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Mangel an Alternativen : Strafzinsen treiben die Deutschen in Immobilien

Der Deutschen liebste Geldanlage: Die Immobilie. Bild: Picture-Alliance

Aus Angst vor Strafzinsen wollen die Deutschen mehr Geld in Häuser und Wohnungen stecken. Viele glauben, dort wäre ihr Erspartes jetzt sicherer. Wenn sie sich da mal nicht täuschen.

          Die Liebe der Deutschen zur eigenen Immobilie ist ungebrochen. Von ihr versprechen sie sich eine sichere Anlage, die sie vor ihren größten Ängsten schützt: nämlich der Inflation und den negativen Zinsen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage zum Anlageverhalten deutscher Privatinvestoren im aktuellen Niedrigzinsumfeld, die TNS Infratest im Auftrag von Goldman Sachs Asset Management durchgeführt hat.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Von 100.000 Euro würden die Befragten den mit Abstand größten Teil (37 Prozent) in Immobilien stecken. Damit hängen Häuser und Wohnungen sogar Sparbuch und Tagesgeld ab. In Aktien würden die Anleger nur 14 Prozent investieren, auf Fonds entfallen sogar nur 10 Prozent. Tatsächlich haben rund 36 Prozent der Befragten schon jetzt einen Teil ihres Geldes in Immobilien angelegt.

          Warum? Weil die Deutschen Immobilien für sicher halten. Aktien, Fonds, Staatsanleihen, selbst das Sparbuch - von allen Anlageformen glauben die Befragten, dass sie durch die niedrigen Zinsen eher unsicherer werden. Aber rund 41 Prozent der Befragten glauben, dass Immobilien sicherer geworden seien.

          Dabei sind es ja gerade die niedrigen Zinsen, die die Immobilienpreise in Ballungsräumen in die Höhe treiben. Denn mit den historisch geringen Zinsen sind auch die Zinsen für Baukredite extrem niedrig. Das bedeutet: Wer sein Eigenheim auf Kredit kauft, kann sich die historisch niedrigen Zinsen über Jahre hinweg festschreiben lassen und kommt so günstig weg wie lange nicht. Zudem werben Banken mit Nullfinanzierungen für Häuser, selbst Hausinteressenten, die kaum Eigenkapital mitbringen, erhalten relativ leicht einen Kredit.

          Alle stürzen sich auf Immobilien, denn sichere und rentable Anlagealternativen fehlen. Doch das treibt die Preise für Häuser und Wohnungen gerade in den Großstädten in teilweise astronomische Höhen. Außerdem führt die höhere Liquidität, die die EZB durch ihre lockere Geldpolitik befördert, dazu, dass auch das Geld etwa von institutionellen Investoren nach rentablen Anlagemöglichkeiten sucht und so entweder die Aktienkurse in die Höhe treibt - oder eben die Immobilienpreise.

          Deshalb werden die Stimmen, die vor einer Blase am deutschen Immobilienmarkt warnen, immer lauter - und das keineswegs nur unter Pessimisten und Untergangspropheten. So äußerte kürzlich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble seine Sorge angesichts steigender Immobilienpreise: „Auf Dauer ist das Maß an Liquidität zu groß und das Zinsniveau zu niedrig.“ Auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat wiederholt vor der Gefahr spekulativ überzogener Preissteigerungen gewarnt, die zu Blasen führen können. So wachsen die Risiken bei den Immobilien - gerade wegen der Minizinsen, vor denen die Deutschen sich eigentlich in Sicherheit bringen wollen.

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