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Wohnimmobilienkreditrichtlinie : Nicht weniger Baukredite – aber große Rechtsunsicherheit

Wohnimmobilienkreditrichtlinie: Macht die europäische Regelung die Hausfinanzierung schwieriger? Bild: dpa

Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie soll verhindern, dass sich Häuslebauer übernehmen. Angeblich hat sie zu einem heftigen Einbruch der Kreditvergabe geführt. Eine Studie hält dagegen.

          Sie war eines der Aufregerthemen für die Immobilienbranche und künftige Bauherren in diesem Jahr: Die sogenannte Wohnimmobilienkreditrichtlinie, im Slang der Branche auch kurz „Wkr“ genannt. Im März hatte die europäische Regelung auch in Deutschland Gesetzeskraft erlangt und seither zu nicht enden wollenden Protesten geführt, weil angeblich vor allem ältere Leute und junge Familien schwerer an Kredite kämen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine Studie, die von der Internetplattform Kreditvergleich.net veröffentlicht wurde, geht dem jetzt noch einmal nach. Schließlich hat die Bundesregierung zwar schon einen Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem an der Richtlinie nachgebessert werden soll. Wichtige Passagen daraus, unter anderem die Leitlinien für die künftige Kreditvergabe, müssen aber noch auf dem Verordnungswege konkretisiert werden.

          Kritker der Richtlinie hatten behauptet, die Vergabe von Immobiliendarlehen sei von dieser im zurückliegenden Jahr erheblich beeinträchtigt worden. Schließlich war die Kritik an der Richtlinie aus den Sparkassen am lautesten gewesen, die Volksbanken hatten sich dem – etwas verhaltener – angeschlossen, und zumindest einige Privatbanken hatten berichtet, bei ihnen habe es nicht weniger Kredite gegeben.

          Aus den aggregierten Zahlen der Bundesbank für alle Bereiche ergab sich indes kein Rückgang. Die Studie differenziert nach Banktypen und betrachtet vor allem das zweite Quartal 2016, also die Monate April, Mai, Juni, nachdem die Richtlinie im März in Kraft getreten war.

          Sie kommt dabei zu dem Ergebnis, dass in allen Bankensektoren die Kreditvergabe in dem betrachteten Quartal über der des Vorjahresquartals gelegen habe. Die Genossenschaftsbanken hätten insgesamt 4,72 Prozent mehr Immobilienkredite vergeben, die Kreditbanken rund 6,1 Prozent und die Sparkassen 2,35 Prozent mehr. „Obwohl seitens einiger Verbände Einbrüche um bis zu 20 Prozent beklagt werden, können wir das anhand der offiziellen Zahlen der Bundesbank nicht bestätigen“, heißt es in der Studie.

          Allerdings, so wird eingeräumt, bezögen sich diese Zahlen auf das Volumen der ausgereichten Immobilienkredite: „Es wäre denkbar, dass weniger Verträge im zweiten Quartal 2016 mit dafür höheren Summen abgeschlossen wurden.“

          Auszuschließen wäre auch nicht, dass es Effekte der Richtlinie gegeben hat, die erst später eingetreten sind. Gerhard Grandke, der Präsident des Sparkassenverbands Hessen-Thüringen, hat hingegen vom umgekehrten Effekt berichtet: Es seien anfangs in einer Art Anpassungsphase weniger Kredite vergeben worden, das habe sich aber etwas eingespielt. Die ING-Diba hingegen hatte zumindest behauptet, sie habe ihre Systeme so rechtzeitig auf die Richtlinie eingestellt, dass sie anfangs sogar Wettbewerbsvorteile gehabt und mehr Baukredite vergeben habe.

          Es fehlt an klaren Formulierungen

          Die Studie kommt allerdings nicht zu dem Ergebnis, alles sei gut: Auch wenn die Berichte über Kreditrückgänge übertrieben gewesen seien, habe es offenkundig Unsicherheit bei vielen Kreditinstituten gegeben – und auch das könne nachteilig sein.

          „Auch wenn sich anhand der Volumina der vergebenen Immobilienkredite keine negative Entwicklung am Markt ausmachen lässt, so müssen die Bedenken doch ernst genommen werden.“ Eine Analyse der vorgetragenen Beschwerden untermauere: Es fehle vor allem an klaren Formulierungen, auf die sich die Banker bei ihren Entscheidungen berufen können.

          Die vorhandene Unsicherheit sei möglicherweise durch den Konkurrenzdruck der Banken untereinander, die Niedrigzinsphase und den Immobilienboom etwas überspielt worden. Gleichwohl sei es sinnvoll, beizeiten Korrekturmaßnahmen zu ergreifen, wie es die Bundesregierung beabsichtigt, um negativen Entwicklungen vorzubeugen: „Speziell wenn bedacht wird, wie lange es dauern kann, bis Maßnahmen entwickelt werden und schließlich umgesetzt sind, hat der Gesetzgeber keine Zeit zu verlieren.“

          Der Gesetzesentwurf, in dem allerdings noch die konkreten Leitlinien fehlen, hat am 21. Dezember die Zustimmung des Bundeskabinetts bekommen. Die Leitlinien sollen vom Finanz- und vom Justizministerium auf dem Verordnungsweg im ersten Quartal 2017 festgelegt werden. Sowohl die Deutsche Kreditwirtschaft als auch der Maklerverband IVD nannten den Gesetzesentwurf einen „Schritt in die richtige Richtung“, wenn auch nicht alle ihre Erwartungen erfüllt würden.

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