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Schuldnerberatungen warnen : Vielen Mietern droht Überschuldung wegen hoher Wohnkosten

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Für viele Mieter steigt wegen des angespannten Wohnungsmarkts nach Ansicht von Schuldnerberatern das Risiko, sich zu verschulden. Bild: dpa

Der angespannte Wohnungsmarkt birgt Beratungsstellen zufolge für viele Haushalte in Deutschland ein immer größeres Schuldenrisiko. Auf ihrer Jahrestagung fordern die Schuldnerberater ein Umdenken.

          Der angespannte Wohnungsmarkt in vielen deutschen Städten könnte Schuldnerberatern zufolge immer mehr Haushalte in Zahlungsschwierigkeiten bringen. Selbst Haushalte mit mittleren Einkommen könnten wegen gestiegener Wohnkosten kaum noch Rücklagen bilden für unvorhergesehene Rechnungen oder Reparaturen, teilte die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung am Mittwoch mit.

          „Die hohen Wohnkosten selbst sind ein Überschuldungsrisiko“, sagte Geschäftsführerin Ines Moers. „Und Menschen, die ohnehin Schulden haben, sind ganz besonders benachteiligt.“ Bei ihrer Jahresfachtagung in Erfurt legten Vorstand und Länderrat der Bundesarbeitsgemeinschaft am Mittwoch eine Reihe von Forderungen an Politik und Vermietungsgesellschaften vor. Unter anderem möchten sie, dass die Vergabe von mietpreisgebundenen, staatlich geförderten Sozialwohnungen nicht mehr von der Vorlage einer Auskunft zur Kreditwürdigkeit abhängig gemacht wird.

          „Das größte Problem für überschuldete Personen auf dem Wohnungsmarkt ist, dass sie nichts mehr bekommen, sobald sie einen negativen Schufa-Eintrag haben“, sagte Moers weiter. In Deutschland kritisieren schon seit Jahren Rechtsexperten, dass Schufa-Einträge drei Jahre nach dem Ende einer Privat-Insolvenzverfahren, auch wenn diese mit dem Hinweis „Restschuldbefreiung erteilt“ versehen sind, diskriminierend seien. Die betroffene Person habe dadurch in den ersten drei Jahren nach Ende des Insolvenzverfahrens kaum eine Chance bei der Wohnungssuche erfolgreich zu sein. Gerade in Ballungsräumen sei das praktisch unmöglich, so Experten.

          Eine weitere Forderung der Schuldnerberater bei der Jahresfachtagung in Erfurt war zudem: Beantragen Menschen, deren Einkommen gepfändet wird, einen Wohnberechtigungsschein oder Wohngeld, soll nicht das Nettoeinkommen berücksichtigt werden, sondern das nach der Pfändung noch verfügbare Geld. Nach Informationen der Bundesarbeitsgemeinschaft sind rund 6 bis 7 Millionen Menschen in Deutschland überschuldet - das heißt, die Zahlungspflichten sind auf Dauer höher als die Einkommen. Meistens seien es ungeplante Lebensereignisse, die zur Überschuldung führen, sagte Moers. Also etwa Krankheit, Arbeitsplatzverlust oder eine Scheidung.

          Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung vertritt größtenteils Menschen, die bei gemeinnützigen Schuldnerberatungsstellen in Deutschland arbeiten. Eine Statistik über alle deutschen Haushalte mit Mietschulden gibt es ihren Angaben zufolge nicht. Doch Umfragen - etwa vom deutschen Caritasverband - zeigen, dass viele Deutsche Sorge vor zu hohen Wohnkosten haben. Vor allem in Ballungsräumen wächst der Unmut der Bevölkerung über steigende Mieten. In Berlin etwa wurde ein Volksbegehren zur Enteignung großer Wohnungskonzerne gestartet.

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