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Schlag den Meck! : Mein China-Risiko

  • -Aktualisiert am

Der Dax zuckt, das Herz des Hobby-Spekulanten bleibt kühl Bild: Marc-Steffen Unger

F.A.S.-Redakteur Georg Meck tritt mit 20.000 echten Euro gegen die Leser an: Nach zwei hektischen Monaten hat er eine neue Kursrakete entdeckt.

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          Ein Tag Schock, am nächsten wieder Euphorie: Das Börsenspiel der Sonntagszeitung, inzwischen in der zehnten Woche, nimmt alle Ausschläge der Kapitalmärkte mit; erst das Griechen-Hickhack, kurzzeitiges Grexit-Szenario inklusive, und jetzt der Trubel in China: Börse abgestürzt, Währung abgewertet. Kein Wunder, dass die Börsianer zu den schärfsten Metaphern greifen. Aber ganz ehrlich: Uns schreckt das nicht. Da stehen wir drüber. Wer sich mit einem Warren Buffett messen will, das haben wir Hobby-Investoren inzwischen gelernt, muss kühl sein bis ins Spekulantenherz. Also, lasst sie ruhig reden, die Hinterher-Bescheid-Wisser und neunmalklugen Börsenerklärer. Das irritiert uns nicht.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Schließlich haben wir etwas zu verlieren, es geht um den Ruf und um echtes Geld: Wer macht mehr aus 20.000 Euro Einsatz? So haben wir gewettet. Als Gewinn wartet ein iPad, wenn zum Jahreswechsel ein erster Strich unter das Depot gezogen wird. F.A.S.-Leser können jederzeit einsteigen, sie müssen auch nicht das komplette Spielgeld auf einen Schlag für Aktien, Anleihen oder Zertifikate raushauen. Gut 12.000 Euro haben wir investiert, der Rest halten wir cash – so wie es die Profis raten in diesen aufwühlenden Zeiten.

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          Und das Ergebnis nach zwei Monaten? Nun ja. Würden wir unser Gehalt als Fondsmanager verdienen, wäre unsere Antwort: Wir haben die Benchmark, den Dax, geschlagen. Das trifft hinter dem Komma gerade so zu, hilft uns aber trotzdem nicht, die Cocktails an der Strandbar zu bezahlen: Der Dax hat zwei Prozentpunkte verloren, unser Depot auch. Auf dem Papier sind wir 400 Euro ärmer. Nicht schön, aber kein Beinbruch: Mit Nestlé und Münchner Rück, Entschuldigung „Munich Re“ heißt das jetzt, haben wir alles richtig gemacht. Beide Aktien liegen stabil im Plus, und wir glauben an die Dividende. Argumente, jetzt auszusteigen, fallen niemandem ein.

          Was aber lief schief mit dem Rest? „Ich sage nur China, China, China“, um an dieser Stelle einen vergessenen bundesrepublikanischen Staatsmann zu zitieren. Auch wer die Zockerbörse in Schanghai nie betreten hat, leidet heute mit. Weil alle Welt sich sorgt, dass den Chinesen die Konsumlaune vergeht, ängstigen sich in Deutschland die Exporteure. Wenn die Volkswirtschaft Chinas nur noch mit sieben Prozent wächst, gönnen sich womöglich weniger Leute den neuen 7er BMW: Unsere BMW-Aktien (die Vorzüge) sind deswegen abgetaucht, aber deshalb verkaufen? Im Leben nicht. Die Bayerischen Motorenwerke hängen weniger an China als andere Autohersteller, das Unternehmen ist im Moment günstig bewertet, außerordentlich gut geführt und hat schon ganz anderes weggesteckt in den 100 Jahren seines Bestehens: Im Frühjahr feiert BMW Jubiläum – da sind wir als Aktionäre dabei. Es müsste Gewaltigeres passieren, ehe wir die Papiere abstoßen. Außerdem haben wir – vor vielen Jahren – schon einmal BMW-Aktien viel zu billig verkauft, aber das ist eine andere Geschichte.

          Stehen die Aktienmärkte vor einem großen Beben?

          Ernstere Sorgen bereitet die vermeintliche Kursrakete, die wir uns in China angelacht haben – und die jetzt auf ein Allzeittief abgestürzt ist: Alibaba, die weltgrößte Internet-Handelsplattform, vom legendären Gründer Jack Ma voriges Jahr an die Börse gebracht – zum Glück in Amerika, nicht in China, sonst sähe es noch trister aus in unserem Depot. Fast 15 Prozent hat die Aktie verloren – und das nicht wegen plötzlicher Verluste, sondern weil Alibaba den Umsatz „nur“ um 28 Prozent und den Gewinn „nur“ um 21 Prozent gesteigert hat. Die Börse hatte mehr erwartet, sind die alle irre? Wir stehen – vorerst – treu zu Alibaba, zumal unser Tippgeber, ein exponierter Mann in der deutschen Start-up-Szene, bei seiner Empfehlung bleibt: „Alibaba walzt alles nieder.“

          Klüger haben zweifellos die F.A.S.-Leser gehandelt, die auf Netflix, den amerikanischen Streamingdienst, gesetzt haben: Die Aktie hat ihren Wert binnen eines Jahres verdoppelt – phänomenal! Durch einen Aktiensplit wurde sie nur optisch billiger (der Wert im Musterdepot des Spielteilnehmer wird selbstverständlich nach oben korrigiert). Um da mitzuhalten, braucht es neue Ideen, einen Geheimtipp gar: „Gilead Sciences“ könnte so etwas sein. Ein Biotech-Konzern aus Kalifornien, noch keine 30 Jahre alt und schon auf Platz 36 der wertvollsten Konzerne der Welt.

          25 Milliarden Dollar Umsatz, 15 Milliarden Dollar operativer Gewinn. Forschung rechnet sich. Gleich am Montag, wenn die Börse öffnet, steigen wir ein – auch wenn sich neuerdings im Hinterkopf immer so eine mahnende Stimme meldet: „Achtung, Blase!“, raunt die. Schuld daran ist bestimmt der neue Chef der Deutschen Börse, ein hochkompetenter Mann mit Investmentbanker-Erfahrung. Als wir den zum Interview treffen, fragt er, ob wohl alle Akteure an den Märkten wissen, was sie tun. Ob ihnen klar ist, was passiert, wenn die Zinsen mal wieder steigen: Mit einem Schlag ändert sich dann die Kalkulation für Aktien wie für Anleihen. Ewig stumpf geradeaus wird es nicht gehen.

          Das bestätigt unser Lieblings-Großinvestor, ein brillanter Kopf, der Hunderte Milliarden zu umsorgen hat. Regelmäßig spottet der über die Wahnsinnigen, die da draußen unterwegs sind und wie wild Aktien oder Immobilien kaufen allein im Glauben, die Notenbanken würde es für immer so bunt treiben mit dem billigen Geld. Irgendwann wird damit Schluss sein. Das sagen alle Lehrbücher wie die Lebenserfahrung. Irgendwann werden die Preise wieder das Maß für Risiken abbilden. Und irgendjemand wird dann bluten. Was also, wenn das Beben in China und die Zuckungen des Dax nur die Vorboten für mehr Unheil sind? Da hilft nur eines: wachsam bleiben, Augen auf beim Aktienkauf!

          Die Spielregeln

          In turbulenten Zeiten an der Börse zeigt sich der Könner: Treten Sie also an gegen die Sonntagszeitung! Wer ein iPad gewinnen will, braucht ein Depot.


          Das gibt es – natürlich kostenlos – hier: www.faz.net/musterdepot.
          Falls nicht längst geschehen, müssen Sie sich dazu auf faz.net anmelden. Der Name des Depots muss mit „SDM-“ beginnen.


          Ganz wichtig: Sie dürfen nicht mehr als 20.000 Euro Spielgeld ausgeben (gerne aber weniger, wenn Sie das Pulver trocken halten wollen). Damit alles echt aussieht, auch die Kosten an der Börse, tragen Sie als „fixe Spesen“ 5 ein, als „Spesen in Prozent“ 0,5 und als „Minimum“ 10.


          Und schon geht es los. Bitte machen Sie von Ihrem Eröffnungsdepot einen „Screenshot“, und schicken Sie diesen an: schlag-den-meck@faz.de.

          Für weitere Fragen steht in der Redaktion Thorin Wäschle (t.waeschle@faz.de) bereit.

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