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Alternative Investments : Oldtimer und Kunst statt Aktien

Der Aston Martin DB4 GT aus den 60er Jahren ist ein schönes Sammlerstück. Bild: Picture-Alliance

Spekulanten haben sich aus dem Markt für teure Autos zurückgezogen. Das wirbelt den Index für Luxusgüter durcheinander, nun steht Kunst für Anleger an erster Stelle.

          3 Min.

          Wer an Investments denkt, hat dabei eher selten attraktive Dinge vor Augen, sondern viel mehr Aktien oder Fonds. Doch das muss nicht sein. Es gibt viele Luxusgüter, die in den vergangenen Jahren beeindruckende Wertsteigerungen zu verzeichnen hatten. Darauf weist die Beratungsagentur Knight Frank hin, die sich auf hochwertige Güter und Immobilien spezialisiert hat. Seit einigen Jahren veröffentlicht sie den „Knight Frank Luxury Investment Index“. In ihm zeigt sie die Wertentwicklung einiger Luxusgüter: Dazu gehören Kunst und Wein, aber auch Diamanten, Schmuck und Münzen, beliebte Gegenstände wie Autos oder Uhren, aber auch abseitige Dinge wie chinesisches Porzellan, antike Möbel oder Briefmarken.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Luxusindex hat sich dabei sehr gut entwickelt: Innerhalb von einem Jahr hat er 6 Prozent zugelegt, innerhalb von fünf Jahren konnte er 40 Prozent gewinnen, und in den vergangenen zehn Jahren steht sogar ein Plus von 108 Prozent zu Buche. Damit hätte er viele Aktienindizes um Längen geschlagen. Doch zuletzt war die Euphorie gebremst.

          Das hing besonders mit den Autos als Luxusgut zusammen: Lange Zeit waren diese die Antreiber des Index, doch mittlerweile stagniert die Entwicklung. Deswegen haben die Fachleute in Zusammenarbeit mit der Historic Automobile Group International (Hagi) einen besonderen Fokus auf die Entwicklung von Oldtimern gelegt. Dietrich Hatlapa von der Hagi begründet das mit dem Rückzug von Spekulanten aus dem Markt. Vor einigen Jahren herrschte besonders aus dem asiatischen Markt ein großes Kaufinteresse, das ist wieder etwas zurückgegangen. „Die aktivsten Käufer sind die kenntnisreichen Sammler und Enthusiasten, die genau wissen, was sie machen und was sie wollen“, so Hatlapa.

          Ferrari an der Spitze

          Deswegen werden auch regelmäßig neue Rekorde gebrochen. So wurde auf dem Goodwood Festival of Speed im Juli ein Aston Martin DB4 GT aus dem Jahr 1961 für mehr als 10 Millionen Pfund verkauft – das teuerste jemals in Großbritannien verkaufte Auto. Dabei ist Aston Martin eher die Ausnahme. Von 123 verkauften Autos, die mehr als 5 Millionen Dollar kosteten, waren 74 Ferrari. Die zweit-erfolgreichste Marke ist mit neun verkauften Autos mit weitem Abstand Mercedes-Benz. Auch konnte Ferrari ein Plus von 5,4 Prozent verbuchen, während Mercedes-Benz rund 3,7 Prozent verlor.

          Am begehrtesten sind übrigens Autos aus den 1950er und 1960er Jahren – sie wurden allein in den vergangenen fünf Jahren 225 Prozent wertvoller. Am unbeliebtesten waren dagegen Vorkriegsmodelle. Sie verteuerten sich nur um 110 Prozent. Rechnet man diese Preissteigerungen zusammen, ist es nicht verwunderlich, dass das teuerste Auto der Welt ein Ferrari ist: Der rote Ferrari 250 GTO, gebaut in den sechziger Jahren, erzielt immer neue Preisrekorde: Der teuerste bei einer Auktion versteigerte GTO 250 kostete 38 Millionen Dollar, privat wechseln die Autos für bis zu 70 Millionen Dollar den Besitzer.

          Den größten Fortschritt im Luxusindex von Knight Frank hat Kunst gemacht. Ein Plus von 21 Prozent steht hier zu Buche. Das liegt natürlich auch am Verkauf von Salvator Mundi, einem Werk von Leonardo da Vinci, für 450 Millionen Dollar im Vorjahr. Aber auch andere, weniger bekannte Werke wurden für Millionenbeträge verkauft. „Die Preise für Werke von Impressionisten und Nachkriegskünstlern haben den Markt in den vergangenen Jahren geprägt. Doch das ändert sich nun, zeitgenössische Kunst hat in den vergangenen Jahren rapide an Wert gewonnen“, sagt Sebastian Duthy von Art Market Research. Duthy hat dazu auch direkt Beispiele parat: Helter Skelter von Mark Bradford zum Beispiel, das an den Tennisspieler John McEnroe für 10,4 Millionen Dollar verkauft wurde. Für Aufsehen sorgte auch der Rapper Sean Combs – besser bekannt als Puff Daddy –, als er für ein Bild von Kerry James Marshall 21,4 Millionen Dollar zahlte. Das ist ein mehr als 800-prozentiger Wertzuwachs, dasselbe Gemälde kostete im Jahr 1997 noch 25 000 Dollar. Doch insgesamt betrachtet, hat sich der Kunstmarkt in den vergangenen zehn Jahren mit einem Plus von 55 Prozent deutlich unterdurchschnittlich entwickelt.

          Möbel verlieren an Wert

          Auch Wein konnte wieder von sich Reden machen mit einem Plus von 9 Prozent. Weinfachmann Nick Martin analysiert für Knight Frank: „Die Spitze des Burgunder-Marktes ist heißbegehrt“, dort seien Preissteigerungen bis zu 70 Prozent zu sehen. Der Bordeaux-Markt sei dagegen eine bunte Mischung – manche Preise steigen, andere fallen.

          Wenig Bewegung gab es auf dem Markt für Briefmarken und Münzen im vergangenen Jahr mit einem Plus von 1 und 4 Prozent.

          Ein schlechtes Investment waren allerdings antike Möbel. Wer sich schon immer einen alten Echtholzsekretär aus Eiche kaufen wollte, kann das gern machen – er sollte das nur nicht als Investment mit Renditechancen sehen, sondern eben nur als Möbelstück. So haben antike Möbelstücke in den vergangenen zehn Jahren knapp 32 Prozent an Wert verloren. „Möbel werden auch weiter an Boden verlieren, da der antike Stil immer mehr an Popularität verliert“, fassten die Analysten in einer früheren Studie zusammen.

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