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Verzweifelt auf der Suche : Bewerbungstraining für Mieter

  • -Aktualisiert am

Zu vermietender Wohnraum, aufgenommen in Brandenburg an der Havel. Bild: dpa

Um heutzutage eine Wohnung zu bekommen, müssen Mieter alles geben: Eine Bewerbungsmappe ist Pflicht, heucheln häufig hilfreich, und ein Einstecktuch bei der Besichtigung kann auch nicht schaden.

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          Mit Vorstellungsgesprächen kennen wir uns bestens aus, mit Konkurrenzkämpfen auch. Wir fechten sie jeden Tag aus, darin schult uns die Arbeitswelt. Mit einem aber rechnen viele nicht: dass die Bewerbung um eine Wohnung heute härter ist als die um eine neue Stelle. Klar, auf Massenbesichtigungen mit Dutzenden anderen Bewerbern sind viele vorbereitet, die in Großstädten auf Wohnungssuche gehen. Auf kritische Fragen von Maklern auch. Nicht aber auf diese Frage: „Dürfte ich mal Ihre Bewerbungsmappe sehen?“ Eine Bewerbungsmappe? Bei der Wohnungsbesichtigung?!

          Damit sind viele erst mal raus aus dem Rennen, noch bevor sie sich und ihr gesichertes Einkommen anpreisen können. Tatsächlich ist es in Großstädten längst gang und gäbe, dass Mietinteressenten stapelweise Unterlagen einreichen, schon bevor sie zur Besichtigung gehen: Anschreiben, Gehaltsnachweise, Arbeitgeberbescheinigung, Bonitätsauskunft, all das. Häufig sind solche Bewerbungsmappen sogar die Voraussetzung dafür, überhaupt eingeladen zu werden zum Vorstellungstermin mit dem Makler oder dem Vermieter. Und spätestens da fühlt sich mancher Mieter schlimmer als in jedem beruflichen Assessment Center, weil er nicht genau weiß, welche Regeln bei der Wohnungsbewerbung gelten.

          Kein Wunder, darauf bereitet ja auch niemand die Suchenden vor. Während es hunderte von Coaches und Karriereexperten gibt und meterweise Ratgeberliteratur zu Bewerbungen, gibt es noch keine spezialisierten Berater, die folgende Frage beantworten: „Wie bewerbe ich mich richtig um eine Wohnung?“ Dringend nötig wären sie inzwischen allerdings. Denn der Markt hat sich gedreht, beobachtet Manfred Böcker, Geschäftsführer einer bundesweiten Personalberatungsagentur. „Der Arbeitsmarkt hat sich inzwischen deutlich entspannt. Zumindest buhlen viele Arbeitgeber bereits um Fachkräfte. Dagegen wird es auf dem Wohnungsmarkt immer härter. Da sind Bewerber in der traditionellen Rolle des Bittstellers.“ Und als solcher kann man vieles falsch machen.

          Schleimen oder nicht?

          An zwei Fragen scheitern Bewerber regelmäßig: auffallen oder lieber Massenkompatibilität zeigen? Schleimen oder nicht? Beide Fragen sind im Prinzip gar nicht so schwer zu beantworten, finden Karriereberater. Denn im Prinzip gilt bei der Wohnungssuche das, was auch für die berufliche Bewerbung gilt: Wer zuerst auf eine Annonce reagiert – oder zumindest sehr schnell eine Antwort schickt, der bekommt meist noch die volle Aufmerksamkeit des Maklers oder Vermieters. Sind erst einmal 50 Bewerbungen eingegangen, blocken viele Wohnungsanbieter weitere Bewerbungen erst einmal ab.

          Hier kommt auch schon die Bewerbungsmappe ins Spiel. Viele Wohnungssuchende haben schon im Internet die wichtigsten Formulare hinterlegt: mehrere Gehaltsabrechnungen, Arbeitgeberbescheinigungen, Bonitätsnachweise, Mietzahlungsbescheinigungen der vergangenen zwölf Monate, Meldebestätigungen. Manchmal wollen Vermieter auch eine Kopie des Personalausweises sehen, den kann man aber selbstverständlich bei der Besichtigung noch vorzeigen. Bei Selbständigen ersetzen Steuererklärungen und Kontoauszüge die Gehaltsnachweise. Bei Studenten sind oft Bürgschaften der Eltern gefragt.

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