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Mobile Kommunikation : Günstig surfen am Strand

Bild: © Images.com/Corbis

Seit diesem Sonntag ist mobiles Internet im Ausland deutlich billiger. Die EU schreibt niedrigere Preise vor. Und selbst die lassen sich in Zukunft noch weiter drücken.

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          Es ist ein schöner Zufall: Der deutsche Mobilfunk feiert Geburtstag. Heute vor 20 Jahren gingen die D-Netze an den Start. Es war der Startschuss für die massenhafte Verbreitung der Handys. Und natürlich unabsichtlich honoriert die EU diesen Ehrentag fürstlich: Sie verordnet ebenfalls von heute an niedrigere Preise fürs Telefonieren, SMS-Verschicken und Surfen im EU-Ausland. Das macht mobiles Kommunizieren bezahlbarer.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Den größten Fortschritt erleben die, die auf Reisen gerne mit Handy oder iPad im Internet surfen oder E-Mails verschicken. Bisher griff Brüssel hier nicht ein, die Preise waren astronomisch hoch. So kostete bisher ein Megabyte (MB) heruntergeladener Daten zum Beispiel bei Vodafone üppige 3,40 Euro, bei den Konkurrenten war es nicht viel billiger. Jetzt hat die EU den Preis auf maximal 0,83 Euro festgelegt, in den nächsten zwei Jahren sinkt er sogar noch auf 0,23 Euro.

          Zur Warnung verpflichtet

          Ein MB reicht, um eine E-Mail mit einem kleinen Foto zu verschicken oder eine Startseite im Internet aufzurufen - mehr nicht. Wer sich auf solchen Seiten ein einminütiges Video ansieht, verbraucht zwei bis drei MB. Für täglich E-Mails prüfen und beantworten sind in einem zweiwöchigen Urlaub schnell zehn MB erreicht, wer dann auch noch surft, braucht bis zu 50 MB. Diese Zeitung auf dem iPad herunterzuladen benötigt schon 150 bis 200 MB, ein langer Film auch einmal 1000 MB.

          Wer da nicht aufpasst, zahlt viel Geld. Trotz der niedrigen EU-Preise. Um den Kunden einen Schock zu ersparen, sind die Anbieter verpflichtet, ihre Kunden zu warnen, wenn die monatliche Rechnung 59,50 Euro überschreitet. Der Datenverkehr wird dann automatisch unterbrochen. Neu ist von heute an, dass zumindest diese Warnung - nicht aber die Unterbrechung - auch erfolgt, wenn der Kunde außerhalb der EU sein Handy nutzt und die Schwelle überschreitet. Die neuen Preise gelten freilich nur für die EU. Die meisten Anbieter dehnen sie aber auch auf Norwegen, Island und Liechtenstein aus, manche sogar auf die Schweiz.

          Um übermäßige Kosten zu vermeiden, können die Kunden bei größeren Datenmengen auch Auslandspakete zusätzlich zu ihrem normalen Handy- oder iPad-Tarif abschließen. Solche Angebote für einen Tag, eine Woche oder einen Monat machen die Platzhirsche T-Mobile und Vodafone, aber auch einige Billiggesellschaften. 100 Megabyte gibt es schon ab 10 Euro. Kunden ohne Vertrag (prepaid) zahlen meist mehr.

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          Interessant ist auch ein neues Angebot von Vodafone. Für drei oder vier Euro am Tag kann ein Kunde im Ausland die gleichen Preise wie im Inland bekommen und zum Beispiel seine Datenflatrate ohne Zusatzkosten auch im Urlaub nutzen. Das Angebot führt Vodafone gerade für Kunden in Großbritannien und einigen weiteren Ländern ein, Deutschland dürfte im Laufe des Jahres folgen.

          Wlan ist am günstigsten

          Am günstigsten ist es indes, sich in die Wlan-Netze von Hotels, Bars und Restaurants einzuloggen und dort E-Mails zu lesen und zu surfen. Denn hier sind die Preise für hohe Datenmengen noch niedriger oder gar für Gäste kostenlos.

          Aber Vorsicht: Die Netze sind nicht immer gut gesichert. Online-Banking oder andere sensible Kommunikation sollten die Gäste besser vermeiden. Wer nicht das Glück hat, solche günstigen Wege zu finden, sollte zumindest den Bedarf an Datenvolumen begrenzen.

          Dazu sollten Sie Daten-Roaming grundsätzlich im Ausland ausschalten, damit es nicht fortlaufend arbeitet. Und nur bei Bedarf wieder einschalten. Aber wer dann nur schnell eine Website aufrufen will, muss aufpassen. Denn im Hintergrund könnten sich das E-Mail-Programm alle neuen Nachrichten und die Softwareprogramme Aktualisierungen herunterladen. Das erzeugt hohe Datenvolumina und ist daher entsprechend teuer. Dieses Herunterladen lässt sich aber in den Einstellungen des Handys oder iPads ausstellen.

          Es gibt einen Haken

          Dauersurfer im Ausland sollten sich im Ausland die Sim-Karte eines einheimischen Anbieters kaufen und in ihr Gerät einlegen. Dann zahlen sie nur die viel günstigeren Gebühren für Einheimische. Manchmal dauert es einige Tage, bis die neue Karte freigeschaltet ist. Das kann ärgerlich sein, wenn man schon im Urlaub ist. Daher können die einheimischen Sim-Karten schon vorab in Deutschland gekauft werden, etwa bei TravelSim, Solomo oder TouristMobile.

          Damit das funktioniert, muss das Handy ohne das sogenannte Sim-Lock nutzbar sein, das heißt offen für andere Anbieter. Das weiß die eigene Mobilfunkgesellschaft. „Wer ein Sim-Lock hat, kann das aber mit einem Zusatzgerät für einmalig rund 100 Euro umgehen“, rät Tom Schlenkhoff vom Marktbeobachter Telfish. In diesen „mobilen Wlan-Hotspot“ lässt sich dann eine lokale Sim-Karte einlegen.

          Einen Haken hat die schöne neue Roaming-Welt. Sie endet meist an den Grenzen der EU. Schon im Urlaub in Kroatien oder der Türkei gelten fürs Surfen wieder die altbekannten Horrorpreise.

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