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Private Altersvorsorge : Verzichten für die Rente

Wieviel seines Lohns muss ein Arbeiter für seinen Ruhestand zurücklegen? Bild: dpa

Die gesetzliche Rente reicht im Alter nicht, um den Lebensstandard zu halten. Sparen ist angesagt. Worauf müssen wir heute verzichten, damit wir morgen sorgenfrei leben können? FAZ.NET hat das an drei Beispielen durchgerechnet.

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          Wie schwer es ist, fürs Alter vorzusorgen, das hat jetzt auch die Politik bemerkt. Sozialministerin Ursula von der Leyen will eine so genannte „Zusatzrente“, weil viele Leute trotz privater Altersvorsorge nur auf die 850 Euro Grundsicherung kommen, die ihnen sowieso zustehen. Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel hat gemerkt, dass das Sparen schwer ist. Er schlägt vor, dass Arbeitnehmer automatisch 2 Prozent des Bruttolohnes in eine Betriebsrente einzahlen sollen, wenn sie nicht widersprechen. Und will das mit 400 Euro pro Jahr fördern.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dabei ist vielen Leuten noch gar nicht klar, wie viel sie sparen müssen. Sicher wissen sie nur: Die gesetzliche Rente allein reicht jetzt und in Zukunft immer weniger aus, wollen die Menschen im Alter nicht deutlich schlechter dastehen als in den Jahren, in denen sie voll berufstätig waren. Wie viel müssen sie dafür zurücklegen?

          70 Prozent des Nettolohns reichen im Alter aus

          Das volle Gehalt braucht nach dem Erwerbsleben niemand, denn viele Kosten fallen im Ruhestand nicht mehr an: Der Rentner muss nicht mehr für das Alter vorsorgen, die Kinder sind schon erwachsen und verdienen eigenes Geld, und auch das Haus ist vielleicht schon abbezahlt. Deshalb halten Rentenexperten momentan eine Gesamtrente von 70 Prozent des Nettogehaltes für ausreichend, zumindest solange der Rentner gesund bleibt. Wird er krank oder benötigt Pflege, können die Kosten immens steigen.

          Die gesetzliche Rente deckt einen Teil dieses Bedarfs ab – sie reicht aber lange nicht, um den Wunsch nach einem finanziell sorgenfreien Lebensabend zu erfüllen. An der privaten Vorsorge führt kein Weg vorbei – sonst droht die Armut im Alter. Doch wie viel muss ich zurücklegen, damit ich meinen Ruhestand mit einem soliden Polster genießen kann? Und auf was muss ich heute dafür verzichten? Das fragen sich viele Sparer.

          Die Friseurin muss 147 Euro im Monat zurücklegen

          Deutlich wird dies an drei Beispielrechnungen. Eine nicht verheiratete, 35 Jahre alte Friseurin verdient im Monat rund 1600 Euro. Wenn sie an die Inflation denkt, braucht sie bei Rentenbeginn 1650 Euro im Monat (siehe Tabelle). Von der gesetzlichen Rentenversicherung kann sie aber nur 1040 Euro erwarten – eine Lücke von 610 Euro. Nach Berechnungen von Michael Huber vom Vermögenszentrum in Frankfurt (siehe Tabelle) müsste die Friseurin monatlich 13 Prozent ihres Nettoeinkommens sparen, um den fehlenden Betrag auszugleichen. Heute liegt er bei 147 Euro im Monat. Wenn das Gehalt steigt, muss der Sparbetrag mitsteigen.

          Private Altersvorsorge: Was Verbraucher sparen müssen Bilderstrecke

          Ist das machbar? Heute schon geben Leute mit ähnlichen Einkommen rund 280 Euro im Monat aus, um Vermögen zu bilden, meldet das Statistische Bundesamt. Doch ein großer Teil des Geldes kommt nur kurzfristig aufs Sparbuch, für ein Auto zum Beispiel oder für den Urlaub. Sicher ist: Wer in der Einkommensgruppe der Friseurin eine Rentenversicherung hat, gibt dafür im Durchschnitt 60 Euro im Monat aus.

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