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Bankwesen : Rentner entdecken das Online-Banking für sich

Keine Scheu vor der Technik: Seniorin am Computer. Bild: Patrick Slesiona

Die Sicherheitsbedenken unter älteren Menschen sind zwar groß. Aber die Banken bieten Seminare zur Aufklärung an - teils von Senior zu Senior.

          Die Empörung war groß, als die Postbank unlängst ankündigte, sich vom 1. April an beleghafte Überweisungen vom Kunden bezahlen zu lassen. 99 Cent für einen Auftrag auf Papier zu verlangen, das sei vor allem „fies“ für ältere Leute, die es gewohnt sind, in der Filiale ihres Vertrauens beim Postbankangestellten den Überweisungsschein einzureichen, kritisierten Verbraucherschützer wie Jörg Schädtler, der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft für Bankkunden: „Man treibt die Kunden ins Online-Banking.“

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          An der Einschätzung ist etwas dran, leiden doch auch Banken und Sparkassen unter der aktuellen Niedrigzinsphase und sind deshalb bestrebt, ihren Aufwand zu minimieren und dadurch Kosten zu reduzieren. Aber wie schlimm ist es, dass auch betagtere Kunden ihre Finanzgeschäfte zunehmend übers Internet erledigen sollen?

          „Die Scheu vor der Technik und die Sicherheitsbedenken sind die größten Probleme“, weiß Rüdiger Fritz von der Sparda-Bank Hessen aus Erfahrung. Der Filialleiter schult in Gießen Senioren, die ihr Wissen als ehrenamtliche Sicherheitsberater ihrerseits an Gleichaltrige weitergeben. „Auf Augenhöhe“, wie Fritz sagt, könnten diese Senior-Berater die Vorzüge des Online-Banking womöglich besser vermitteln als „ein junger Angestellter“. Seien dann die Ehrfurcht vor dem EDV-Programm und die Furcht vor Online-Betrügereien überwunden, würden Senioren die Vorteile des elektronischen Zahlungsverkehrs sehr zu schätzen wissen. „Viele Ältere sind aufgeschlossener als manche Vierzig- oder Fünfzigjährige, die sich nichts sagen lassen wollen“, behauptet Fritz.

          Vor allem bequem

          Mit allerlei Mitteln versuchen Finanzinstitute, ihren älteren Kunden das Online-Banking näherzubringen. Sie werben damit, dass dies nicht nur günstig und sicher sei, sondern vor allem bequem, weil man bei angeschlagener Gesundheit und eingeschränkter Mobilität nicht mehr die eigenen vier Wände verlassen und eine Filiale aufsuchen müsse. Manche Banken und vor allem Sparkassen gehen sogar noch einen Schritt weiter und bieten Schulungen zum Online-Banking an - gegen eine Teilnahmegebühr, versteht sich.

          Die „S Academy“ der Sparkasse Langen-Seligenstadt beispielsweise offeriert ihren Kunden ein Seminar für Online- und Mobile-Banking, das zwei hessische Sparkassenangestellte leiten, und verlangt dafür 29 Euro. Ebenso teuer ist eine zweistündige Einführung, die von der westfälischen Bürgersinnstiftung und den Genossen von der PSD Bank Westfalen-Lippe angeboten wird. Die Sparkasse Schwäbisch Hall will von ihren Privatkunden „nur“ zehn Euro für drei Unterrichtsstunden im Fach Online-Banking. Wer sich das Geld sparen will und dennoch Hilfe benötigt, wird von Bankmitarbeitern mitunter „auf die schönen Anleitungen im Netz“ hingewiesen. Kurze Videos dienen dort als Lehrmaterial.

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