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Mobiles Internet : Das Ende der Handy-Flatrate

Bild: F.A.S.

Tempodrosselung für Vielsurfer: Die Telekom hat die Internet-Nutzer aufgeschreckt. Mobil ist dies längst Realität. Trotz Flatrate langen Telekom & Co. kräftig zu. Wer es billiger will, muss ein bisschen rechnen.

          Es klingt so wunderbar unkompliziert: Man schließt eine Flatrate fürs Handy oder das iPad ab und dann kann der Spaß losgehen. Ewig im Internet surfen, Videos auf Youtube schauen, endlos mit Freunden telefonieren, E-Mails checken und nach Lust und Laune SMS verschicken. Und das alles, ohne auf die Kosten achten zu müssen. Denn mit der Flatrate wird einmal im Monat bezahlt, und dann ist alles inklusive.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das ist zumindest die schöne Welt, die uns versprochen wird. Die kannten wir bisher von den Flatrates für Internet und Telefon zu Hause. Doch vor drei Wochen kündigte die Telekom an, in Zukunft das unbegrenzte Surfen zu begrenzen. Wer zu viel im Netz unterwegs ist, wird gnadenlos in das Steinzeitalter des Internets zurückversetzt: Die Geschwindigkeit wird so stark gedrosselt, wie es Netzveteranen aus den Anfängen vor 15 Jahren kennen, als sie sich noch mit einem Modem ins Netz einwählten. Heute hieße das: Surfen einstellen, denn so viel Zeit, bis sich eine Website aufbaut, hat niemand. Die Telekom wurde als Drosselkom attackiert, die Entrüstung war gewaltig.

          Keine echten Flatrates für Handys

          Was vielen Kritikern offenbar nicht klar ist: Bei Flatrates für das Handy oder iPad ist die Drosselung der Geschwindigkeit von einem bestimmten Datenvolumen an seit langem ganz normal, auch wenn die Werbung das Gegenteil suggeriert. Es existieren für Privatnutzer kaum Tarife, die auf die Surfbremse verzichten. Echte Flatrates gibt es nicht. Alles nur Schein. Und dabei sind sie mittlerweile die am häufigsten verkaufte Tarifform.

          Bei den meisten angebotenen Flatrates endet der Internetspaß abrupt, wenn im Monat 500 Megabyte (MB) Datenvolumen versurft wurden. Dann sinkt die Geschwindigkeit dramatisch: Von den üblichen bis zu 7,2 Megabit je Sekunde auf nur noch 32 bis 64 Kilobit. 500 MB klingt viel und ist es für viele auch. Wer mal seine E-Mails prüft und verschickt und ein bisschen ins Netz geht, kommt damit klar. Eine E-Mail ohne Anhang verschicken zwackt ja nur rund 50 Kilobyte vom erlaubten Kontingent ab, mit Foto im Schnitt ein MB. Eine Website aufrufen erfordert nicht mehr als 0,5 MB, ein Bild auf Facebook hochladen 1,5 MB, eine Google-Suche 0,2 MB.

          Günstige Tarife für Smartphones und iPad

          Was richtig viel Volumen kostet, sind Daten herunterladen und Filme ansehen oder Videospiele spielen. Für drei Minuten Youtube schauen sind 20 Megabyte weg, bei hochauflösenden Filmen deutlich mehr. Dafür reichen die 500 MB im Monat nicht. Dann muss der Kunde gegen Zusatzgebühren aufstocken. Weitere 1000 Megabyte, also ein Gigabyte, kosten dann zwischen fünf und zehn Euro im Monat.

          Wirklich flat ist nur noch das Telefonieren. Die sogenannten All-Net-Tarife ermöglichen zeitlich unbegrenztes kostenloses Plaudern in alle Handynetze und das Festnetz - aber nur in Deutschland. Solche Tarife gibt es von 20 Euro an. Im Ausland und bei Anrufen zu Sondernummern und Hotlines fallen aber immer weitere Gebühren an. Die Mailbox-Abfrage ist kostenlos. Die Tarife der Netzbetreiber wie Telekom und O2 ermöglichen auch, unbegrenzt SMS zu verschicken, sie sind aber auch etwas teurer als die der Billiganbieter. Die verlangen für jede SMS in der Regel neun Cent.

          Premiumtarife für Geschäftsleute

          Die Premiumtarife der Netzbetreiber, die bis zu 100 Euro im Monat kosten, bieten deutlich höhere Geschwindigkeiten. Sie nutzen dazu teilweise das neue schnelle Funknetz LTE, das den Billigtarifen vorenthalten wird. Das erlaubte Surfvolumen beträgt bis zu zehn Gigabyte, zudem sind bis zu 250 Minuten Auslandsgepräche umsonst. Die Cloud steht kostenlos zur Verfügung. All diese Leistungen brauchen aber eher viel reisende und viel surfende Geschäftsleute.

          Wer es möglichst günstig haben will, hat einige Sparmöglichkeiten. Nutzt er das Handy vor allem in den Ballungszentren, kann er die billigeren Tarife für die E-Netze von O2 und E-Plus wählen. Sie sind weniger stark ausgebaut als die D-Netze von Telekom und Vodafone, was man aber erst auf dem flachen Land merkt. Während Preisaktionen lassen sich zudem die einmaligen Anschlussgebühren von 20 oder 30 Euro sparen. In den ersten Monaten gibt es dann oft noch einen Nachlass auf die Grundgebühr.

          Kunden, die immer wieder in die gleichen Handynetze telefonieren, können auf die teureren Flatrates für alle Netze und das Festnetz verzichten. Und SMS über kostenlose Dienste wie What’s App verschicken. Auch das kann dann aus der Flatrate ausgespart werden. Und schließlich ist es fast immer günstiger, die Flatrates nicht noch mit einem subventionierten Handy zu kombinieren. Besser man kauft das Gerät zum vollen Preis oder gebraucht und profitiert dann von einem günstigeren Tarif.

          Vielsurfer besitzen eine weitere Möglichkeit, Geld zu sparen. Wenn sie besonders datenintensive Anwendungen wie Filme zu Hause einsetzen, sollten sie sich mit ihrem Handy oder iPad in das drahtlose Wlan-Netz ihres heimischen Internetanschlusses einklinken. Dann wird das mobile Kontingent nicht angetastet. Und zu Hause sind die Flatrates meist noch mit unbegrenztem Datenvolumen versehen. Oder, wie künftig im Fall der Telekom, zumindest mit einem deutlich größeren als beim Handy oder iPad.

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