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Mietpreisbremse : Für die Makler wird es eng

Makler könnten bald deutlich weniger zu tun haben. Bild: dpa

Die Mietpreisbremse soll dafür sorgen, dass der Makler in Zukunft vom Vermieter bezahlt wird. Doch viele Eigentümer dürften dann ganz auf einen Wohnungsvermittler verzichten.

          Um gegen stark steigende Mieten in beliebten Wohngegenden vorzugehen, hat die Bundesregierung am Mittwoch die sogenannte Mietpreisbremse beschlossen. Das neue Gesetz sieht unter anderem vor, dass ein Makler von 2015 an von demjenigen bezahlt werden soll, der ihn bestellt – und das ist oft der Vermieter.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Doch wie verändert es die Anreizstrukturen, wenn nicht mehr der Mieter, sondern der Wohnungseigentümer die Kosten für den Makler tragen soll? Bisher muss der Vermieter für den Vermittler nichts bezahlen, hat aber viele Vorteile: Der Makler erstellt das Wohnungsangebot, nimmt ihm die Wohnungsbesichtigungen ab und bereitet den Mietvertrag vor. Zudem prüft er Verdienstbescheinigungen und Schufa-Einträge und schützt den Vermieter so davor, einem Mietnomaden aufzusitzen. Bei mehreren Dutzend Wohnungsinteressenten ist das ein Batzen Arbeit.

          Da die Nachfrage nach Wohnungen zumindest in Ballungsräumen hoch genug ist, muss der Vermieter auch nicht fürchten, durch die Maklerkosten eine Wohnung deutlich schwerer an den Mann bringen zu können. Für viele Vermieter gelten die Maklergebühren sogar als Garantie dafür, dass die Mieter in spe finanziell gut genug ausgestattet sind, um nicht nur den Makler, sondern in Zukunft auch die Miete verlässlich zu zahlen. Wer schon 2500 Euro für den Wohnungsvermittler nicht locker übrig hat, könnte auch bei den laufenden Kosten für die Wohnung mal in Bedrängnis kommen, fürchten einige Wohnungsbesitzer.

          Ob all diese Vorteile jedoch ausreichen, damit sich die Wohnungseigentümer in Zukunft den Makler leisten, ist fraglich. „Es ist schwer im Vorfeld zu orakeln. Unsere Vermutung ist aber, dass viele versuchen werden, die Vermietung selbst in die Hand zu nehmen und die Wohnung ohne Makler auf den einschlägigen Online-Plattformen anzubieten“, sagt Alexander Wiech von Haus und Grund, dem Verband der Haus- und Wohnungseigentümer.

          Das bestätigt auch eine Umfrage des Immobilienportals Immobilienscout 24 unter Hausverwaltungen und Immobiliengesellschaften. 61 Prozent der Vermietungen kommt bei den Befragten durch einen Makler zustande. Rund 32 Prozent sagen, dass sie nach Einführung des Bestellerprinzips auf die Leistung von Maklern nicht mehr zurückgreifen werden, obwohl sie es bisher getan haben. 51 Prozent geben an, dass sie auch weiter mit Maklern zusammenarbeiten werden. Etwa 17 Prozent beschäftigen bisher keine Wohnungsvermittler und wollen das auch in Zukunft nicht tun. Die Bereitschaft dürfte bei privaten Vermietern noch geringer ausfallen.

          Vermieter können Maklerkosten nur begrenzt auf Miete umlegen

          In diesem Fall würde die neue Regelung wirklich die Makler treffen und die Kosten für Mieter tatsächlich sinken. Die Wohnungsvermittler haben deshalb schon gehörig Muffensausen. Nun wollen sie gegen die Mietpreisbremse Verfassungsbeschwerde einlegen, wie der Immobilienverband Deutschland angekündigt hat.

          In vielen beliebten Wohngegenden gestaltet sich die Selbstvermietung nach Einschätzung von Wiech gerade wegen der großen Nachfrage nach Wohnraum schwierig. Besonders in den Großstädten könnten Vermieter weiter die Leistungen von Maklern in Anspruch nehmen. Inwiefern sie die Kosten auf den Mieter umlegen können, hänge davon ab, ob im jeweiligen Markt für den Mietpreis überhaupt noch Spielraum nach oben ist. Die Gebühren einzupreisen, könne vielleicht zum Teil gelingen, aber wohl nicht ganz. Außerdem schließt die Mietpreisbremse einen zu hohen Aufschlag ohnehin aus. In diesem Fall blieben die Vermieter auf einem Teil der Kosten sitzen.

          Die Idee, dass alle Mieter und Vermieter rational rechnen, ist aber sowieso zweifelhaft. Zumindest wenn man sich momentan bei Immobilienportalen wie Immobilienscout 24 oder Immowelt umschaut, scheint es so, dass die Mieten von Wohnungen ohne Provision nicht deutlich höher liegen als mit Provision. Wer die Auswahl seiner Mieter selbst übernimmt, kommt meist nicht auf die Idee, für seinen höheren Arbeitsaufwand auch eine höhere Miete zu verlangen.

          Hinzu kommt, dass einige private Vermieter aus Gründen der Überzeugung auf einen Makler verzichten: etwa weil sie Maklergebühren für eine unnötige Kostenbelastung des zukünftigen Mieters halten, die hohen Kosten im Verhältnis zur Leistung für nicht angemessen halten oder die oft als Wucher empfundenen Honorare der Makler nicht unterstützen möchten.

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