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Alte Immobiliendarlehen : Raus aus teuren Krediten!

Bild: Getty

Viele Hausbesitzer zahlen noch immer hohe Bauzinsen. Mit etwas Glück kann man aus den Verträgen raus.

          Die niedrigen Zinsen, die immer größere Bereiche unseres Lebens beeinflussen, strahlen nun sogar auf die Vergangenheit aus. Was ein bisschen klingt wie aus einem schlechten Hollywood-Film, kann Hausbauern eine Menge Geld ersparen: Denn nicht nur für aktuelle Sparkonten und Baukredite sinken die Zinsen immer weiter. Auch Finanzgeschäfte aus der Vergangenheit, die noch mit hohen Zinsen vereinbart worden waren, werden jetzt zum Teil geändert oder rückabgewickelt.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hunderte von Fällen beschäftigen die deutschen Gerichte. Auf der einen Seite kämpfen Kreditinstitute wie die Sparkasse Ulm darum, langlaufende Sparverträge mit hohen Zinsen vorzeitig auflösen zu dürfen. Nicht viel anders ist es bei vielen Bausparkassen, die bestimmte alte Bausparverträge mit hohen Habenzinsen jetzt vorzeitig kündigen wollen. Auf der anderen Seite kämpfen unzählige Hausbesitzer darum, ihre alten teuren Baukredite endlich umschulden zu dürfen.

          Noch vor wenigen Jahren musste man schließlich vier oder fünf Prozent Zinsen im Jahr für einen Immobilienkredit zahlen. Inzwischen reichen oft 1,7 Prozent. Wer möchte da nicht umschulden?

          Einfach ist das nicht. Wer einen Immobilienkredit vorzeitig zurückzahlen will, braucht dafür eigentlich die Zustimmung der Bank. Die verlangt in der Regel eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung - eine Gebühr, die das Umschulden für den Kunden in den meisten Fällen uninteressant macht.

          Allerdings gibt es einen juristischen Trick, wie es trotzdem geht. „Es gibt einen Hebel, mit dem Kreditnehmer unter Umständen aus dem alten Kreditvertrag herauskommen“, sagt Armin Wahlenmaier, Fachanwalt für Banken und Kapitalmarktrecht im baden-württembergischen Eislingen. „Das ist die fehlerhafte Widerrufsbelehrung der Bank.“ Die Rede ist auch vom „Widerrufsjoker“.

          Was ist damit gemeint? Seit 2002 müssen Verträge über Hypothekenkredite an Verbraucher in Deutschland eine sogenannte Widerrufsbelehrung enthalten, in der genau erklärt wird, wie man diesen Kreditvertrag widerrufen kann. Der Text dieser Erklärung muss bestimmten formalen Anforderungen genügen. Das ist in der Praxis oft nicht der Fall. In vielen Kreditverträgen enthalten die Widerrufserklärungen Formulierungen, die sie angreifbar machen. „Bei Kreditverträgen aus den Jahren 2002 bis 2009 sind nach unseren Erfahrungen in mehr als 90 Prozent der Verträge deutliche Fehler“, sagt Wahlenmaier. „Ab 2010 wurden die Fehler in den Verträgen seltener.“

          Wer nun seinen teuren Immobilienkredit los werden und in den Genuss eines günstigeren kommen will, kann da ansetzen: Er kann den Fehler ausnutzen und den alten Kreditvertrag widerrufen. Das fußt darauf, dass aus einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung eine Art ewiges Widerrufsrecht abgeleitet wird. Juristisch ist das alles ziemlich umstritten. Der Münchener Rechtsprofessor Mathias Habersack beispielsweise hält dieses Vorgehen für eine Form von Missbrauch des Widerrufsrechts. Er argumentiert, wer seinen Kredit jahrelang bedient habe, könne nicht plötzlich auf Formfehler pochen.

          Allerdings zeigt die Praxis, dass die Gerichte im Einzelfall mal so und mal so entscheiden: Die Chancen für Kreditnehmer sind anscheinend nicht schlecht. Vor allem aber lässt so manche Bank es gar nicht erst zum Verfahren kommen - sondern ist vorher schon zu Kompromissen bei der Zinshöhe bereit.

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