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Anlagestrategien : Zwölf ist kaum mehr als sieben

Rechnen lohnt sich. Aber: Die Frage der Attraktivität ist auch immer eine des Beobachtungszeitraums Bild: dpa

Strategien für Großanleger gibt es einige - doch welche erzielt die beste Rendite? Der amerikanische Vermögensverwalter Mebane Faber hat einen interessanten, sehr langfristigen Vergleich veröffentlicht.

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          Der amerikanische Vermögensverwalter Mebane Faber hat auf seiner Homepageeinen interessanten, sehr langfristigen Vergleich veröffentlicht. Er schaute sich die Renditen unter Berücksichtigung mehrerer Risikomaße bekannter und weniger bekannter Strategien für Großanleger an, die eines eint: Sie nutzen das Prinzip der Diversifizierung, bleiben aber meist an Wertpapiermärkten engagiert.

          Betrachtet werden unter anderem das berühmte 60/40-Modell (60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen), das Arnott-Portfolio (10 Anlagen mit einer Gewichtung von jeweils 10 Prozent) und ein nach dem modernen Prinzip der Risikoparität gebautes Portfolio.

          In seinen Berechnungen greift Faber bis auf Daten aus den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts zurück. Betrachtet wird das Ergebnis aus der amerikanischen Perspektive.

          Das sogenannte 7/12-Portfolio

          Das Resultat dürfte für viele Vermögensverwalter ernüchternd sein, ist aber nicht wirklich erstaunlich: Auf lange Sicht hat es keinen großen Unterschied gemacht, welche der betrachteten konkreten Strategien verfolgt wurde, solange die Anleger überhaupt diversifizierten.

          Faber erwähnt in einem weiteren Beitrag mit dem sogenannten 7/12-Portfolio eine in Europa weniger bekannte Strategie. Es beruht auf der Definition von sieben verschiedenen Anlageklassen, die in Gestalt von zwölf verschiedenen Fonds im Portfolio abgebildet werden. Dabei können sehr gut billige Indexfonds Verwendung finden.

          Im Einzelnen besteht das Portfolio aus je einem Aktienfonds für große, mittlere und kleine amerikanische Unternehmen. Jeweils ein Fonds bildet Aktien aus Industrienationen und Schwellenländern ab. Die realen Anlagen werden durch einen Immobilienfonds sowie zwei Rohstofffonds dargestellt.

          Bild: F.A.Z.

          Hinzu kommen ein Fonds mit normalen amerikanischen Anleihen, ein Fonds mit inflationsgeschützten amerikanischen Anleihen, ein Fonds mit ausländischen Anleihen sowie ein Geldmarktfonds.

          Am Ende des Tages hält der Investor rund 65 Prozent seines Portfolios in Aktien oder realen Anlagen und 35 Prozent in Anleihen. Die Frage der Attraktivität ist immer eine des Beobachtungszeitraums. Für die vergangenen zehn Jahre sehen die Ergebnisse gut aus; auf Sicht mehrerer Jahrzehnte schneidet das 7/12-Portfolio im Vergleich zu ähnlichen Strategien sehr ansehnlich ab, ohne aber die Konkurrenz zu deklassieren.

          Alle diese Strategien sind „Beta-Strategien“

          Die Strategie ließe sich altersgerecht verfeinern. Für Anleger zwischen 20 und 50 Jahren käme demnach das gerade beschriebene 7/12-Portfolio in Frage. Für Anleger jenseits der fünfzig wären höhere Anteile von Fonds mit inflationsgeschützten Anleihen und Geldmarktfonds denkbar. Aber an der Tatsache, dass „7/12“ sicherlich eine interessante Alternative ist, aber ähnliche Strategien kaum deutlich aus dem Feld schlagen dürfte, wird sich wenig ändern.

          Und das ist nicht erstaunlich. Alle diese Strategien sind „Beta-Strategien“: Die Vermögensverwalter kombinieren im Geiste der Diversifizierung unterschiedliche Märkte und bemühen sich dann darum, diese Märkte ordentlich abzubilden - sei es durch billige Indexfonds oder durch große aktiv gemanagte Fonds, die langfristig aber nur selten den Marktdurchschnitt übertreffen.

          Eine solche Anlagestrategie kann für viele Investoren außerordentlich sinnvoll sein, erfordert von dem Vermögensverwalter aber keine genialen Fertigkeiten - und wird daher in einer Welt, in der die Anleger strenger auf die Gebühren achten, die sie einem Vermögensverwalter zahlen, zumindest auf Dauer für den Verwalter nicht sehr lukrativ sein können.

          Viele Stunden würden mit dem Verfeinern dieser Beta-Strategien verbracht, konstatiert Faber, ohne dass sich die Ergebnisse anschließend erheblich voneinander unterschieden. Solche Versuche sind auch in Europa zu beobachten, indem für bislang wenig verbreitete Anlageformen als „Depotbeimischung“ in großen Portfolios geworben wird. In solchen Bemühungen spiegelt sich auch der Überlebenskampf von Teilnehmern in einer überbesetzten Branche. Auf lange Sicht wird „Beta“ vermutlich nur die großen Marktteilnehmer ernähren.

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