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Wohnen im Alter : Wenn ich in Rente bin, ziehen wir endlich um

Das Haus im Grünen - für viele im Alter der richtige Ort zum Leben. Bild: Picture-Alliance

Wer im Ruhestand ist, muss nicht mehr in der Nähe der Arbeit wohnen. Wie sind die Erfahrungen?

          Die Motive können ganz unterschiedlich sein: Der eine, der sein Leben lang in der Stadt gearbeitet hat, will im Ruhestand gern in den Bergen leben und Adler und Gemsen beobachten. Der andere, der einst wegen der Familie ins Reihenhaus in der spießigen Vorstadt umgezogen war, träumt vielleicht von einem Lebensabend mitten in der Großstadt mit Oper, Theater und Flair. Andere, die unter der großen Entfernung zu ihren Enkelkindern leiden, würden nichts lieber tun als möglichst dicht zu ihnen ziehen. Und wieder andere sagen sich, warum soll ich meine Rente in einem Ballungsraum mit hohen Lebenshaltungskosten verplempern, wenn ich irgendwo aufs Land ziehen kann, wo ich mir für das gleiche Geld einen höheren Lebensstandard und eine viel schönere Wohnung leisten kann?

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Umziehen mit dem Eintritt in den Ruhestand: Viele denken darüber nach, manche machen es wirklich - und sind anschließend glücklich damit oder bereuen es womöglich. Allemal ist es ein Abwägen, ein Kalkül: Für wen Geld eine Rolle spielt, für den sind Vergleiche der Lebenshaltungskosten schon innerhalb der verschiedenen Regionen in Deutschland eindrucksvoll, gar nicht zu reden von anderen Ländern. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln hat das mal mit einer regionalisierten Preisstudie untermauert: Daraus geht hervor, dass die Lebenshaltungskosten in reinen Stadtregionen um gut 6 Prozent höher sind als in ländlichen Gebieten. Außerdem liegt das Preisniveau in Ostdeutschland noch einmal mehr als 5 Prozent niedriger als im Westen. In konkreten Zahlen: Ein Alleinstehender in München benötigt demnach 1030 Euro im Monat, um sich genauso viel kaufen zu können wie ein Durchschnittsbürger in Deutschland mit 870 Euro. Im ostdeutschen Stendal oder im Vogtland reichten dazu schon 800 Euro.

          Extrem sind die Unterschiede bei den Immobilienpreisen. Zwischen den besonders teuren Städten wie München, Frankfurt oder Stuttgart und den besonders günstigen Regionen etwa in Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt auf dem Land kann bei den Immobilienpreisen mitunter der Faktor 10 liegen, wie aus Erhebungen des Immobilienverbands Deutschland hervorgeht: Ein frei stehendes Haus, das in München mehr als 700.000 Euro kostet, kann mit etwas Glück in vergleichbarer Größenordnung in Ostdeutschland auf dem Land für gut 70.000 Euro gefunden werden.

          Für den Preis entscheidend ist bekanntlich die Lage: In dieser Frage aber hat man als Ruheständler den Vorteil, dass man keinen Standort in der Nähe der Arbeitsplätze braucht - dafür wird eine Lage, in der man die täglichen Besorgungen ohne viel Aufwand erledigen kann, in der man ausreichend Abwechslung und Kontakt hat und in der auch die ärztliche Versorgung möglichst gut ist, tendenziell wichtiger. Grundsätzlich gegen das Umziehen mit dem Ruhestand spricht das Argument, dass man soziale Kontakte verliert und im Alter nicht mehr so leicht neu aufbaut. Manche scheuen vielleicht auch Veränderungen; einen alten Baum verpflanzt man nicht, sagte man früher. Fürs Umziehen hingegen spricht, dass man einen neuen Lebensabschnitt in einer neuen Umgebung beginnt, wieder Neues kennenlernt - und sich deshalb als Ruheständler vielleicht weniger schnell langweilt.

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