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Grillen, Feiern, Nacktbaden : Was auf dem Balkon erlaubt ist

Gegen Sonnenschirme ist auf dem Balkon natürlich nichts einzuwenden. Bild: dpa

Im Sommer nutzen viele Mieter ihren Balkon ausgiebig - als Pflanzenparadies, Grillbude oder Partylocation. Doch nicht alles, was Spaß macht, müssen die Nachbarn tolerieren.

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          Warum in die Ferien fahren? Auf Balkonien ist es doch so schön. Wenn die Temperaturen steigen, wirft der Heimurlauber hier gemütlich den Grill an, zischt mit Freunden ein paar Biere und lässt den lauschigen Sommerabend mit einer kleinen Freiluftparty ausklingen. Doch klingelt kurz vor Mitternacht der ältere Herr von nebenan an der Tür und regt sich über lautes Gelächter und dicke Rauchschwaden auf, findet die Feier ein jähes Ende. Leider hat der Nachbar recht, wenn er sich beschwert. Denn es ist zwar vieles auf dem Balkon erlaubt, was Spaß macht - aber eben nicht alles.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Grundsätzlich darf jeder Mieter seinen Balkon so nutzen, wie er möchte, weil er zur vermieteten Wohnung dazugehört - das gilt auch für Terrasse und Garten. Er kann Geranien pflanzen und Tomaten züchten, Stühle und Tische aufstellen, seinen Sonnenschirm aufspannen oder seine Wäsche trocknen. Eigentlich ist es auch in Ordnung, auf dem Balkon seine Buletten zu braten. Es sei denn, der Mietvertrag verbietet das Freiluft-Grillen ausdrücklich - meist aus Feuerschutzgründen. In diesem Fall müssen sich Mieter daran halten, sonst riskieren sie eine Abmahnung oder Kündigung, heißt es beim Deutschen Mieterbund.

          Wer draußen seine Koteletts wendet, sollte aber trotzdem darauf achten, dass sich die anderen Anwohner nicht zu stark von Qualm oder Geruch belästigt fühlen. Denn die Richter sind sich nicht ganz einig, wie oft und wie lange Grillen in Ordnung ist. Manche verlangen sogar, dem Nachbarn 48 Stunden vor der Grillaktion Bescheid zu sagen. Wer Streit vermeiden will, sollte deshalb auf einen Elektrogrill umsteigen und Aluminiumschalen verwenden. Die elektronische Version lässt zwar ein wenig Grillromantik vermissen, dafür qualmt und riecht sie nicht. Außerdem sollte man die Grill-Aktion pünktlich zur Nachtruhe um 22 Uhr beenden.

          Pflanzen? Ja - Tiere? Nein

          Blumenkästen am Balkon machen sich immer gut. Die Bewohner müssen nur dafür sorgen, dass sie stabil genug befestigt sind, um heftigen Unwettern standzuhalten. Stürzen sie auf die Straße, müssen die Mieter für die entstandenen Schäden haften. Blumenfreunde sollten außerdem darauf achten, dass wuchernde Pflanzen nicht zu stark über die Brüstung hinauswachsen und so dem Mieter eine Etage tiefer den Balkon überschatten oder verdrecken. Wenn ein paar Blüten runterfallen oder ein wenig Gießwasser danebengeht, ist das kein Grund, sich aufzuregen. Was für die Flora gilt, gilt nicht unbedingt für die Fauna. Haustiere dürfen im Frühling und Sommer nicht dauerhaft auf dem Balkon leben. Kleintiere wie Hamster, Meerschweinchen oder Singvögel dürfen Mieter nur dann draußen halten, wenn sich die Nachbarn nicht vom Geruch beziehungsweise vom Gezwitscher der Tiere belästigt fühlen.

          Wer auf eigene Faust den Balkon verschönern und dazu eine Markise oder ein Rankgitter installieren will, braucht dafür eine Genehmigung des Vermieters, weil er in die Bausubstanz eingreift. Das Trocknen kleiner Wäsche und das Aufstellen eines Wäscheständers sind selbstverständlich erlaubt. Daran ändert sich auch nichts, wenn die Hausordnung das Wäschetrocknen auf Balkon oder Terrasse verbieten will.

          Alle Anhänger der FKK-Kultur können beim Thema Balkon aufatmen. Denn sie dürfen sich hier ohne Einschränkung nahtlos von der Sonne bräunen lassen. Wie das Amtsgericht Merzig entschieden hat, ist dabei die Frage, ob der Sonnenanbeter gesehen werden kann oder nicht, ebenso irrelevant wie jene nach der Ästhetik des Anblicks. Bei Sex unter freiem Himmel ist die Sachlage eine andere: Nachbarn oder Vermieter können dagegen klagen - etwa wegen Störung des Hausfriedens oder Lärmbelästigung.

          Ein Recht auf Lärm am späten Abend haben auch Feierfreudige nicht. Von 22 Uhr an gilt die Nachtruhe. Das regeln die Landesimmissionsschutzgesetze. Wer danach weiter draußen sitzen will, sollte sich leise unterhalten und die Musik herunterdrehen. Alternativ kann man den Nachbarn einfach auf den Balkon einladen und ihn mit Salat und Würstchen milde stimmen.

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