https://www.faz.net/-hbv-7zzr2

Wohnungsmarkt in Paris : Luxusimmobilien zu Schnäppchenpreisen

Nicht mehr ganz so teuer: Appartements in Paris wie hier auf der Ile de la Cité. Bild: Reuters

Nach zwei Krisenjahren wegen der sozialistischen Besteuerungswut kehren reiche Käufer zurück nach Paris. Der schwache Euro und das breite preisgünstige Angebot locken sie wieder an die Seine.

          Der Markt für Luxusimmobilien explodiert. In London kaufen reiche Russen historische Stadtpaläste am Hyde Park oder am Buckingham Palace und unterkellern diese noch mit bis zu vier Etagen, weil sie riesige Wohnflächen wollen. In New York entstehen am Central Park neue Hochhäuser, die einen atemberaubenden Blick über die Stadt bieten. In Monaco wird zwar langsamer in die Höhe gebaut, doch auch hier sind Luxusappartements so begehrt wie lange nicht.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Nur eine Weltmetropole blieb lange Zeit ein Mauerblümchen: Paris. „Wir haben in der französischen Hauptstadt die schlechtesten zwei Jahre gesehen, an die wir uns seit vier Jahrzehnten erinnern können“, stöhnt Alexander Kraft, der Eigentümer und Geschäftsführer der auf Luxusimmobilien spezialisierten Makleragentur Sotheby’s International Realty France-Monaco, im Gespräch mit dieser Zeitung. „Seit François Hollande an der Macht ist, hat der Markt extrem gelitten.“ Reihenweise blieben die Eigentümer auf Appartements und Häusern sitzen, für die Makler verstrichen Wochen ohne jeden Besichtigungstermin, und wenn es zu einem kam, hatte er keine Folgen. „Als Mitterrand Anfang der achtziger Jahre an die Macht kam, hatten die Leute auch Angst und sagten: Oje, jetzt kommen die Sozialisten. Doch nach recht kurzer Zeit boomte die Luxusbranche wieder. Diesmal ist es anders“, meint der Deutsche Kraft, der den französischen Marktführer unter den Maklern für Luxusimmobilien mit mehr als fünfzig Niederlassungen leitet.

          Ein Beispiel ist das Stadtpalais des Schauspielers Gérard Depardieu. Es gilt zwar als sehr eigenwillig ausgebaut und eingerichtet; mit 50 Millionen Euro wurde es anfangs zudem viel zu teuer auf den Markt gebracht. Doch selbst als Depardieu auf 35 Millionen Euro runterging, fand sich noch kein Käufer. Dabei liegt sein Anwesen in bester Lage im Herzen der Stadt und bietet die für Paris sehr außergewöhnliche Größe von mehr als 1000 Quadratmeter Wohnfläche sowie einen Garten. Inzwischen soll es der Schauspieler ganz vom Markt genommen haben, heißt es in Pariser Maklerkreisen.

          Doch wo es bergab geht, findet sich irgendwann auch ein Boden. Dieser könnte in Paris jetzt erreicht sein. Die Zahl der Transaktionen im höchsten Qualitätssegment steigt jedenfalls wieder. Denn während die Abschlüsse in Metropolen wie London, New York, Hongkong und Singapur schwindelerregende Preise erreichen, gehen sie in Paris seit zwei Jahren zurück. Die Immobilienagentur Barnes schätzt, dass die Pariser Immobilien von mehr als 200 Quadratmeter seit 2011 um ein Viertel günstiger geworden sind. Sotheby’s kommt auf eine ähnliche Einschätzung. „Vor drei Jahren hatte sich Paris London und New York preislich noch angenähert, doch dann ging die Schere wieder auf“, meint Kraft. Um rund 50 Prozent seien französische Luxusimmobilien heute im Durchschnitt billiger als jene in London, gegenüber New York betrage der Abstand 30 Prozent. Daraus kann Kraft nur einen Schluss ziehen: „Paris ist geradezu zu einem Schnäppchen geworden.“ Große Immobilien von mindestens 200 Quadratmetern in gutem Zustand und guter Lage seien im sogenannten goldenen Dreieck zwischen den Champs-Elysées und der Rue du Faubourg Saint-Honoré schon ab 10.000 Euro je Quadratmeter zu haben. Das ist nicht viel höher als der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Pariser Immobilien von rund 8200 Euro. In der Gegend um den Eiffelturm am Champ de Mars seien die Preise für Luxusimmobilien ähnlich weit gesunken, berichtet Kraft. Nur im 6. Arrondissement, Rive gauche, am Boulevard Saint-Germain und Invalides lägen die Anfangspreise etwas höher.

          Steuererhöhungen, Wirtschaftsflaute und gedrückte Stimmung

          Neben dem Preisargument bringt der schwache Euro die Reichen zurück nach Paris. „Für Amerikaner, die sich noch vor anderthalb Jahren frustriert umsahen, sind viele Luxusimmobilien jetzt um 40 Prozent billiger geworden“, berichtet Sotheby’s-Chef Kraft. Daneben tauchen wieder reiche Interessenten aus Saudi-Arabien und den arabischen Emiraten auf, die ihre Dollarbestände nutzen wollen. Sie haben die Qual der Wahl. „Es gibt eine unglaubliche Auswahl“, verrät Kraft. In normalen Zeiten hätten seine fünfzig Niederlassungen 2000 bis 2500 Immobilien im Angebot. „Zurzeit ist es mehr als das Doppelte.“

          Zuerst waren es die Steuererhöhungen, die reiche Franzosen und Ausländer aus Frankreich vertrieben. Danach kamen die wirtschaftliche Flaute und die gedrückte Stimmung hinzu. Dass die französische Regierung einige Steuererhöhungen zurückgenommen hat - so lief die Reichensteuer von 75 Prozent auf Einkommen von mehr als 1 Million Euro nach zwei Jahren aus -, „ist im Ausland nicht angekommen“, meint Kraft. „Außerdem lassen sich die Politiker immer wieder etwas Neues einfallen, kürzlich etwa die getrennte Besteuerung von Zweitresidenzen. Jedes Mal, wenn eine Ankündigung aus dem Elysée-Palast kommt, geht der Markt eher runter als rauf. Von einer Kehrtwende kann keine Rede sein“, sagt der deutsche Makler.

          Die Flaute in Paris hat auch die französische Provinz erfasst. Die Agentur Barnes verglich die Zahl der Transaktionen in Miami mit denen im (allerdings kleineren) Saint-Tropez des vergangenen Jahres: 232 Immobilien über 4 Millionen Euro wurden in der amerikanischen Küstenstadt verkauft, im Hafenort von Brigitte Bardot dagegen nur ganze acht. Die geopolitischen Spannungen tragen zu der Misere bei, denn die „Russen haben sich vom Markt zurückgezogen, was wir besonders an den Skiorten Courchevel und Méribel oder in Cannes und Saint-Tropez spüren“, heißt es beim Makler-Netzwerk Féau.

          So ist das Tal der Tränen in Frankreich unter Umständen noch nicht durchschritten. „Wir sind noch lange nicht zurück bei unserem normalen Transaktionsvolumen und Preisniveau“, stellt Kraft fest. Er hält es für möglich, dass die Preise in Frankreich wegen des anhaltenden Angebotsüberhangs in diesem Jahr noch einmal um 5 bis 10 Prozent sinken. Somit dürften etliche Besitzer auf ihrem Eigentum vorerst sitzenbleiben.

          In der Hauptstadt handelt es sich dabei häufig um Immobilien, die nicht im besten Zustand sind, denn sie befinden sich anders als etwa in London oft seit langer Zeit in Familienhand. Da stellt sich durchaus die Frage, ob sie zur Erhöhung der Verkaufschancen noch einmal renoviert werden sollen. Doch wie trifft man den Geschmack der potentiellen Kundschaft am besten? Kraft rät zu neutralen Farben, modernen Küchen („mindestens für eine halbe Million“) und Bädern vom Feinsten. „Goldene Wasserhähne oder grünen Marmor wollen die Leute aber nicht mehr, sondern diskreten Luxus, so wie sie das aus den guten Hotels gewohnt sind.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          FAZ Plus Artikel: Erstes Zeitungsinterview : AKK stellt sich vor ihre Soldaten: „Kein Generalverdacht“

          In ihrem ersten Zeitungsinterview als Verteidigungsministerin spricht Annegret Kramp-Karrenbauer über ihr Verhältnis zum Militär, über das Vermächtnis der Männer des 20. Juli und über den Lieblingspulli ihrer Teenagerzeit. Auch in kritischen Zeiten werde die Truppe ihr Vertrauen genießen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.