https://www.faz.net/-gv6-9s132

Digitaler Versicherer : One bietet künftig Autoversicherungen an

Erst den Führerschein bestehen und dann eine günstige Autoversicherung finden. Bild: dpa

Das Insurtech hat in anderen Sparten 200.000 Verträge verkauft und sieht sich nun reif für den Markt.

          3 Min.

          Die neue Konkurrenz für Versicherer durch Insurtech-Start-ups hat für die Kunden messbare Folgen. Weil die jungen digitalen Versicherer im Markt bestehen wollen, bieten sie ihre Hausrat- und Haftpflichtpolicen recht günstig an – oft gehören sie zu den fünf günstigsten Anbietern im Markt. Und im zweiten Schritt dürften auch die etablierten Häuser überlegen, ob sie es schaffen, Kosten so stark zu senken, dass sie ihre Policen günstiger anbieten zu können.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Hatten sich die digitalen Angreifer bislang auf einfache Produkte wie Haftpflicht- und Hausratversicherungen konzentriert, für die sich die Beiträge aufgrund weniger Merkmale treffsicher kalkulieren lassen, hatten sie vor Autoversicherungen bislang zurückgeschreckt. Denn hier müssen deutlich mehr Schadenszenarien und Risikofaktoren einbezogen werden. Außerdem kommt es so häufig zu Schäden, dass die digitale Prozesslogik vorher so professionell sein muss, dass es zu keinen für die Verbraucher ärgerlichen Lücken kommt. Mit Nexible und Friday haben schon zwei digitale Versicherer eigene Policen eingeführt, sie gehören aber zur Ergo und zur Basler, zwei etablierten Gesellschaften.

          Nun aber wagt sich das unabhängige Start-up One vor. Das Insurtech ist ein Schwesterunternehmen des Berliner Maklerdienstleisters Wefox. Pünktlich zur Wechselsaison in der Autoversicherung bietet das Unternehmen eine eigene voll digitale Kfz-Police an. „Ohne Kfz würde man nur Trippelschritte machen“, sagte Oliver Lang, Vorstandsvorsitzender von One, der F.A.Z. Abseits von Personenversicherungen wie der Leben- oder der Krankenversicherung entfielen 40 Prozent der Beitragseinnahmen auf diese Sparte.

          Auch Lang sieht es als herausfordernd an, mehr als drei oder vier Fragen auszuformulieren, um den Tarif für einen Kunden zu bestimmen. Gilt der Schutz nur im Inland oder auch im Ausland, ist der Wildunfall und der Marderbiss eingeschlossen, was passiert bei Diebstahl, Brand oder Einbruch? Hinzu kommt, dass die Schadenfrequenz deutlich höher als bei den bislang angebotenen Policen ist, überdies sind die Schadenbilder komplexer. „Wir betreuen 200.000 Verträge mit weniger als 50 Leuten“, sagt Lang. „Dass wir die Prozesse im Griff haben, haben wir bewiesen.“

          Police innerhalb von weniger als einer Sekunde

          One strebt nicht an, sich gegenüber dem Kunden mit außergewöhnlichen Dienstleistungen zu differenzieren. Viel Wert wolle er auf die Schadenregulierung legen, sagt Lang. Dafür werde das Unternehmen mit etablierten Dienstleistern zusammenarbeiten, die auch für andere Versicherer Aufgaben übernehmen. „Anders ist die Produktdenke: Bei uns bekommt der Kunde seine Police innerhalb von weniger als einer Sekunde, das läuft zu 100 Prozent vollautomatisiert“, sagt Lang. Nur auf diesem Wege war es möglich, die gerade eben erreichte Zahl von 200.000 Verträgen mit einer überschaubaren Zahl an Mitarbeitern zu bearbeiten. Hier sieht sich Lang auf einem guten Weg: Im Neugeschäft könne er schon heute mit Allianz, Axa und Co. konkurrieren. Beziehe man Vertragsstornierungen nicht mit ein, habe One bisweilen schon an erster Stelle gestanden.

          Entsprechend hoch sind die Erwartungen. Erreiche der Versicherer in dieser Wechselsaison (bis zum 30. November) keine 30.000 Kfz-Verträge, wäre das eine herbe Enttäuschung. Von 100.000 an aufwärts breche er in Jubel aus, sagt er scherzhaft. Noch ambitionierter sind die mittelfristigen Pläne: In zwei Jahren wolle er mehr als eine Million erreichen – das allerdings in einer Handvoll Ländern, denn zur digitalen Logik gehört die Fähigkeit zu skalieren und zu expandieren. Als nächstes ist die Schweiz dran, in einem weiteren Land stehe One kurz vor der Lizenz, ein weiteres habe es im Blick.

          Anders als bislang will das Insurtech dabei nicht mehr als preisaggressiver Angreifer wahrgenommen werden. Mit Kampfpreisen hatte One zum Teil bei den Maklerportalen im Internet Erfolg. Doch inzwischen habe sich herausgestellt, dass das Geschäft über den klassischen Maklervertriebskanal nachhaltiger sein. „Wir haben unsere Strategie revidiert, weil Kunden beim Makler für uns besser sind: Sie sind treuer, erzeugen weniger Schäden und sind günstiger zu akquirieren“, sagt Lang.

          Deshalb gebe es keinen Grund, sie im Preis gegenüber Portalkunden zu diskriminieren – im Gegenteil, One setzt künftig noch stärker auf sie. Denn mit der Anbindung an Makler unterscheidet sich der Versicherer auch von anderen Insurtechs, die mehr auf das Direktmarketing setzen. Mit bis zu 60.000 Neukunden liegen sie allerdings auch noch ein gutes Stück hinter One. So erklärt sich, warum die Schwestergesellschaft Wefox inzwischen zum bestkapitalisierten Insurtech in Europa aufgestiegen ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.