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Aktion von Nissan : Negativzins im Autohaus

Für den neuen Nissan Micra gilt die Aktion nicht. Bild: Herrsteller

Ein Auto kaufen und dafür noch Geld bekommen - damit lockt Nissan Kunden. Doch was taugt so ein Angebot?

          Donald Trump ist überall. Jetzt sogar in der Autowerbung. Nissan hat sich den Wahlkampfspruch des amerikanischen Präsidenten - leicht abgewandelt - zu eigen gemacht. „Make Finanzierung great again“, tönt es dem Hörer deutschlandweit in der aktuellen Radiowerbung, im Fernsehen und in einem Video auf der Homepage des Autoherstellers entgegen. Der Darsteller ist William Cohn, lange Kumpan von Jan Böhmermann im „Neo Magazin Royale“. In dem Nissan-Spot wird er zum Trump-Verschnitt mit blonden Haaren, dickem Ring und amerikanischem Akzent. Den Werbespruch trägt er natürlich auf einer roten Baseball-Kappe.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Werbung ist noch unter einem anderen Aspekt hochaktuell. Sie preist eine „Unter-null-Prozent-Finanzierung“ an: „Mit null Prozent finanzieren - und sogar noch Geld dafür bekommen! Jetzt noch weniger als keine Zinsen zahlen.“ Das ist sozusagen ein Kredit mit Negativzinsen. Das heißt, der Kreditnehmer bekommt mehr Geld überwiesen, als er später zurückzahlen muss. Damit zeigt sich in der Konsumentenwelt ein Phänomen, das Anleger von den Anleihemärkten kennen.

          Dort notieren Bundesanleihen mit Negativrenditen, das heißt, der deutsche Staat muss weniger zurückzahlen, als er über die Anleihen von den Menschen geliehen bekommt. Die Sparer haben das Nachsehen, sie bekommen weniger zurück, als sie angelegt haben. Auch auf Girokonten werden neuerdings solche Strafzinsen verlangt, wenn Sparer zu viel Geld dort geparkt haben.

          Schöne Aktion, aber auch attraktiv für Käufer?

          Diese paradoxe Situation ist Folge der Tiefstzinspolitik der Europäischen Zentralbank und des schwachen Wachstums in Europa. Und sie ist eine Umkehrung der normalen Verhältnisse: Normalerweise zahlt ein Schuldner den gesamten Kreditbetrag zurück und ein paar Zinsen obendrauf. Und der Sparer bekommt Zinsen und zahlt nicht Strafzinsen.

          Nissan springt nun als erster Autohersteller auf diese Negativzinswelle auf. „Es herrscht derzeit die Meinung, Sparen lohnt sich nicht mehr. Da wollten wir etwas dagegensetzen“, sagt ein Sprecher von Nissan. Noch bis Ende März bietet die japanische Firma für ihre drei Geländewagen-Modelle eine Finanzierung mit einem negativen Zins von minus einem Prozent. Es ist faktisch ein Kredit ohne Zins mit einer Gutschrift in bar oder einem Rabatt auf die Anzahlung oder für Extras im Wagen. Die Höhe der Gutschrift hängt vom Preis, von der Anzahlung und Laufzeit des Kredits ab. Das Angebot scheint auf Interesse zu stoßen, die Zugriffszahlen auf die Nissan-Internetseite hätten sich vervierfacht, heißt es bei Nissan.

          Doch schon ein Musterbeispiel zeigt, dass die Aktion zwar originell ist und voll im Zeitgeist liegt, aber für den Autokäufer wenig attraktiv ist. Knapp 28.000 Euro kostet in dem Beispiel der Wagen, 7000 Euro müssen angezahlt werden, die Laufzeit des Kredits beträgt 36 Monate. Daraus ergibt sich eine einmalige Gutschrift von 693 Euro. Sie errechnet sich aus der Differenz zwischen einer Finanzierung mit minus einem Prozent und der Null-Prozent-Finanzierung. Der Rabatt beträgt damit gerade einmal zwei Prozent des Kaufpreises.

          „Es ist nicht unseriös, man kann nicht pauschal davon abraten“

          Dabei fällt noch eine hohe Schlussrate von 15.000 Euro an, denn der Vertrag läuft nur 24 oder 36 Monate - zu kurz zur vollständigen Rückzahlung des Kredites. „Darin liegt das Risiko. Wer die Schlussrate nicht aufbringen kann und somit länger als 36 Monate finanzieren muss, sollte überlegen, ob sich die kurzen Zinsvorteile für einen kleinen Teil des Fahrzeugpreises lohnen“, warnt Carmen Friedrich von der Verbraucherzentrale Sachsen. Denn der Käufer finanziert im Beispiel nur rund 6000 Euro zinsfrei. Überschreitet er die vereinbarte jährliche Fahrleistung, muss er zusätzlich zahlen.

          Basis der Finanzierung ist der Listenpreis. Eine höhere Gutschrift ist auch nicht bei anderen Beispielen zu erwarten. Bei einem Kauf ohne Kredit lassen sich erfahrungsgemäß höhere Rabatte von bis zu zehn Prozent erzielen. So kann es sich sogar lohnen, auf die Negativzins-Finanzierung zu verzichten und freiwillig einen verzinsten Bankkredit aufzunehmen und damit als Barkäufer beim Autohändler einen hohen Preisnachlass auszuhandeln.

          Auch der ADAC hat sich das Angebot von Nissan angesehen. „Es ist nicht unseriös, man kann nicht pauschal davon abraten“, sagt Silvia Schattenkirchner, Verbraucherschutzexpertin des Automobilclubs. Man könne es annehmen, wenn man genau eines der drei beworbenen Fahrzeuge haben wolle. „Die Gefahr eines solchen Angebots besteht aber darin, ein Auto zu kaufen, das man sich gar nicht leisten kann.“ Oder ein Modell zu wählen, das nicht dem ursprünglichen Wunsch entspricht.

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