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Neuer Mietspiegel : Wie teuer Wohnen in Berlin wirklich ist

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Der Mietspiegel soll verlässliche Angaben zu ortsüblichen Vergleichsmieten für mehr als 1,2 Millionen nicht preisgebundene Wohnungen in Berlin liefern Bild: dpa

Wie teuer ist Wohnen in Berlin wirklich? Ein neuer Mietspiegel hilft beim Vergleichen, nachdem der alte von einem Gericht gekippt wurde.

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          Die Mieten in Berlin steigen weiter - allerdings nicht mehr so stark wie noch vor Jahren. Dem neuen Mietspiegel zufolge gingen sie seit 2013 jedes Jahr um durchschnittlich 15 Cent nach oben. Die Nettokaltmiete liegt nun im Schnitt bei 5,84 Euro pro Quadratmeter. Der am Montag vorgestellte Mietspiegel 2015 ist nach dem Gerichtsurteil der vergangenen Woche aber schon jetzt umstritten.

          Der Wohnungsmarkt in Berlin bleibe angespannt, sagte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). Das Mietniveau in der Hauptstadt liegt dabei deutlich unter dem anderer Großstädte: In München zahlt man mit 10,73 Euro fast doppelt so viel. Auch in Hamburg müsse man mit 7,56 Euro deutlich tiefer in die Tasche greifen, sagte Geisel. Dort sind allerdings auch die Einkommen höher.

          Der Berliner Mietspiegel ist Vorbild für viele andere Städte. Er liefert alle zwei Jahre eine Übersicht über ortsübliche Vergleichsmieten für mehr als 1,3 Millionen nicht preisgebundene Wohnungen in Berlin. Zuletzt stiegen die Mieten demnach jährlich im Schnitt um 2,7 Prozent. Der vorherige Mietspiegel hatte noch ein Plus von 3,1 Prozent ausgewiesen. Ein Urteil des Amtsgerichts Charlottenburg hatte das Zahlenwerk und dessen Verbindlichkeit aber in der vergangenen Woche grundsätzlich infrage gestellt. Das neue steht nun von Anfang an in der Kritik.

          Das macht Mieterorganisationen vor allem deswegen Sorgen, weil der Mietspiegel die Grundlage für die Mietpreisbremse bilden soll. Sie tritt in Berlin am 1. Juni in Kraft. Dann dürfen Vermieter nur noch zehn Prozent auf die im Mietspiegel ausgewiesene ortsübliche Vergleichsmiete aufschlagen. Ausgenommen sind Neubauten und umfassend sanierte Wohnungen.

          Zwei Vermieterverbände, Haus und Grund sowie der Verband Freier Wohnungsunternehmen (BFW), erkennen den neuen Mietspiegel nach dem Gerichtsurteil nicht an. Das ändere nach Einschätzung des rot-schwarzen Senats aber nichts an der Wirksamkeit, betonte Geisel. Er vermute hinter der Ablehnung Kritik an der Mietpreisbremse. Die Verbände wollten sich Klagemöglichkeiten offenhalten.

          Der neue Mietspiegel wurde vom Institut Gewos mit etwas anderen statistischen Methoden erstellt als der vom Gericht kritisierte. Es sei ein neues Verfahren zur Bereinigung von Extremwerten angewandt worden, hieß es. Er entspreche geltenden gesetzlichen Grundlagen.

          Allgemeines Festhalten

          Trotzdem, so sagte Geisel, könne er nicht ausschließen, dass Gerichte auch künftig einzelne Aspekte des Mietspiegels infrage stellten. Er forderte bundeseinheitliche Kriterien für die Erstellung solcher Vergleiche. Die Opposition warnte, ohne Mietspiegel werde die Mietpreisbremse ihre Schutzwirkung für Mieter verlieren.

          Auch die Berliner Industrie- und Handelskammer forderte Rechtssicherheit. Mit der Einführung der Mietpreisbremse werde der Berliner Mietspiegel noch einmal an Bedeutung gewinnen. „Er sollte das bewährte Instrument zur Wahrung des Mietfriedens bleiben“, hieß es.

          Der Berliner Mieterverein will ebenfalls am Mietspiegel festhalten. Er sieht durch das neue Zahlenwerk allerdings weitere Spielräume für Mieterhöhungen und forderte am Montag neue Kappungsgrenzen. Mieten sollten innerhalb von fünf Jahren um nicht mehr als 15 Prozent steigen dürfen. Die Modernisierungsumlage solle gestrichen und durch einen befristeten Zuschlag für besonders effiziente energetische Modernisierungen ersetzt werden.

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