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Nach Putschversuch : Wie sicher ist das Geld bei einer türkischen Bank?

Nach dem Putschversuch in der Türkei wurde die Asya Bank von der Regierung vorübergehend geschlossen. Bild: Reuters

Nach dem Putschversuch hat die türkische Regierung die Asya Bank vorübergehend geschlossen. Müssen deutsche Anleger fürchten, dass auch ihre Bank bei Erdogan in Missgunst fallen kann?

          Der Putschversuch in der Türkei und seine Folgen dürften auch manchen Sparern in Deutschland Sorgen bereiten. Seit Jahren zählen immer wieder Adressen wie Işbank, Oyak Ankerbank oder Ziraatbank zu den Anbietern mit den besten Konditionen für Tagesgeld und Festgeld. Entsprechend viele Kunden dürften dort ihr Erspartes geparkt haben.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Montag hat die Regierung um Präsident Recep Tayyip Erdogan die mit seinem Gegenspieler Fethullah Gülen verbundene Asya Bank vorübergehend geschlossen. Die größte Privatbank des Landes, Işbank, war in den vergangenen Monaten auch immer wieder ins Visier geraten, weil sie zum Teil einer Oppositionspartei gehört.

          Finanzberater gibt Entwarnung

          Sparer fragen sich nun, ob die Unsicherheiten in der Türkei auch Auswirkungen auf ihre Einlagen haben könnten. Die Asya Bank betreibt hierzulande zwar kein Geschäft, die Işbank aber schon. Müssen die Anleger nun schauen, dass ihre Bank auch ja nicht bei Erdogan in Missgunst fallen kann?

          Max Herbst von der FMH-Finanzberatung sagt: nein. Denn die Banken, bei denen deutsche Kunden ihr Erspartes anlegen können, operieren in Deutschland in aller Regel mit deutschen oder zumindest europäischen Tochtergesellschaften. Und für die gelte selbst im Falle einer Insolvenz der Muttergesellschaft der Einlagenschutz des jeweiligen Landes, in dem diese Tochtergesellschaft sitzt. So ist etwa für die deutschen Tagesgeldkonten der Işbank die Işbank AG mit Sitz in Frankfurt zuständig. Auch Oyak Anker Bank und Ziraatbank haben hierzulande eigene Tochtergesellschaften.

          Für sie alle gilt zum einen die gesetzlich garantierte Einlagensicherung, wonach im Notfall angelegte Gelder bis zu 100.000 Euro vom deutschen Staat abgesichert sind. Darüber hinaus sind die genannten Institute auch noch am Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken beteiligt, der im Notfall zumindest de jure noch weit höhere Einlagen zurückerstatten soll. Die Işbank spricht von Einlagen bis zu knapp 32 Millionen Euro je Anleger, die darüber geschützt seien, die andern beiden Adressen geben um die 20 Millionen Euro an. „Die Anleger können sich ganz getrost zurücklehnen“, sagt Herbst.

          Einlagensicherung im Blick halten

          Auch andere Fachleute sehen derzeit durch die Unwägbarkeiten in der Türkei keine Gefahren für die deutschen Anleger. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht sich allerdings bestätigt in seiner Mahnung, die Einlagensicherung bei der Jagd nach den besten Zinskonditionen immer im Blick zu halten.

          „Wenn Verbraucher Wert darauf legen, dass ihr Geld sicher ist, sollten sie darauf achten, dass es der deutschen Einlagensicherung untersteht“, sagt Nauhauser. Selbst bei Banken, die in benachbarten Mitgliedstaaten der Europäischen Union sitzen, ist er skeptisch. Schließlich sei die Einlagensicherung weniger ein ökonomisches als ein politisches Konstrukt. Denn wenn wirklich einmal alle Kunden einer Bank entschädigt werden müssten, dürften die dafür vorgesehenen Fonds schnell aufgebraucht sein. Dann müsse der Staat einspringen.

          „Ob aber der politische Wille in Holland, Österreich oder der Türkei da ist, deutsche Sparer zu entschädigen, kann der Verbraucher in Deutschland nicht einschätzen.“ Darüber hinaus rät Nauhauser Anlegern ohnehin, die Risiken zu streuen und nicht all ihr Geld in Zinsprodukte zu legen, und schon gar nicht nur bei einer einzelnen Bank.

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