

Trotz Entspannung am Montag waren die Konjunktursignale zuletzt eher weniger ermutigend. Ist es also Zeit, sich mit fallenden Kursen und einer drohenden Rezession zu befassen?

          Die jüngste Phase einer anhaltend positiven konjunkturellen Entwicklung hat in den vergangenen Wochen ein paar Dämpfer erhalten, nicht zuletzt mit Blick auf Deutschland. Zuletzt senkte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr deutlich von 1,5 auf 0,8 Prozent. Damit folgten sie vielen anderen: dem Bundesverband der Deutschen Industrie, dem Ifo-Institut und der OECD etwa.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Steht also eine Rezession bevor? Ganz so eindeutig scheint dies zumindest nicht. Besonders nicht am Montag, an dem nach sechs Rückgängen in Folge sich der Geschäftsklima-Index des Ifo-Instituts wieder verbesserte, und zwar sowohl hinsichtlich der Lagebeurteilung als auch der Erwartungen.

          Die deutsche Wirtschaft hat ein Industrieproblem

          Doch auch dies war nur eine Teil-Entwarnung. „Die deutsche Wirtschaft hat inzwischen ein Industrieproblem“, heißt es etwa von Elmar Völker, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg mit Blick darauf, dass es im Verarbeitenden Gewerbe weiter abwärts gegangen ist. Nicht zuletzt die Hängepartie um den Brexit sorgt für Unübersichtlichkeit. Letztlich gebe es eine gewisse Zweiteilung der Konjunktur in „Industrie“ und „Sonstige“, meint Völker.

          Und nicht nur da: Das Tauziehen zwischen Export- und Binnennachfrage gehe weiter, meint Andreas Rees von der Unicredit. Diesmal hätten die Geschäftserwartungen im Handel und Dienstleistungen die Oberhand behalten. Jedenfalls sei es eine faustdicke Überraschung und nach den schwachen Einkaufsmanagerdaten vom Freitag nicht zu erwarten gewesen. Mit Blick auf die Zyklen der vergangenen 40 Jahre sollte der Tiefpunkt bald erreicht sein.

          Wachstumssorgen auch in China

          Konjunktursorgen gibt es auch anderswo auf der Welt. Chinas Wachstum hat sich 2018 auf 6,6 Prozent verlangsamt. Der internationale Kreditversicherers Coface rechnet für 2019 mit nur noch 6,2 Prozent. Auch die Mehrheit der befragten chinesischen Unternehmen glaubt nicht an eine Besserung. Der Skepsiswert sei der höchste seit 16 Jahren.

          Dafür verantwortlich ist zum einen sicher der schwelende chinesisch-amerikanische Handelskonflikt, der sich allerdings auflösen könnte. Doch hat China auch strukturelle Probleme. Besondere Sorgen macht etwa Anujeet Sareen, Fondsmanager bei Brandywine Global die übersehen Kurzatmigkeit der chinesischen Wirtschaftspolitik, die etwa alle zwei Jahre einen Boom-und-Bust-Zyklus auf dem Häusermarkt erzeuge.

          Amerika hält sich (noch)

          In den Vereinigten Staaten zeige das Rezessionsmodell der New Yorker Fed ein stets Steigen der Rezessionsgefahr schon seit Mitte 2018. Diese liege mittlerweile bei 24 Prozent. Die Analysten der Bank DBS weisen aber darauf hin, dass zum einen echte Rezessionen in Amerika eher selten seien, zum anderen aber es noch eine Weile dauern könne, bevor sich die Gefahr manifestiere. Die DBS geht daher nicht davon aus, dass dies noch in diesem Jahr geschieht. Ein Standpunkt, der auch von anderen Analysten geteilt wird. Diese unsicheren Szenarien spiegeln sich auch an den Kapitalmärkten wider:

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