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Alternative Anlagetipps : Den negativen Zinsen entfliehen

Gewusst wie: Reife Ernte ist auch in Zeiten des Minizins möglich. Wir nennen Ihnen einige Möglichkeiten. Bild: Illustration Jan Bazing

Wer spart, zahlt drauf im neuen Zeitalter der Minuszinsen. Doch das muss nicht sein. Höchste Zeit, über rentable Alternativen nachzudenken.

          Es war ein Satz, der jedem Sparer wie blanker Hohn vorkommen musste. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte gerade beschlossen, den Leitzins noch weiter auf mickrige 0,15 Prozent zu senken und den Banken eine Strafgebühr aufzubrummen: Denn der Zins für deren Einlagen bei der EZB ist jetzt erstmals negativ. Da stellte ihr Präsident Mario Draghi klar: „Wir haben heute die Leitzinsen für die Banken gesenkt.“ Und meinte damit: Wie viel Zins der Sparer für sein Tagesgeld oder den Sparbrief bekommt, ist die Entscheidung der Finanzinstitute, nicht der EZB.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Damit hat sie sich schön aus der Verantwortung geredet. Denn natürlich hängen die Sparzinsen von den Leitzinsen ab. Sinken sie, werden auch die Banken ihren Kunden weniger bezahlen. Und das tun sie seit Jahren. Für Tagesgeld gibt es nur noch etwa 0,6 Prozent im Durchschnitt. Da auch Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit nur noch etwas weniger als 1,5 Prozent abwerfen, bleibt die bittere Erkenntnis für jeden Sparer: Mit Zinspapieren verdient er kein Geld mehr. Wenn man die Steuern und die Inflation abzieht, erzielt er sogar einen Verlust.

          Ist das mal ein oder zwei Jahre so, kann das ein Langfristsparer verkraften. Nur dauert die Niedrigzinsphase nun schon sechs Jahre an - seit der Finanzkrise 2008/2009. Und die EZB hat klargemacht, dass in den nächsten Jahren mit keinem bedeutenden Zinsanstieg zu rechnen ist. Das ist dramatisch. Denn der Sparer verliert den Turbo, der bei langen Anlagezeiträumen besonders positiv auf die Rendite wirkt: den Zinseszinseffekt. Der entsteht, weil sich jedes Jahr nicht nur der am Anfang angelegte Geldbetrag verzinst, sondern zusätzlich auch die darauf gezahlten Zinsen, wenn sie nicht ausgeschüttet werden, sondern angelegt bleiben. Je höher der Zinssatz und je länger das Geld angelegt wird, desto stärker hebelt dieser Turbo die Erträge nach oben. Bei 20 Jahren beispielsweise kann der Zinseszins schon mehr Erträge einbringen als der Zins auf den Anlagebetrag (siehe Rechnung unten).

          Die aktuelle Niedrigzinsphase spürt der Sparer aber schon bei zehn Jahren. Er hat am Ende der Laufzeit mehr als zehn Prozent weniger Geld auf dem Konto als früher. Im Vergleich zu einem Aktieninvestment sind es sogar 40 Prozent weniger. Bei 20 Jahren Anlagedauer liegen die Erträge zwischen 20 und 65 Prozent niedriger. Vor diesem Hintergrund fragen sich die Sparer: Wo sind Alternativen zum Minizins? Es gibt sie.

          1. Aktien

          Kauft Dax & Co.!

          Deutsche Aktien haben im Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte zwischen sieben und acht Prozent Rendite im Jahr vor Steuern gebracht. Ausländische Papiere warfen sogar zwischen acht und zehn Prozent ab. Nun ist eine Aktienanlage nicht jedermanns Sache. „Wer bei jedem Kursverlust von zwei Prozent nervös wird, der sollte die Finger von Aktien lassen“, sagt Michael Huber vom VZ Vermögenszentrum. Und diejenigen, die ihr Geld in wenigen Jahren brauchen, weil sie zum Beispiel Eigenkapital für den Hauskauf benötigen. Denn dann ist das Risiko zu groß, mit Verlust verkaufen zu müssen. Bei einer Anlagedauer von drei Jahren zum Beispiel ist das im Dax seit 1970 in einem Drittel der Fälle passiert (siehe nebenstehende Grafik). Wer aber einen langen Atem hat, der sollte Aktien kaufen. Denn dann sind Aktien sicherer, als die meisten glauben. Schon bei einer Anlagedauer von zehn Jahren beträgt das Verlustrisiko nur noch zehn Prozent, ab 13 Jahren null Prozent. Und das trotz geplatzter Internetblase nach dem Jahr 2000, trotz Lehman-Pleite und Euro-Staatsschuldenkrise.

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