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Crowdlending : Woher weiß der Schwarm, wer kreditwürdig ist?

Würden Sie diesem Motorradfahrer einen Kredit geben? Bild: Getty

Im Internet geben sich wildfremde Menschen Kredite. Über die Höhe des Zinssatzes entscheidet auch, welchen Browser der Kunde nutzt.

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          Superburschi ist kein aussichtsloser Fall. Wer solche Spitznamen in seiner E-Mail-Adresse verwendet, hat zumindest auf dem Internet-Kreditmarktplatz Auxmoney keine schlechteren Chancen auf das ersehnte Geld als jemand, der unter einer Hans.Meyer-Adresse ganz seriös unterwegs ist. Zwar verwenden die Betreiber der Plattform, über die sich wildfremde Menschen Kredite geben, Hunderte Daten, um abzuschätzen, wie kreditwürdig die einzelnen Teilnehmer sind. Die Hypothese, dass Nutzer mit möglichst vielen Namensbestandteilen in ihrer Mailadresse verlässlicher sind als die mit den Spitznamen habe sich aber nach umfangreichen Tests nicht bestätigt, sagt Raffael Johnen, der Vorstandsvorsitzende von Auxmoney.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Düsseldorfer Unternehmen ist vor Anbietern wie Lendico und Smava der deutsche Marktführer im Crowdlending. Sie alle bringen Privatleute, die einen Kredit brauchen, mit Leuten zusammen, die gerne Geld anlegen wollen, und verzeichnen damit hübsche Wachstumsraten. Über Auxmoney wurden im vergangenen Jahr 100 Millionen Euro verliehen. Das ist zwar nicht viel mehr als bei einer kleinen Sparkasse; aber immerhin dreimal so viel wie im Jahr zuvor. Den Anlegern verspricht der Betreiber durchschnittliche Renditen von mehr als 5 Prozent. Die vergeben dafür Kredite auch an Kunden, die von Banken kategorisch ausgeschlossen werden. Wie kann das gehen, ohne dass ständig Kredite ausfallen und so die Rendite der Anleger gedrückt wird? Dieser Zeitung haben die Macher von Auxmoney einen tieferen Einblick gegeben in ihre Methode, wie sie die Bonität ihrer Kunden abschätzen. Es zeigt sich: Wer einen Kredit von der Crowd, also dem Schwarm der Anleger, haben möchte, wird genau durchleuchtet.

          Das geht los bei der Anmeldung. Zwar brüstet sich Auxmoney damit, auch solchen Kunden Kredite zu geben, die bei herkömmlichen Banken oft schlechte Karten haben wie Studenten, Arbeitnehmer in der Probezeit oder Selbständige. Doch einige Gruppen fallen auch bei ihnen durch, ohne dass Johnen genau sagen will, welche. Auch der zweite Schritt ist eher konventionell: Die Abfrage bei einer Auskunftei wie der Schufa soll klären, ob beim Antragsteller schon einmal ein Kredit ausgefallen ist. Wenn ja, wird er gleich abgelehnt.

          „Auxmoney-Scoring“

          Erst danach kommt die eigentliche Bonitätsprüfung, das „Auxmoney-Scoring“, wie Johnen es stolz nennt. Aus einer Ansammlung von mehreren hundert Datenpunkten versuchen sie, die Bonität des Kunden einzuteilen in eine von sieben Score-Klassen von AA über A und B bis X. Während mancher Internetanbieter auch das Facebook-Verhalten seiner Kunden zur Hilfe nimmt, sollen bei Auxmoney nur solche Daten verwendet werden, die aus der direkten Interaktion des Kunden mit dem Unternehmen abzulesen sind.

          Zum Beispiel muss der Interessierte bei der Anmeldung seine regelmäßigen Einnahmen und Ausgaben angeben, die später anhand von Kontoauszügen überprüft werden. Das Verhältnis davon ist ein Indiz für seine Kreditwürdigkeit. Auch wie viele Kreditkarten ein Kunde hat, von welchen Banken sie ausgestellt wurden und wie lange er schon bei seiner Hausbank ist, will der Marktplatzbetreiber wissen. Aus dem Namen und seiner Adresse werden laut Johnen aber keine Rückschlüsse gezogen. Dafür überprüft Auxmoney, mit welchem Browser der Nutzer im Internet unterwegs ist. „Auch Kleinigkeiten, etwa ob ein Kunde sofort auf eine Bestätigungsmail antwortet oder sie drei Tage liegenlässt, können Aufschluss darüber geben, ob ein Kunde über die Jahre seinen Kredit zurückzahlt“, sagt Johnen.

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