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Schuldner-Register : Was weiß die Schufa über mich?

  • -Aktualisiert am

Datenschützer stehen der Schufa kritisch gegenüber. Bild: Schufa

Ob Handy oder Kredit - wer einen Vertrag abschließt, muss damit rechnen, dass auch die Schufa seine Daten bekommt.

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          Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa, ist ein privat organisiertes Unternehmen, das Banken, Händlern und anderen Auskünfte erteilt, um sie vor Zahlungsausfällen zu schützen. Mit der Schufa arbeiten vor allem Banken und Sparkassen zusammen, aber auch Versicherungen, Telekommunikationsunternehmen und Versandhändler. Rund 7000 Unternehmen leiten Informationen über ihre Kunden an die Schufa weiter. Die ausgewerteten Kundendaten, die Rückschlüsse auf Bonität und Zahlungsmoral erlauben, gibt die Schufa wiederum an ihre Vertragspartner weiter.

          Wenn Kunden ein Konto eröffnen oder einen Kaufvertrag abschließen, steht in der Regel im Kleingedruckten, dass die Schufa ihre Daten bekommt. Die Schufa sammelt so zum Beispiel Geburtsdatum, Anschriften, Bankkonten, Kredite und Leasingverträge. Die Schufa hält außerdem fest, ob der Verbraucher seine Schulden pünktlich begleicht. Wird ein Schuldner zahlungsunfähig, vermerkt sie beispielsweise, ob die Bank die Kreditkarte einzieht oder eine Verpflichtung zur Vermögensoffenbarung vorliegt. Informationen zu Familienstand, Arbeitgeber, Einkommen und Vermögen speichert die Schufa nach eigenen Angaben hingegen nicht.

          Negative Einträge leichter löschen

          Seit Juli 2012 hat die Schufa das Löschen negativer Einträge erleichtert. Verbraucher können Einträge über nicht bezahlte Rechnungen löschen lassen, wenn diese 2000 Euro nicht übersteigen und vom Gläubiger innerhalb von sechs Wochen als beglichen gemeldet werden. Davor ging das nur für kleinere Rechnungen innerhalb von kürzeren Fristen. Die Forderungen dürfen jedoch nicht tituliert sein, das heißt es darf kein Vollstreckungsbescheid vorliegen.

          Die Neuregelung nützt Verbrauchern, die eine Rechnung vergessen haben, aber sonst pünktlich zahlen. Nach Angaben der Schufa liegen immerhin zu über 91 Prozent der gespeicherten Personen ausschließlich positive Einträge vor. Die restlichen 9 Prozent sind entweder säumige Schuldner oder der Schufa zum Opfer gefallen. Denn regelmäßig führen Falscheinträge und intransparente Bewertungen der Schufa zu Problemen für Verbraucher, wie Verbraucherschützer kritisieren.

          Die Schufa sagt nicht, wie der Score zustande kommt

          Im einfachsten Fall benötigt ein Vertragspartner der Schufa die Daten nur, um die Identität einer Person festzustellen. Online-Händler wollen so beispielsweise verhindern, dass Betrüger mit falschen Identitäten auf Shoppingtour gehen. Das Internetauktionshaus Ebay nutzt die Schufa aus diesem Grund und fragt erst gar nicht ab, ob ein Mitglied seine Rechnungen pünktlich zahlt.

          Daten zur Zahlungsmoral sind vor allem für Banken nützlich. Wenn ein Kunde einen Kredit beantragt, weiß die Bank im Voraus nie mit Sicherheit, ob sie das geliehene Geld fristgerecht zurückbekommt. Die Schufa soll helfen, diese Unsicherheit zu reduzieren. Dazu teilt sie der betreffenden Bank mit, ob der Kunde weitere Kredite hat und wenn ja, welche Laufzeit und Höhe diese haben. Bei welcher Bank er die Kredite aufgenommen hat, bleibt vertraulich.

          Ein weiteres Indiz für die Zahlungsmoral eines Verbrauchers liefert der sogenannte Score (zu Deutsch: Punktzahl) der Schufa. Dieser Wert soll die Wahrscheinlichkeit angeben, dass sich ein Kunde vertragstreu verhält. Die Schufa berechnet den Score für die jeweiligen Branchen einzeln. Eine Bank bekommt also einen anderen Wert zu sehen als ein Versandhändler. Verbraucherschützer kritisieren, dass die Berechnung des Scores intransparent sei. Denn die Schufa sagt nicht genau, wie der Wert zustande kommt. Und so erleben Verbraucher immer wieder, dass sie trotz bester Zahlungsmoral keinen Kredit bekommen.

          Nur die Datenübersicht ist kostenlos

          Immerhin muss die Schufa jedem sagen, welche Informationen über ihn gespeichert sind. Einmal jährlich können Verbraucher eine Übersicht der gespeicherten Daten und der Unternehmen, die diese abgefragt haben, kostenlos anfordern. Die Schufa teilt auch den Score mit - eine Punktzahl, die ohne weitere Informationen schwer einzuschätzen ist. Auf der Internetseite der Schufa steht ein Bestellformular in drei Sprachen zum Download bereit. Achtung, nur die Datenübersicht ist kostenlos, für eine Bonitätsauskunft fallen 18,50 Euro an.

          Wer falsche Einträge entdeckt, kann sich an die zuständige Schufa-Geschäftsstelle wenden und eine Änderung verlangen. Die Verbraucherzentrale Bremen stellt einen Musterbrief als Vorlage zur Verfügung.

          Für Verbraucher, die immer pünktlich zahlen und dennoch vom Kreditberater mit Hinweis auf die Schufa abgewiesen werden, bleibt nur eins - der Gang zum Anwalt.

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