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Statistisches Bundesamt : Die Mieten steigen gar nicht so schnell

  • -Aktualisiert am

Frankfurter Innenstadt: die Elbestraße im Bahnhofsviertel Bild: Stefan Forster, Behrend + Männchen

Die Verbraucher sind sich überwiegend einig, dass die Mieten zu teuer geworden sind. Entgegen der gängigen Meinung hat das Statistische Bundesamt nun festgestellt: Die Mieten steigen gar nicht so sehr wie vermutet.

          Die Inflationsrate, die das Statistische Bundesamt jeden Monat veröffentlicht, wird seit je misstrauisch beäugt. Dass beispielsweise die Teuerung im Januar gegenüber dem Vorjahr mit nur 1,4 Prozent angegeben wurde, obwohl Alltagsprodukte wie Gemüse stark im Preis stiegen und auch die Stromrechnung viel höher ausfiel, erscheint vielen Deutschen äußerst zweifelhaft. Die „gefühlte Inflation“ eines Einzelnen und die tatsächlich gemessene Teuerungsrate können mitunter so weit auseinanderliegen wie Erde und Mond.

          Das Gefühl, dass alles viel teurer wird als offiziell bekanntgegeben, könnte sich demnächst sogar noch verstärken. Denn das Statistische Bundesamt hat den Verbraucherpreisindex, der die Preisentwicklung des privaten Konsums abbildet, mal wieder überarbeitet. Das ist normalerweise keine große Sache. Weil sich unsere Konsumgewohnheiten ändern, werden oft nur ein paar neue Produkte in den Index aufgenommen und ein paar alte Waren aussortiert. Eine der jetzigen Veränderungen im Index hat aber das Zeug zum Aufreger. Kurz zusammengefasst: Die Mieten in Deutschland, die zu rund einem Fünftel in den Index einfließen, steigen gar nicht so stark, wie seit Jahren behauptet wird.

          Das ist kein Beamtenwitz, sondern vom Statistischen Bundesamt gut begründet. Fortan unterscheiden die Statistiker viel stärker, wer der Vermieter ist und wo sich die Mietwohnung befindet. Diese größere Differenzierung führt dazu, dass die Mieten statistisch weniger steigen und damit die Inflationsraten im Vergleich zu früher nach unten drücken. Wie kann das sein?

          Zwei Drittel aller Vermieter sind sogenannte Kleinvermieter, also Privatpersonen mit Wohneigentum. Diese Vermieter sind aber seltener am größtmöglichen Gewinn interessiert als Wohnungsunternehmen und erhöhen deshalb seltener die Mieten. Zudem heben Vermieter in den Städten die Mieten mehr an als Privatleute in einer dünnbesiedelten Region. Die offizielle Mietpreissteigerung von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr fällt auch deshalb so überschaubar aus, weil jährlich überhaupt nur zehn Prozent der Objekte neu vermietet werden und die vielen Bestandsmieten den Preisanstieg bremsen.

          Das alles ist sehr durchdacht vom Statistischen Bundesamt. Wer aber heute in einem begehrten Ballungsraum eine Wohnung sucht, wird die offizielle Inflation für weltfremd halten.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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