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Liechtensteiner Versicherer : Prisma Life will nachhaltig statt zwielichtig sein

Im Bereich der Altersvorsorge können Verbraucher auf viele Anbieter zurückgreifen. Der Liechtensteiner Versicherer Prisma Life ist einer davon. Bild: dpa

Der Versicherer aus Liechtenstein hat sich in den vergangenen vier Jahren stark gewandelt. Nun setzt er auf einen neuen Trend.

          Wer im Internet nach dem Namen „Prisma Life“ sucht, stößt unter den ersten zehn Einträgen auf drei des Unternehmens, der Rest klingt nach Zoff. Verbraucherschützer warnen vor bestimmten Policen des Liechtensteiner Versicherers. Ein Zeitungsartikel klärt über die undurchsichtige Eigentümerstruktur auf, in die ehemalige Kader der DDR-Partei SED verstrickt sein sollen. Zwei Einträge beschäftigen sich mit einstweiligen Verfügungen und einem verlorenen Gerichtsprozess. Offenbar gab es einiges aufzuarbeiten, wenn man sich wie das Unternehmen Prisma Life weiter als Anbieter in der Altersvorsorge bewähren wollte.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          „Der Wandel hat dort stattgefunden, wo wir im Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung gesagt haben, wir müssen die Governance in den Vordergrund stellen“, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende Helmut Posch am Donnerstag in Frankfurt. Ob vorher weniger auf gute Unternehmensführung geachtet wurde, wollte der seit zwei Jahren amtierende Aufseher und strategische Kopf des Unternehmens nicht sagen – nur dass sich seit Antritt von Geschäftsführer Holger Beitz im Jahr 2015 einiges getan habe.

          Einst war das Unternehmen durch hohe Abschlusskosten berüchtigt, inzwischen setzt es stark auf Nettotarife, in denen überhaupt keine Abschlusskosten enthalten sind, und die zum Beispiel von Honorarberatern vermittelt werden. 76 Prozent der neu verkauften Verträge sind nach diesem Zuschnitt gestaltet, wie aus dem aktuellen Jahresbericht hervorgeht. Das geht einher mit einer stark veränderten Vertriebsstruktur. Von einst 400 bis 500 Vertriebspartnern sind 100 geblieben, davon der umstrittene Strukturvertrieb Afa, dem der Haupteigentümer der Prisma Life vorsteht. Drei Viertel des Geschäfts des Versicherers werden durch Afa-Vertriebler vermittelt.

          2015 kämpfte man noch mit Liquiditätsengpässen

          Noch im Jahr 2015 hatte die Prisma Life mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen. Seither gab es drei Jahre, in denen der reine Lebensversicherer, der nur fondsgebundene Policen und Biometrieprodukte anbietet, einen Überschuss erzielt hat. Das Eigenkapital hat sich im vergangenen Jahr um 22 Prozent erhöht. Das Ergebnis steigerte sich um 7 Prozent. Die Abschlusskostenquote sinkt wegen des hohen Anteils an Nettotarifen. Das Unternehmen verwaltet 1,1 Milliarden Euro für seine Kunden und steht damit in der fondsgebundenen Lebensversicherung in Deutschland auf Platz 21. „Wir haben einen großen Wandel bei den Vertriebspartnern, den wir bewusst in Kauf nehmen. Unsere Ansprüche an die Qualität haben sich verändert“, sagte Beitz in dem Pressegespräch.

          Von wachsender Bedeutung ist für die Prisma Life das Thema nachhaltige Geldanlage – gemessen an ESG-Kriterien (nach den englischen Wörtern für ökologisch, sozial, Unternehmensführung). „Wir haben das Ziel, mit unserem ESG-Score immer deutlich über dem Durchschnitt der anderen Anbieter zu liegen“, sagte Beitz. Als kleiner Wettbewerber könne er deutlich schneller als der Marktführer Allianz, der bis zum Jahr 2050 ein klimaneutrales Portfolio anstrebt, umschichten. Nach den Ratings von Morningstar kommt der Deckungsstock der Prisma Life auf einen ESG-Score von 75,2 Prozent. Vor drei Monaten lag er noch bei 73,4 Prozent. „Das ist ein dauerhafter Prozess, das macht man nicht mit einer Umschichtung“, sagte Beitz.

          Verwaltungsratschef Posch hält die getätigten Investitionen für notwendig. „Es war wichtig, die Mannschaft auf ein Ziel auszurichten, die Mitarbeiter haben sich sukzessive mehr eingebracht“, sagte Posch, der früher die Continentale in Dortmund geführt hat, bis er im Streit über die Strategie ging. Die Schweizer Finanzaufsicht bescheinige dem Unternehmen inzwischen, gut geführt zu werden. Das Vertrauen zu ihr wachse. Nachhaltigkeit sei am Finanzplatz Liechtenstein ein zunehmend wichtiges Thema. „ESG wird aus Kundensicht immer wichtiger. Wir wollen keine höheren Renditen aus Waffengeschäft erzielen“, sagte Posch.

          Durch die aktuelle politische Situation in Deutschland könnte die Prisma Life mit ihren Nettotarifen unverhofft Rückenwind erhalten. Wenn sich die Bundesregierung durchsetzt und einen Provisionsdeckel beschließt, könnten solche Tarife an Bedeutung gewinnen. „Als wir die Nettopolice erfunden haben, hat aber noch keiner an einen Deckel gedacht“, sagte Beitz.

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