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Schöne Zeit statt Statussymbol : Erlebnis-Geschenke liegen im Trend

  • -Aktualisiert am

Beliebtes Geschenk: Gutscheine. Bild: dapd

Mit dem falschen Geschenk kann man sich ganz schön in die Nesseln setzen. Außerdem haben die meisten schon etliche Vasen und Kerzenleuchter im Schrank stehen. Da schaffen Gutscheine Abhilfe. Doch auch sie wollen sorgsam ausgewählt sein.

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          Anscheinend liebt der Mensch das Risiko. Wie sonst ist es zu erklären, dass er sich alljährlich und sehr regelmäßig in eine der riskantesten Unternehmungen begibt, die das Leben so bietet: das Schenken? Es klingt immer so mild und gut, doch tatsächlich bringt sich jeder in Gefahr, der es tut. Wer anderen etwas schenkt, kann sich damit kräftig in die Nesseln setzen und sich als unsensibel und einfallslos outen - das ist noch der harmloseste Fall.

          Oder noch schlimmer: Er kann den Beschenkten mit dem falschen Präsent düpieren, deprimieren, ihn als Wiederholungstäter sogar lebenslang frustrieren. Ganze Indianerstämme haben sich überdies mit ritualisierten Gaben, die im Lauf der Zeit immer größer wurden, schon gegenseitig in den Ruin getrieben. Warum also tun wir das bloß?

          Kultursoziologen wie Gerhard Schmied, der darüber ein Buch geschrieben hat, erklären es so, dass wir beim Schenken unsere "Beziehungen zu erhalten und zu stärken" versuchen. In jeder Kultur wird geschenkt, der Beginn des Gabentauschs war im Übrigen auch der Beginn des friedlichen Zusammenlebens: Die Menschen nahmen sich nicht mehr, was sie wollten, sondern bekamen es freiwillig und feierlich überreicht. Nun haben sich die Zeiten seitdem mächtig geändert, deswegen darf man bezweifeln, dass das noch immer so ist - dass Menschen das bekommen, was sie auch wollen, zum Beispiel.

          „Es ist sinnvoller, etwas Nichtmaterielles zu schenken“

          Nützliches und Praktisches verschenken wir ja kaum noch, schon gar nicht an Menschen, die uns sehr nahe stehen. Da gilt das Verschenken von Staubsauger, Schlagbohrer oder Schnellkochtopf schon fast als gesellschaftliches Tabu. Den 500sten Kerzenleuchter oder die 13te Blumenvase, die einfach nur schön sind - wenn überhaupt -, aber irgendwo im Schrank verstauben, will ja auch niemand wirklich. Und wenn professionelle Geschenkeberater im Internet Mondgrundstücke oder Nasa-Aquarien als den letzten Schrei verkaufen, dann könnte es sein, dass sie bei Beschenkten genau den auslösen. Aber garantiert nicht vor Freude. Was also verschenkt man, damit sich der andere tatsächlich freut?

          Darauf gibt es glücklicherweise eine Antwort, nämlich die von Anton Tölk, und der muss es wissen, er ist Psychotherapeut: "In unserer heutigen Wohlstandsgesellschaft, wo die meisten Leute alles haben, was sie brauchen, ist es sinnvoller, etwas Nichtmaterielles zu schenken." Einen gemeinsamen Abend etwa, einen Konzertbesuch oder ein anderes schönes Erlebnis. Das haben aufmerksame Schenker schon erkannt, aber inzwischen auch die Präsentindustrie. Früher musste man solche Erlebnisgeschenke aufwendig aussuchen, alles selbst buchen und dann handgeschriebene Gutscheine kritzeln, um nicht mit leeren Händen dazustehen.

          Inzwischen verkaufen Anbieter in vielen Kaufhäusern, Geschenkeshops oder eigenen Filialen Erlebnisse aller Art fertig geschnürt in schicken Geschenkboxen. Oft muss der Schenker nicht einmal eine Vorauswahl treffen, sondern kann Pakete mit bis zu 100 Gutscheinen kaufen, von denen der Beschenkte dann denjenigen einlöst, der ihm am besten gefällt. Hektik muss der dabei nicht gerade an den Tag legen: Die meisten Gutscheine gelten drei Jahre, und man kann sie sogar weiterverschenken.

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