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Neue Finanzierungsmodelle : Billige Autos

  • -Aktualisiert am

Ladenhüter Neuwagen: Junge Männer und Frauen haben die Lust am Auto verloren Bild: dapd

Junge Leute sind nicht mehr scharf aufs Auto. „All inclusive“ heißt deshalb die Werbebotschaft der Hersteller.

          „Egal, welche Marke: Nahezu niemand unter 35 Jahren kauft einen Neuwagen“, so hat Daimler-Chef Dieter Zetsche einmal das Verhältnis von jungen Leuten zu Autos beschrieben. Auch wenn der Schwabe vielleicht ein bisschen übertrieben hat, Fakt ist: Junge Männer und Frauen haben die Lust am Auto verloren. Statistiken zeigen, dass sich viele zwar nach wie vor für Autos interessieren. Ein Statussymbol, für das es sich lohnt, viel Geld auszugeben, ist es aber nicht mehr. Die deutschen Autohersteller locken deswegen mit Einsteiger- und „All Inclusive“-Angeboten. Der Kunde profitiert: Autofahren wird günstiger, attraktiver und flexibler.

          Zunächst jedoch müssen Volkswagen & Co. junge Menschen wieder zum Autofahren verführen. Die Hersteller setzen vermehrt auf Marketing in sozialen Netzwerken und neuer Technik wie Internet in Autos, die der i-Phone-Generation gefallen soll. Eine wichtige Komponente bei der Entscheidung, einen neuen Wagen zu kaufen oder nicht, ist und bleibt das Geld, wie eine Umfrage des Verbands der Automobilindustrie zeigt: Vielen jungen Leuten ist ein neues Auto schlicht zu teuer. „Ein eigenes Auto bindet sehr viel an Kapital“, sagt Ottmar Lell, Verkehrsexperte vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Für „Wenig-Fahrer“ gab es bislang wenig Gründe, sich ein neues Auto anzuschaffen. Die neuen Angebote haben zwar weiterhin die Hürde einer hohen Anzahlung (mindestens 20 Prozent des Listenpreises), weil diese eine Mindestbonität des Kunden beweisen. Ansonsten lassen die Autobauer aber nichts unversucht, die Zusatzkosten, die sich bei einem eigenen Auto summieren, klein zu halten.

          Attraktiv für die Wochenendnutzung

          Die Angebote der Autohersteller ändern das Kalkül der Käufer, für die es sich wieder lohnt, über die Frage „Auto oder kein Auto“ neu nachzudenken. Die wichtigste Frage dabei ist: Wie oft fahre ich mit dem Wagen? Szenario 1: Der Kunde braucht das Auto täglich, etwa um zur Arbeit zu fahren. Die Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs sind unpraktisch. Auf den ersten Blick ist klar, dass weder ein Mietwagen, der tageweise vermietet wird, noch Car-Sharing, bei dem Autos für Stunden verliehen werden, in Frage kommen - da diese Art der Nutzung den Kunden teuer zu stehen kommen würde. Bei diesem Szenario ändert sich auch durch die All-Inclusive-Angebote nichts, denn der Kunde wäre auch vorher „gezwungen“ gewesen, ein Auto zu kaufen.

          Kostenvergleich bei drei unterschiedlichen Nutzungsszenarien: Mietwagen oder Carsharing-Modelle kommen dabei für sehr häufige Nutzung nicht in Frage

          Spannend wird es nun bei Szenario 2. Eine junge Frau wohnt in einer Großstadt, fährt mit der U-Bahn zur Arbeit und zum Sportverein mit dem Rad. An Wochenenden fährt sie manchmal mit dem Auto zu ihren Eltern und zu Freunden, die weiter weg wohnen. „Hat ein Kunde ein Auto nur ein paar ganze Tage gebraucht, war bisher meist ein Mietauto günstiger“, sagt Ottmar Lell vom Verbraucherschutzverband. „Mit den All-inclusive-Angeboten wird der Autokauf wesentlich attraktiver.“

          Ein Rechenbeispiel: Bei den gängigen Autovermietern kostet etwa ein Wagen in der Kategorie VW Polo 85 Euro für ein ganzes Wochenende mit 900 Kilometer inklusive und Vollkasko mit 850 Euro Selbstbeteiligung. Mietet man 24 Mal im Jahr solch ein Auto, liegt man bei 2040 Euro.

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