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Private Krankenversicherung : Krankenpolicen nur für mündige Verbraucher

Brillen: Dafür zahlt die PKV Bild: dpa

Wer eine private Krankenversicherung abschließt, kann von hohen Beitragssteigerungen getroffen werden - oder den Vertrag selbst gestalten.

          3 Min.

          Prämiensteigerungen bis zu 60 Prozent, durchschnittliche Zuwächse um ein Viertel. Diese knalligen Zahlen nahm der Bundesverband der Verbraucherzentralen vor einiger Zeit zum Aufhänger für eine Abrechnung mit der Privaten Krankenversicherung. Die Datenbasis sei mit 144 Fällen zwar nicht repräsentativ und dadurch verfälscht, dass sie nur aus Beschwerdefällen bestehe, schob man noch hinterher. Dennoch nahm Verbandschef Gerd Billen sie als Argumentationshilfe, seiner politischen Forderung Ausdruck zu verleihen, das Wechselrecht zwischen Versicherern müsse vereinfacht werden.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Die privaten Krankenversicherer sind in einer unangenehmen Lage: Mit der selbst geschaffenen Tarifvielfalt haben sie den Markt unübersichtlich gemacht und mit günstigen Einsteigertarifen auch die Basis für hohe Beitragssteigerungen in Einzelfällen gelegt. Dadurch haben sie sich angreifbar gemacht, stehen unter wachsendem politischen Druck und müssen sich öffentlicher Angriffe von verschiedenen Seite erwehren.

          Nicht zwingend eine tatsächliche Zwangslage

          Dass tiefergehende Analysen von Branchendiensten die erschreckenden Zahlen regelmäßig relativieren, dient den Unternehmen kaum noch zur Verteidigung. So errechnete der Map-Report unter den 18 Versicherern seines Ratings, die einen großen Teil des Marktes abdecken, eine durchschnittliche Beitragserhöhung um 7,83 Euro von 2011 auf 2012. Die beiden Marktführer DKV (nach Prämieneinnahmen) und Debeka (nach Vollversicherten) erhöhten gar nicht; die DKV senkte sogar leicht. In den zwölf Jahren nach der Jahrtausendwende mussten demnach Angestellte jährlich 12,50 Euro mehr für ihre Policen ausgeben als im Vorjahr - eine Steigerungsrate von 4,1 Prozent im Durchschnitt.

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          Dennoch finden die drastischeren Einzelfälle immer wieder Einzug in die öffentliche Diskussion, weil sie ein scheinbares Dilemma manches Versicherten beschreiben: Hat er sich erst einmal für eine private Police entschieden, kommt er auch bei unangenehmen Prämienzuwächsen aus dem System nicht mehr heraus. Eine tatsächliche Zwangslage muss dies aber nicht sein, weil das Versicherungsvertragsrecht Tarifwechsel innerhalb einer Gesellschaft gestattet. Wer zum Beispiel zum Renteneintritt mit 65 Jahren aus einem Qualitätstarif in einen Tarif auf dem Niveau der gesetzlichen Kassen wechseln will, spart erheblich an Beiträgen, wie eine aktuelle Untersuchung des Branchendienstes KVpro.de zeigt.

          Und dabei ist die Ersparnis tendenziell umso größer, je länger der Versicherte Alterungsrückstellungen aufgebaut hat. War er zwischen vier und fünf Jahrzehnten privat versichert, kann er durch einen Tarifwechsel monatlich durchschnittlich rund 330 Euro einsparen, war er zwei Jahrzehnte versichert, knapp 230 Euro. Selbst wer erst zwischen 50 und 55 Jahren in die private Krankenversicherung gewechselt ist, kann den Monatsbeitrag mit Hilfe der Alterungsrückstellungen sogar noch um 240 Euro senken. „Wer in einen günstigen Tarif einzahlt, baut dagegen wenig Polster auf, um durch einen Wechsel zu sparen“, sagt Gerd Güssler, Geschäftsführer von KVpro.de.

          „Der Preis-Leistungs-Mechanismus funktioniert nicht“

          Wegen dieser Option im Alter sieht der Marktbeobachter die privaten Policen als ein Produkt für mündige Verbraucher. Schon bei Abschluss sollten sie sich Gedanken über die wichtigsten Vertragsbestandteile machen. Zahle der Versicherer das 3,5-Fache des Höchstsatzes der Gebührenordnung für stationäre und ambulante Behandlungen und verzichte er darauf, dass der Versicherte zunächst einen Hausarzt aufsuchen müsse, handle es sich höchstwahrscheinlich um einen qualitativ hochwertigen Tarif. „Das Beitragsniveau dagegen ist kein Kriterium, um einen solchen zu erkennen“, sagt Güssler.

          Damit bestätigt er eines der zentralen Ergebnisse einer weiteren umstrittenen Studie der jüngeren Vergangenheit. „Im PKV-Sektor funktioniert der Preis-Leistungs-Mechanismus nicht“, fasst der Gesundheitsökonom Thomas Drabinski seinen Befund zusammen. So gebe es günstige Tarife mit guten Leistungen genauso wie teure mit schwachen Leistungen, sagt der Leiter des Kieler Instituts für Mikro-daten-Analyse.

          Für seine vielbeachtete Untersuchung mit der Maklerservice-Gesellschaft Premiumcircle hatte er selbst 85 Mindestkriterien eines Vertrags festgelegt. Gegenüber diesem Katalog seien 80 Prozent der Verträge weniger leistungsstark als diejenigen der gesetzlichen Kassen, heißt es in der Untersuchung. Der PKV-Verband indes kritisiert die Auswahl der Kriterien: „Sie sind willkürlich zusammengestellt und qualitativ überhaupt nicht gewichtet“, sagt ein Sprecher. Die Vielfalt der Angebote ermögliche es den Kunden, nach eigenen Vorstellungen einen passenden Tarif zu wählen - was den mündigen Verbraucher voraussetzt.

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