https://www.faz.net/-hbv-7zzr2

Wohnungsmarkt in Paris : Luxusimmobilien zu Schnäppchenpreisen

Steuererhöhungen, Wirtschaftsflaute und gedrückte Stimmung

Neben dem Preisargument bringt der schwache Euro die Reichen zurück nach Paris. „Für Amerikaner, die sich noch vor anderthalb Jahren frustriert umsahen, sind viele Luxusimmobilien jetzt um 40 Prozent billiger geworden“, berichtet Sotheby’s-Chef Kraft. Daneben tauchen wieder reiche Interessenten aus Saudi-Arabien und den arabischen Emiraten auf, die ihre Dollarbestände nutzen wollen. Sie haben die Qual der Wahl. „Es gibt eine unglaubliche Auswahl“, verrät Kraft. In normalen Zeiten hätten seine fünfzig Niederlassungen 2000 bis 2500 Immobilien im Angebot. „Zurzeit ist es mehr als das Doppelte.“

Zuerst waren es die Steuererhöhungen, die reiche Franzosen und Ausländer aus Frankreich vertrieben. Danach kamen die wirtschaftliche Flaute und die gedrückte Stimmung hinzu. Dass die französische Regierung einige Steuererhöhungen zurückgenommen hat - so lief die Reichensteuer von 75 Prozent auf Einkommen von mehr als 1 Million Euro nach zwei Jahren aus -, „ist im Ausland nicht angekommen“, meint Kraft. „Außerdem lassen sich die Politiker immer wieder etwas Neues einfallen, kürzlich etwa die getrennte Besteuerung von Zweitresidenzen. Jedes Mal, wenn eine Ankündigung aus dem Elysée-Palast kommt, geht der Markt eher runter als rauf. Von einer Kehrtwende kann keine Rede sein“, sagt der deutsche Makler.

Die Flaute in Paris hat auch die französische Provinz erfasst. Die Agentur Barnes verglich die Zahl der Transaktionen in Miami mit denen im (allerdings kleineren) Saint-Tropez des vergangenen Jahres: 232 Immobilien über 4 Millionen Euro wurden in der amerikanischen Küstenstadt verkauft, im Hafenort von Brigitte Bardot dagegen nur ganze acht. Die geopolitischen Spannungen tragen zu der Misere bei, denn die „Russen haben sich vom Markt zurückgezogen, was wir besonders an den Skiorten Courchevel und Méribel oder in Cannes und Saint-Tropez spüren“, heißt es beim Makler-Netzwerk Féau.

So ist das Tal der Tränen in Frankreich unter Umständen noch nicht durchschritten. „Wir sind noch lange nicht zurück bei unserem normalen Transaktionsvolumen und Preisniveau“, stellt Kraft fest. Er hält es für möglich, dass die Preise in Frankreich wegen des anhaltenden Angebotsüberhangs in diesem Jahr noch einmal um 5 bis 10 Prozent sinken. Somit dürften etliche Besitzer auf ihrem Eigentum vorerst sitzenbleiben.

In der Hauptstadt handelt es sich dabei häufig um Immobilien, die nicht im besten Zustand sind, denn sie befinden sich anders als etwa in London oft seit langer Zeit in Familienhand. Da stellt sich durchaus die Frage, ob sie zur Erhöhung der Verkaufschancen noch einmal renoviert werden sollen. Doch wie trifft man den Geschmack der potentiellen Kundschaft am besten? Kraft rät zu neutralen Farben, modernen Küchen („mindestens für eine halbe Million“) und Bädern vom Feinsten. „Goldene Wasserhähne oder grünen Marmor wollen die Leute aber nicht mehr, sondern diskreten Luxus, so wie sie das aus den guten Hotels gewohnt sind.“

Weitere Themen

Topmeldungen

Mini Cooper SE : Minimaler Stromschlag

Mini schickt sich an, ein vollelektrisches Modell auf den Markt zu bringen. 200 Kilometer Reichweite für 32.500 Euro – da darf man maximal gespannt sein.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.