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Aktienbeteiligung : So kommen die Deutschen zur Aktie

Auch das gibt’s noch: Echte Wertpapiere. Bild: Dieter Rüchel

Die Deutschen müssen besser sparen, damit die Rente reicht. Deshalb kommen jetzt Aktien ins Spiel. Einen Vorschlag unterstützt auch die neue CDU-Chefin.

          7 Min.

          Mit Aktien fürs Alter vorsorgen? Bei vielen Deutschen ist das geradezu verpönt: Da kann man ja gleich ins Casino gehen, denken sie. Und doch gärt die Diskussion um die Aktienbeteiligung der Deutschen seit Monaten – so lange, bis sich in der vergangenen Woche gleich beide wichtige Kandidaten um den CDU-Vorsitz dafür ausgesprochen haben, Aktien in der Altersvorsorge zu berücksichtigen. Und das zu Recht.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist das große Paradox der Deutschen: Einerseits ärgern sie sich darüber, dass Aktionäre aus ihren Firmenbeteiligungen immer wieder hohe Gewinne ziehen, seit Jahrzehnten wachsen die Aktienkurse trotz zwischenzeitlicher Rückschläge auch in Deutschland schneller als die Löhne. Andererseits wollen viele sich selbst nicht an diesen Gewinnen beteiligen – weil sie irgendwie zu der Annahme gekommen sind, dass Aktien nichts für sie wären. „Wertpapieranlage ist nur etwas für Reiche“ – so sagen viele Deutsche, und das ist ihr Hauptgrund, sich nicht stärker am Kapitalmarkt zu engagieren, wie der Frankfurter Finanzprofessor Andreas Hackethal in einer Umfrage ermittelt hat.

          Die Rente kommt an ihre Grenze

          Diese Haltung hat den Deutschen in den vergangenen Jahren nicht geholfen. Zwar sparen sie insgesamt fleißiger als fast alle anderen Europäer, doch das ganze Geld steckt in Sparbüchern, Tagesgeldkonten und Lebensversicherungen – lauter Geldanlagen, die im Wesentlichen von den Zinsen abhängen. So vermehrt sich kein Vermögen. Die meisten anderen Europäer machen das besser. Ihr Erspartes bringt mehr Rendite, und so kommt es, dass selbst Italiener und Spanier größere Vermögen haben als die Deutschen.

          Bild: F.A.Z.

          Das Problem allerdings wird immer drängender. In ungefähr zehn Jahren beginnen die Babyboomer in Rente zu gehen, dann kommen die staatlichen Rentenkassen an ihre Belastungsgrenze. Wenn die Beiträge nicht ins Unermessliche steigen sollen, müssen die Deutschen länger arbeiten, oder die gesetzlichen Renten müssen sinken. Da entsteht eine Lücke, die sich mit ordentlichen Renditen aus dem Ersparten halbwegs schließen ließe, wenn nur mehr Deutsche Erspartes mit ordentlichen Renditen hätten. Das ist die eine Seite.

          Auf der anderen Seite zeichnet sich ab, dass die Kapitalgewinne in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten weiter wachsen. Digitalisierung und vielleicht auch Globalisierung lassen Ökonomen annehmen, dass sich die Wirtschaft zweiteilt: in erfolgreiche Unternehmen mit hohen Löhnen und noch höheren Gewinnen einerseits – und andererseits in veraltete Unternehmen, die nur noch begrenzt hohe Löhne zahlen können. Immer wieder kommt eine Maschinensteuer in die Diskussion. Dagegen steht die Überlegung von Ökonomen wie Jens Südekum: Wenn die Arbeitnehmer von vornherein an den Gewinnen der Konzerne teilhaben, muss das Geld hinterher nicht mühsam umverteilt werden – es wäre die sanftere und elegantere Lösung.

          Wie kommen die Deutschen zur Aktie?

          Dabei ist selten die Rede davon, dass Arbeitnehmer einfach Anteile an dem Unternehmen bekommen, in dem sie arbeiten. Niemand glaubt, dass die Altersvorsorge des Auto-Facharbeiters vom Erfolg eines Autokonzerns abhängen soll. Im schlechtesten Fall wäre er dann seine Stelle los und hätte gleichzeitig Firmenanteile, die kaum noch etwas wert sind. Stattdessen denken viele Experten darüber nach, Fonds aufzulegen, die die Aktien vieler Unternehmen bündeln – sei es von Unternehmen in Deutschland oder gleich auf der ganzen Welt.

          Nun ist die Idee nicht ganz neu. Schon vor 16 Jahren probierte die damalige rot-grüne Bundesregierung, die Deutschen mittels Steuererleichterungen und staatlichen Zuschüssen in die private Altersvorsorge zu bringen. „Riester-Rente“ hieß das Projekt, und es hat nicht richtig gezündet. Heute hat höchstens jeder vierte Deutsche einen Riester-Vertrag. Das liege daran, dass viele arme Leute überhaupt nicht genug Geld hätten, um zu sparen, heißt es oft. Stimmt das?

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