https://www.faz.net/-hbv-7sq7j

Neubau als Preisbremse : Neue Stadtteile für alte Universitätsstädte

Die neue Bahnstadt in Heidelberg Bild: dpa

Jetzt hilft nur noch der große Wurf. Wohnungen sind knapp, und die Mieten steigen. Deshalb will Freiburg auch, was Heidelberg schon hat: einen ganz neuen Stadtteil.

          Schön sind sie beide, malerisch sogar. Nicht gleich groß, aber doch ähnlich. Zwei Universitätsstädte mit langer Geschichte und junger Bevölkerung. Anziehungspunkt für Reisende, Treffpunkt für Gelehrte, attraktive Arbeitsplätze für Tausende. Die Menschen leben gern dort in diesen beiden überdurchschnittlich schönen Städten im Südwesten Deutschlands. Immer mehr zieht es dahin, immer mehr Wohnungen werden deshalb gebraucht, hier wie dort. Und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen Heidelberg am Neckar und Freiburg im Breisgau: In Heidelberg steigen die Immobilienpreise. In Freiburg noch viel mehr.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          „Ohne die Bahnstadt würden die Preise auch bei uns noch viel schneller zunehmen“, sagt Georg Breithecker. Er ist Geschäftsführer der Sparkassen-Immobiliengesellschaft, Marktführer in Heidelberg, wie er sagt, er muss es wissen. Auf einem ehemaligen Güterbahnhofareal baut die Stadt seit einigen Jahren schon einen neuen Stadtteil. Ein Stadtentwicklungsprojekt, wie es in Deutschland zurzeit kein zweites gibt. Auf 110 Hektar entstehen nach Breitheckers Worten mehr als 3000 Wohneinheiten für 6000 Menschen, dazu ein Technologiepark, Hotels, Kindertagesstätten, ein Luxus-Filmpalast, eine Grundschule, ein Bürgerzentrum. Viel Grün, viel Platz, alles nach modernen Umweltstandards. Vor allem Mikroappartements für Studenten, Hochschulmitarbeiter oder Pendler, die nur am Wochenende nach Hause fahren, seien gefragt. Sicher seien die Preise auch in Heidelberg gestiegen, aber bei weitem nicht so stark wie in Freiburg. In den vergangenen beiden Jahren hätten sich Eigentumswohnungen um jeweils 5 Prozent verteuert, in diesem Tempo werde es auch dieses Jahr vermutlich weitergehen. Noch höhere Preise ließen sich wegen des neuen Angebots in der Bahnstadt gar nicht durchsetzen.

          In Freiburg können die Menschen davon nur träumen. Genau genommen arbeitet die Stadtpolitik seit geraumer Zeit daran, diese Träume zu verwirklichen. Aber ohne ein Himmelsgeschenk wie das freigewordene Riesenareal in der Heidelberger City dauert eben alles viel länger. Seit zwei Jahren schon laufend auch im Breisgau Vorbereitungen zum Bau eines neuen Stadtteils. Anders als in Heidelberg, wo das ehemalige Bahngelände ungeahnte Möglichkeiten eröffnete, gestaltet sich die Suche in Freiburg schwieriger. 5000 Wohnungen auf 70 Hektar sollen dereinst entstehen im neuen Stadtteil Dietenbach - ein städtebauliches Megaprojekt, das dem in Heidelberg kaum nachsteht. Doch bis dort die ersten Richtfeste gefeiert werden, gibt es noch etliche Hürden zu überwinden: die Menschen vom Verkauf ihrer Ackergrundstücke für 15 Euro je Quadratmeter an die Stadt zu überzeugen und im Zweifel sogar zu enteignen, ist nur eine. In sechs Jahren sollen dann die ersten Bagger rollen. Bis dahin dürften die Preise weiter steigen, obwohl die Stadt schon Anfang des Jahres als eine der ersten Kommunen in Baden-Württemberg eine gesetzliche Neuregelung nutzte und seither die Zweckentfremdung von Wohnraum erschwert. Viel helfen wird das nicht. „Die Stadt hat zurzeit keinen Quadratmeter Bauland mehr“, sagt Thomas Schmidt. Noch dazu würden fast keine Wohnungen mehr aus dem Bestand heraus verkauft. „So eine Situation habe ich in dreißig Berufsjahren noch nicht erlebt.“ Schmidt ist Geschäftsführer der Sparkassen-Immobilien in Freiburg.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          EU-Gipfel in Brüssel : Im absoluten Krisenmodus

          Die Stimmung auf dem EU-Gipfel in Brüssel ist gereizt. Die EU will Theresa May nicht geben, was sie will, die Stimmen aus ihrer Heimat sind vernichtend. Und dann löchert Angela Merkel die Premierministerin noch mit Fragen.

          Neue Gesetze : Was sich 2019 alles ändert

          Eine Reihe von Neuregelungen können zum 1. Januar 2019 kommen – in der letzten Sitzung des Jahres gab der Bundesrat dafür grünes Licht. Eine Verfassungsänderung bremst die Länder aber erst einmal aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.