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New York : Schnäppchen an der Milliardärsmeile

  • -Aktualisiert am

Freie Sicht für Milliardäre: Blick aus dem Penthouse des neuen Wohnturms „53W53“ auf den New Yorker Central Park Bild: Tobias Everke

Eine Wohnung mit Blick auf den New Yorker Central Park gilt als der ultimative Luxus. Die Preise für solche Apartments fallen. Aber zweistellige Millionensummen sind weiterhin fällig.

          Auf Baustellen braucht man immer ein wenig Phantasie. Im Penthouse des neuen Wolkenkratzers, der sich neben dem Museum of Modern Art 320 Meter in den New Yorker Himmel reckt, ist vom versprochenen Luxus jedenfalls noch nicht viel zu spüren. Metallstreben ziehen den Grundriss von Zimmern nach, an deren Wänden später vielleicht auch teure Kunst hängen wird. Arbeiter mit Schutzhelmen stiefeln über Betonböden, die erst noch mit solider amerikanischer Eiche belegt werden müssen.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Um der Phantasie nachzuhelfen, gibt es für das vom Stararchitekten Jean Nouvel entworfene Hochhaus, das nach seiner Adresse an der 53. Straße kurz 53W53 genannt wird, daher gleich um die Ecke an der noblen Fifth Avenue ein Musterapartment. Modelle des Turms zeigen dort neue Ausstellungsräume des Museum of Modern Art in den unteren Stockwerken. Im zwölften Stock wird es ein Schwimmbad und sogar ein Squash-Feld geben. In die eigentliche Wohnung tritt man wie später auch im Turm durch schwere, bronzebeschlagene Türen aus Walnussholz.

          Für die gediegene Atmosphäre zeichnet ebenfalls ein Branchenstar verantwortlich: Innenarchitekt Thierry Despont, der schon Anwesen für den Microsoft-Gründer Bill Gates entworfen hat. Die Küche dominieren Designer-Schränke und Marmor. Im fußbodenbeheizten Bad lassen sich die an Lollis erinnernden automatischen Spiegel per Knopfdruck auf das richtige Niveau fahren. Dazu wird es private Weinkeller geben und neben dem Dienstboteneingang eine Lounge für die Chauffeure.

          In New York die Norm

          Den größten Luxus sieht man allerdings auch schon auf der Baustelle: der Blick auf den Central Park. Vom Penthouse aus ist in dem schon winterlich grau gewordenen Areal das nach Jacqueline Kennedy Onassis benannte Wasserreservoir gut zu erkennen und gleich rechts davon das Metropolitan Museum of Art. Nach Süden geben die noch etwas staubigen Fenster den Blick auf die Avenue of the Americas frei, die die eng bebauten Bürohochhäuser von Midtown Manhattan spaltet. Das Empire State Building scheint nur einen kräftigen Steinwurf weit entfernt, und weiter hinten markiert das neue World Trade Center die Südspitze von Manhattan.

          Diese Bilder haben Millionen von Menschen auf der Welt im Kopf. Wie kaum andere sind sie Symbole der Ostküstenmetropole, mehr noch als die Freiheitsstatue oder die grellen Leuchtreklamen des Times Square. „Die Sicht auf den Central Park ist vielen meiner Kunden wichtig“, sagt Sebastian Steinau, Immobilienmakler der New Yorker Corcoran Group, bei einer exklusiven Besichtigung. Wer morgens mit diesem Ausblick in New York aufwacht, hat es auf dem Weg nach oben finanziell schon ziemlich weit gebracht. Unter einem zweistelligen Millionenbetrag ist ein Apartment mit Parkblick im 53W53 nicht zu haben. Ein zweistöckiges Penthouse ist derzeit für knapp 67 Millionen Dollar auf dem Markt.

          Steinau ist auf solche Luxusobjekte spezialisiert. Er hat in London an der European Business School studiert und danach jahrelang für die Hotelgruppe Aman Resorts in der Karibik Luxusimmobilien verkauft. Trotz seiner vielen internationalen und vermögenden Klienten und einer weltläufigen Art kann Steinau aber nachvollziehen, was Normalverdienern durch den Kopf geht, wenn sie diese Preise hören. Der vierzigjährige Spross einer mittelständischen Unternehmerfamilie stammt aus dem Sauerland, einer eher bodenständigen Gegend. „Für deutsche Ohren klingen diese Preise natürlich verrückt. In New York ist das aber durchaus die Norm“, sagt er.

          Das höchste Wohngebäude in der westlichen Hemisphäre

          Normal jedenfalls für die New Yorker Billionaires’ Row – die Milliardärsmeile –, wie die wachsende Ansammlung ultraluxuriöser Hochhäuser südlich des Central Park genannt wird. Das Kuriose dabei: Die aktuellen Preise gelten als Schnäppchen. Ursprünglich sollte das Top-Penthouse des 53W53 nämlich 73 Millionen Dollar kosten. „Auch der reduzierte Preis ist verhandelbar“, sagt Steinau. Apartments in niedrigeren Stockwerken mit Parkblick, die schon auf 14 Millionen Dollar heruntergesetzt wurden, sind letztlich wohl für unter 13 Millionen Dollar zu haben, wird gemunkelt.

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