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Service der Banken : Das Ende der Überweisung

Probieren Sie es gleich mal aus: Hinter unserem QR-Code verbirgt sich eine Botschaft. Bild: FAS

Das Handy macht es möglich: Nie wieder Zettel ausfüllen, um Geld zu überweisen. Das Leben wird einfacher, wenn die Bank nicht von gestern ist.

          5 Min.

          Zwei Quälgeister treiben im täglichen Zahlungsverkehr ihr Unwesen: Bic heißt der eine, der andere Iban. Sie kosten uns viel Zeit und Nerven, müssen wir uns doch bei jeder Überweisung mit ihnen herumschlagen und die langen Zahlenketten fein säuberlich auf ein Formular übertragen, damit der Empfänger sein Geld erhält. Und wie oft verhaspelt man sich irgendwo im Mittelteil, da wo bei der Iban die vielen Nullen aufeinandertreffen, und man darf von vorne anfangen.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit dem Smartphone wird alles anders, das Steinzeit-Banking endet: Vorausgesetzt, die Hausbank spielt mit auf der Höhe der Zeit. Neue Apps machen das Leben einfacher, zumindest das Überweisen von Rechnungen.

          Arg viel Sinnvolles ist den Banken ja nicht eingefallen

          Das Eintippen oder gar handschriftliche Übertragen der Zahlen- und Buchstabenkolonnen fällt künftig weg, da die Foto-Apps das für uns erledigen: Man fotografiert die Handwerker-Rechnung mit dem Smartphone einfach ab, das Programm liest die relevanten Daten in Sekundenschnelle aus und trägt sie in ein Überweisungsformular ein.

          Der Kunde überprüft anschließend nur noch, ob die Höhe des Betrages, der Name des Empfängers sowie Bic und Iban stimmen, gibt eine Tan ein und drückt auf „überweisen“, schon ist die Rechnung beglichen. Das funktioniert theoretisch auch mit E-Mails, in denen die Eltern der Klasse 4a aufgefordert werden, 20 Euro für den Schulausflug an eine angegebene Kontoverbindung zu überweisen. E-Mail abfotografieren, den Rest erledigt die App.

          Das ist die nützlichste Erfindung seit langem, die der Finanzsektor hervorgebracht hat. Arg viel Sinnvolles ist den Bankern ja nicht eingefallen, wie Amerikas früherer Notenbankchef Paul Volcker 2009 spottete: „Die einzig nützliche Innovation der Banken in den letzten 20 Jahren war die Erfindung des Geldautomaten.“ Die Apps sind nun die nächste.

          Geld abheben im Supermarkt ohne EC-Karte

          Zu verdanken haben wir diese geniale Erfindung nicht den Banken selbst. Die hätten sich vermutlich noch ewig damit verkünstelt, hochkomplexe Finanzprodukte so ineinander zu verschachteln, dass keiner sie versteht, um auf diese Weise die Boni zu optimieren. Nein, die kundenfreundlichen Ideen denkt sich die junge Konkurrenz aus der digitalen Welt aus, die sogenannten Fintechs.

          Dutzende dieser Tech-Neugründungen gibt es allein in Deutschland. Die einen tüfteln an Foto-Apps, die Nächsten an einem Bezahldienst im Geschäft und wieder andere versuchen sich an einer App, auf der alle Kontobewegungen und -stände einsehbar sind und bearbeitet werden können, auch wenn es sich um Konten bei verschiedenen Banken handelt.

          Um nur ein paar Beispiele herauszugreifen: Mit der App „Barzahlen“ aus Berlin kann jeder Kunde bei Rewe, Penny, Real oder in der Drogerie Geld abheben, dazu braucht er keine EC-Karte, nur sein Handy, auf dem vorab eine Kontoverbindung hinterlegt wird. Das Hamburger Fintech-Unternehmen „Figo“ fasst alle Konten, Sparbücher und Kreditkarten eines Kunden auf einer Oberfläche zusammen, auch wenn diese bei unterschiedlichen Kreditinstituten angelegt wurden. Die App „Finanzblick“ eines Software-Entwicklers aus dem Siegerland verschafft den Kunden darüber hinaus einen finanziellen Überblick: Wohin verschwindet das Geld jeden Monat, wie viel gibt der Kunde für Benzin aus, für Lebensmittel oder Versicherungen? Überschreitet er ein festgelegtes Limit, schlägt die App Alarm. Das Münchner Start-up „Gini“ erspart uns lästigen Papierkram, weil es durch semantische Analyse die relevanten Informationen aus Texten und Dokumenten herausfiltert. Das kann die Technik nicht nur bei Überweisungen, sondern bei jeder Art von Rechnungen, Belegen, Verträgen oder Angeboten.

          Fremd, kompliziert und unsicher

          Deshalb wird auch das Leben für Privatpatienten einfacher. Um Arztrechnungen von der privaten Krankenkasse erstattet zu bekommen, mussten sie bislang einen Wust an Formularen ausfüllen, die Rechnungen (inklusive Rezepten) addieren, alle Belege dazu in einen Umschlag stecken, frankieren und zur Post bringen.

          Das geht heute viel schneller: Die Patienten scannen entweder den Barcode auf der Arztrechnung ein oder fotografieren die Rechnung ab und schicken das Ganze mit einem Klick an die Versicherung. Auf der App wird der Vorgang für den Kunden bestätigt und gespeichert, er kann genau den Fortschritt der Bearbeitung am Smartphone verfolgen. Ein Traum für Patient und Sachbearbeiter.

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