https://www.faz.net/-gv6-9t1wn

Digitaler Vermögensverwalter : Neuer Anlageroboter für die Allianz

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer mit einem Roboter: Könnten so bald Bankberater aussehen? Bild: EPA

Mit Un­ter­stüt­zung des Ver­si­che­rungs­kon­zerns star­tet der di­gi­tale Ver­mö­gens­ver­wal­ter Mo­ney­farm auf dem deut­schen Markt.

          3 Min.

          Es handelt sich noch um einen Nischenmarkt, aber er zieht die großen Finanzkonzerne an: der Markt für digital automatisierte Kapitalanlage. Dafür hat sich der englische Begriff „Robo Advisory“ durchgesetzt, was für eine Beratung durch Roboter steht.

          Auf einen solchen Anlageroboter setzt auch der Münchner Versicherungskonzern Allianz. Die Produkte der Kapitalanlagegesellschaft Allianz Global Investors (AGI) können Kunden von nun an über den digitalen Vermögensverwalter Moneyfarm beziehen. Das vor sieben Jahren in Italien gegründet Unternehmen hat in diesem Jahr den deutschen Wettbewerber Vamoo übernommen und will nach den Worten seines Gründers und Vorstandschefs Giovanni Daprà unter die drei führenden Anbieter in Deutschland vorstoßen. „Die Zusammenarbeit mit AGI verschafft uns am deutschen Markt eine hohe Reichweite und einen größeren Zugang“, sagt der Italiener im Gespräch mit der F.A.Z.

          Die Nummer eins ist Scalable Capital

          Die 20 in Deutschland tätigen Anlageroboter verwalten insgesamt ein Vermögen von rund 4 Milliarden Euro. Die Nummer eins ist Scalable Capital, die sich der Marke von 2 Milliarden Euro nähert. Die Münchner haben durch die Kooperation mit der Direktbank ING viele Kunden gewonnen. An Scalable ist der größte Vermögensverwalter der Welt, Blackrock, beteiligt.

          Die Allianz hält sich zur Höhe der Beteiligung an Moneyfarm bedeckt. Nach einem Bericht des Internetportals „Finanz-Szene“ soll sie 38 Prozent betragen. Neben der Allianz ist auch die Poste Italiane ein wichtiger Anteilseigner. Die Zusammenarbeit mit dem vom italienischen Staat kontrollierten Postunternehmen vergleicht Daprà mit der Partnerschaft zwischen ING und Scalable in Deutschland. Er spricht von dem „nächsten Meilenstein in unserer europäischen Wachstumsstrategie“. Moneyfarm strebe Partnerschaften mit Unternehmen an, die vertrauenswürdige Marken und langjährige Kundenbeziehungen aufgebaut haben. „Ein gutes Beispiel hierfür ist unsere Kooperation mit der Allianz in Deutschland.“

          Zugang zur nächsten Generation intelligenter digitaler Anlageprozesse

          Bislang ist Moneyfarm schwerpunktmäßig in Italien und Großbritannien tätig. Für mehr als 40.000 Kunden wird ein Vermögen von 830 Millionen Euro verwaltet. Die Allianz will sich mit der Beteiligung an Moneyfarm „einen Zugang zu der nächsten Generation intelligenter digitaler Anlageprozesse sichern“, wie es Allianz-Manager Jürgen Weber formuliert.

          Seinen Worten zufolge legen nicht alle Kunden immer Wert auf ein Gespräch mit einem Anlageberater, wenn sie Geld anlegen wollen. „Wenn sie das möchten, ist das bei Moneyfarm möglich.“ Weber hält den „hybriden Ansatz“ für sinnvoll. Bislang hätten AGI und die für Anleihen zuständige Einheit Pimco ihre Produkte über Intermediäre, also über Banken und Anlageberater, vertrieben.

          Was Moneyfarm für die Allianz so interessant macht, ist der Einbezug aktiv verwalteter Fonds. Ähnlich wie bei anderen Anlagerobotern ist die passive Vermögensverwaltung über börsennotierte Indexfonds (Exchange Traded Funds; ETF) zwar ein zentraler Baustein. Aber Vorstandschef Daprà verfolgt einen pragmatischen und keinen dogmatischen Ansatz. Die komplementären Stärken von aktiven und passiven Instrumenten würden zum Nutzen der Anleger vereint. „ETF-Produkte sind schwankungsanfälliger, weshalb wir auch aktiv verwaltete Fonds für sinnvoll halten“, erklärt er den Ansatz.

          Aktive Fonds würden für ineffiziente Anlageklassen wie zum Beispiel Aktien aus Schwellenländern oder Hochzinsanleihen eingesetzt. Diese Produkte soll AGI auswählen. Daprà verweist darauf, dass das AGI-Angebot auch Produkte externer Anbieter umfasse. Für effiziente Anlageklassen wie europäische Blue-Chip-Aktien kämen günstige ETF-Produkte zum Einsatz. „Derzeit entfallen von unserem verwalteten Vermögen 42 Prozent auf ETF, wobei im Aktienbereich die Quote mit 54 Prozent doppelt so hoch ausfällt wie im Anleihesegment“, fügt er hinzu. AGI-Produkte machten am verwalteten Vermögen 36 Prozent aus.

          Die Moneyfarm-Kunden können ihre Risikobereitschaft und die Portfoliozusammensetzung über Algorithmen einschätzen lassen. Zusätzlich steht ihnen aber jederzeit offen, einen Berater zu kontaktieren. Das Mindestanlagevolumen beträgt 5000 Euro. Für Summen bis 15 000 Euro verlangt Moneyfarm eine Gebühr von 0,75 Prozent. Zwischen 15.000 und 100.000 Euro sind es noch 0,65 Prozente. Hinzu kommen die Gebühren der Fonds und ETF-Produkte. Der Grundpreis für aktive AGI-Fonds soll dem eines vergleichbaren passiven Produktes entsprechen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mehr Zukunft wagen: Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans am Freitag nach ihren Bewerbungsreden beim SPD-Parteitag

          Parteitag in Berlin : Esken und Walter-Borjans zu SPD-Vorsitzenden gewählt

          Sie hätten keine Angst, betonen Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans in ihren Bewerbungsreden als SPD-Vorsitzende – und attackieren die Union scharf. Nun wurden sie als Führungsduo bestätigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.