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Niedrigzinsen : Baudarlehen kosten so wenig wie nie zuvor

Häusle baue: Immobilienkäufer zahlen immer weniger für ihren Kredit Bild: Wolfgang Eilmes

Die Zinsen sind sehr niedrig. Deswegen sind höhere Tilgungen Pflicht. Doch das Recht zu Sondertilgungen wird noch zu wenig genutzt. Dabei lohnt es sich.

          Die Hypothekenzinsen fallen immer weiter. Deswegen zahlen Immobilienkäufer auch immer weniger für ihren Kredit. Dies zeigen Daten des Finanzdienstleisters Dr. Klein. Demnach ist die monatliche Standardrate für Hypothekendarlehen im Januar auf einen neuen Tiefstand von 471 Euro gefallen. Im Dezember mussten für eine Kreditsumme von 150.000 Euro mit zehnjähriger Zinsbindung (Tilgung von 2 Prozent, Beleihung 80 Prozent) monatlich noch 22 Euro mehr bezahlt werden. Vor genau einem Jahr belief sich diese Rate sogar noch auf 606 Euro. Unter dem Strich steht nun eine Ersparnis von 135 Euro, die Kreditnehmer nun monatlich mehr zur Verfügung haben als damals.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Der Blick auf die Hypothekenzinsen ergibt ein ähnliches Bild. Aktuell werden hierzulande für ein Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung nach Daten der FMH-Finanzberatung im Durchschnitt 1,4 Prozent fällig. Auch dies ist ein historisch niedriger Wert. Vor einem Jahr waren es noch rund 2,7 Prozent, im Jahr 2008 sogar 5,5 Prozent. Wollen Immobilienkäufer die Sollzinsen 15 Jahre lang festschreiben, müssen sie dafür nur noch einen kleinen Aufschlag zahlen und kommen durchschnittlich nun auf insgesamt 1,85 Prozent. Die Werte basieren auf Angaben von 40 ausgewählten Finanzinstituten.

          In dem Niedrigzinsumfeld haben sich einige Trends in der Immobilienfinanzierung verfestigt, wie Daten von Dr. Klein zeigen. Auffallend ist, dass sich Darlehensnehmer den niedrigen Zins immer länger sichern. So ist die durchschnittliche Sollzinsbindung zuletzt sprunghaft um acht Monate gestiegen. Im Januar betrug sie 13 Jahre und fünf Monate. Früher war eine zehnjährige Zinsbindung für Immobiliendarlehen die Regel. Doch inzwischen böten immer mehr Institute standardmäßig auch eine Zinsbindung von 15 Jahren an, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. In jüngster Zeit seien zudem viele Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken hinzugekommen.

          In niedrigen Zinsphasen: schnell tilgen

          Die geringere Zinslast führt zudem zu höheren planmäßigen Tilgungen. Der durchschnittliche Tilgungssatz ist nach Daten von Dr. Klein von 2,6 im Dezember auf 2,69 Prozent im Januar geklettert. Häuslebauer investieren im Durchschnitt weiterhin etwa 22 Prozent Eigenkapital in ihre Bauvorhaben. Der Rest entfällt auf den Kredit. Gleichwohl gibt es auch Vollfinanzierungen, also 100 Prozent Kredit ohne Eigenkapitaleinsatz, für die Banken höhere Anforderungen stellen und mehr Zinsen erheben.

          Die durchschnittliche Darlehenshöhe ist mit 172.000 Euro unverändert geblieben. Gegenüber dem Vorjahr ist das aber ein Plus von 16.000 Euro. Diese Zunahme dürfte nicht zuletzt an den vielerorts deutlich gestiegenen Immobilienpreisen liegen, und auch daran, dass immer mehr Menschen Wohneigentum erwerben, die weniger Geld auf der hohen Kante haben. Den Daten von Dr. Klein liegen 30.000 Transaktionen zugrunde.

          Auf historisch niedrigem Wert: Hypothekenzinsen

          Für eine erfolgreiche Finanzierung gibt es viele Stellschrauben. Der Zins und die Tilgung gehören zweifelsohne zu den wichtigsten. Für Herbst sind regelmäßige Tilgungen von mindestens 2 Prozent Pflicht. Eigentlich sollten es angesichts der niedrigen Zinsen aber 3 Prozent oder mehr sein. Neben diesen planmäßigen Tilgungen können Kreditnehmer in der Regel auch Sondertilgungen vornehmen, wenn vom Urlaubs- und Weihnachtsgeld noch etwas übrig bleibt oder der Lottoschein endlich mal gewinnt. Doch in der Praxis machen offenbar die meisten Kreditnehmer von diesem wichtigen Baustein viel zu selten Gebrauch. Davon berichtet zum Beispiel Baufi24.de, ein Internetportal für private Baufinanzierungen.

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