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Immobilienboom : Mit dem eigenen Haus für das Alter vorsorgen

Daumenregel für den Hauskauf: Eine Immobilie sollte nicht mehr kosten, als sie in 20 Jahren an Miete einbringt. Bild: dpa

Die niedrigen Zinsen haben zu einem Immobilienboom geführt. Die Hälfte der Sparer schätzt Wohneigentum für den Vermögensaufbau. Doch es mehren sich die Risiken.

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          Wenn Menschen darüber nachdenken, sich eine Immobilie zuzulegen, ist die Altersvorsorge eher ein Randaspekt. Potentielle Hausbesitzer befinden sich meistens in der „Rush Hour des Lebens“, dem Lebensjahrzehnt zwischen 30 und 40, in dem sich alles ballt, was das Leben aus- – aber auch anstrengend macht: In dieser Phase werden die wohl wichtigsten Entscheidungen gefällt: Wo will ich leben? Wie will ich leben? Mit wem will ich leben? Will ich Kinder haben, und wenn ja, wie viele? Eine weitere Frage, die sich dann schnell anschließt, lautet: Kaufen oder mieten?

          Judith Lembke
          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sollte die Entscheidung fallen, sich Wohneigentum zuzulegen, wird der Lebensentwurf schnell konkret. Dann wird abgewogen, ob man eher der Typ für die Etagenwohnung in der Stadt ist oder auf den eigenen Garten nicht verzichten mag – dafür zum Einkaufen aber das Auto nehmen muss und sich die Stammkneipe auch nicht an der nächsten Straßenecke befindet. Dass Wohneigentum auch ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge ist und deshalb in die Kaufentscheidung mit einfließen sollte, wird dabei oft übersehen – in der Rush Hour des Lebens stehen eben andere Dinge im Vordergrund.

          Eine Altersvorsorge sollte angelegt sein wie eine Speisekammer, die man im Laufe seines Erwerbslebens gut füllt, um im Alter die Vorräte aufzuzehren. In dieses Konzept passt der Kauf von Wohneigentum ausgezeichnet. Schließlich bedeutet das in den meisten Fällen, Immobilien in jungen Jahren auf Kredit zu kaufen und diesen dann im Laufe der Jahre zu tilgen, so dass man sich im Alter über ein schuldenfreies Vermögen freuen kann. Vor diesem Hintergrund kann man eine Immobilie als eine Art Sparplan verstehen: In der Zeit der Berufstätigkeit wird Kapital angespart, von dem man im Alter zehren kann.

          Kredit zwingt zum Sparen

          Wird das Eigentum vermietet, ersetzt die Miete später einen Teil des Erwerbseinkommens. Nutzt man die Wohnung oder das Haus selbst, hilft die ersparte Miete dabei, im Alter trotz geringerer Zuflüsse den gewohnten Lebensstandard zu halten. Wer Mieten und Kaufen gegeneinander abwägt, wird früher oder später auf die typischen Modellrechnungen stoßen. Dabei wird die Rendite, die das Eigentum im Laufe der Jahre abwirft, damit verglichen, wie sich das eingesetzte Kapital verzinst, wenn es in Aktien oder Anleihen investiert ist. Häufig schneidet der Immobilienkauf bei diesen Vergleichen nicht sehr gut ab.

          Die mathematischen Modelle kalkulieren jedoch nicht mit ein, dass der Kauf einer selbstgenutzten Immobilie – und darum handelt es sich in den allermeisten Fällen – eine sehr emotionale Entscheidung ist. Schließlich geht es um nicht weniger als die Frage, wie man leben möchte, in welcher Umgebung die Kinder aufwachsen sollen und wie sich die Familie nach außen darstellen will. Für einige Menschen ist die Gewissheit, dass ihre Lebensentscheidungen nicht von der Dauer eines Mietvertrags abhängen und sie mit keinem Vermieter über den Fußbodenbelag diskutieren müssen, unbezahlbar.

          Dazu kommt ein Aspekt, der mit Blick auf die Altersvorsorge nicht zu unterschätzen ist: Wer eine Immobilie auf Kredit kauft, zwingt sich faktisch selbst zu sparen. Wer – bestenfalls auch noch günstig – zur Miete wohnt, hat jeden Monat vielfältige Möglichkeiten, sein Geld auszugeben. Die meisten davon sind mit Sicherheit verlockender, als Geld zur Seite zu legen, damit man in 30 Jahren etwas davon hat. Das niedrige Zinsumfeld in Deutschland, das einerseits historisch niedrige Zinsen für Immobilienkredite mit sich bringt und anderseits andere Anlageklassen unattraktiver erscheinen lässt, hat Immobilienanlagen in den vergangenen Jahren zunehmend ins Blickfeld der Sparer gerückt.

          Starke Preisanstiege

          Bei einer Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes in diesem Jahr kam heraus, dass etwa die Hälfte der Befragten das Eigenheim für ein ideales Element der Vermögensbildung halten. Das waren 5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 34 Prozent derjenigen, die angesichts niedriger Sparzinsen gezielt nach Anlagealternativen suchen, finden Häuser und Wohnungen „besser geeignet“ als zuvor. Das sei ein „herausragend hoher Wert“ heißt es beim Sparkassenverband.

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