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Lebensraum und Alter : Viele Senioren bleiben in ihren großen Wohnungen

Geliebtes Heim: Für viele ältere Menschen ist ein Umzug in eine kleinere Wohnung unattraktiv. Bild: dpa

Ein Internetportal vergleicht anhand von Versicherungsdaten, wie sich die Wohnfläche mit dem Lebensalter ändert. Das Ergebnis: Viele Senioren scheuen einen Umzug – auch wenn sich ihr Haushalt verkleinert hat.

          Die durchschnittliche Wohnung, für die jemand in Deutschland eine Hausratversicherung abschließt, ist 82,6 Quadratmeter groß – mit erheblichen Unterschieden je nach Wohnort und Lebensalter des Versicherten. Das geht aus einem Vergleich hervor, den das Internetportal Check24 anhand großer Datenmengen über vermittelte Hausratversicherungen auf seiner Plattform aufgestellt hat. In Ostdeutschland (74,2 Quadratmeter) sind die Wohnungen demnach im Schnitt kleiner als in Westdeutschland (85,3) – und in teuren Großstädten wie München (68,6), Hamburg (67,9) und Frankfurt (71,8) verständlicherweise deutlich kleiner als im Bundesdurchschnitt.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Betrachtet wird jeweils die Wohnfläche, für die der Versicherte eine Hausratversicherung abgeschlossen hat, unabhängig von der Zahl der Haushaltsmitglieder, die dort wohnen. Unter dieser Prämisse kommt der Vergleich zu folgendem Zusammenhang zwischen Lebensalter und Wohnungsgröße: 18-Jährige kommen im Schnitt auf die geringste Wohnfläche von 47,5 Quadratmetern.

          Das steigt dann in den nächsten Lebensjahren (vermutlich häufig mit einer Familiengründung) bis auf 98,3 Quadratmeter im Alter von 42 Jahren. Auch die 46-Jährigen kommen auf diese Wohnfläche. Mit weiter zunehmendem Lebensalter bleibt der Wohnraum im Schnitt über 90 Quadratmetern. Also auch, wenn manche Ehepaare sich beispielsweise nach einer Trennung verkleinern oder wenn die Kinder aus dem Haus sind, so ist doch im Durchschnitt kaum eine Veränderung zu beobachten. Das ändert sich erst mit mehr als 70 Jahren: Aber auch dann geht die Wohnfläche nicht auf die Werte aus jungen Jahren zurück, sie sinkt nur etwas, bis auf 89,7 Quadratmeter.

          Das erinnert an eine Debatte vor rund drei Jahren, als es darum ging, ob man für Senioren vielleicht Anreize schaffen sollte, von größeren Wohnungen wieder in kleinere zu ziehen, um die großen für Familien freizumachen. Robert Feiger von der IG Bau hatte die Diskussion damals angestoßen – und viel Widerspruch erhalten. Ältere Menschen wollten sich nicht aus ihrer Wohnung gedrängt fühlen. Damals zeigten sich zwei Effekte: Zum einen ist es für ältere Menschen, die einen alten, günstigen Mietvertrag für eine große Wohnung haben, oft unattraktiv, in eine kleinere umzuziehen, wenn sie dort genauso viel oder sogar mehr zahlen sollen. Zum anderen hängen aber auch gerade viele ältere Menschen an ihrer Wohnung.

          Immerhin gibt es große Wohnungsgesellschaften, die versuchen, innerhalb ihrer Wohnungsbestände Anreize zu schaffen, dass Senioren in kleinere Wohnungen umziehen. So garantiert der Wohnungskonzern LEG in einem Pilotprojekt Mietern über 65 Jahren mit Wohnungen von mehr als 85 Quadratmetern, dass sie nach einem Umzug in eine kleinere Wohnung zumindest die alte Quadratmetermiete behalten. Und die Stadt Marbach im Kreis Ludwigsburg hat gerade beschlossen, in Zukunft eine „Umzugsprämie“ für Senioren von 2500 Euro zu zahlen. Viele Details sind dort aber noch offen. Ab welchem Alter zahlt man die Prämie? Was ist, wenn jemand ins Altenheim umzieht?

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