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Markt entspannt sich : Wohnungspreise steigen langsamer

Luxussanierung: Handwerker richten eine Berliner Altbauwohnung für wohlhabende Eigentümer her Bild: Reuters

Erste Anzeichen deuten auf eine Beruhigung in den Metropolen hin. Doch bedeutet ein weniger rasantes Wachstum gleich die Trendwende?

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          Die Preise für Eigentumswohnungen und Häuser sind im vergangenen Jahr nicht so stark gestiegen wie in den Jahren zuvor. Auch die Mieten haben nicht mehr ganz so stark zugelegt. Das ist das Ergebnis einer Auswertung des Internet-Immobilienportals Immoscout 24. Für die Analyse wurden auf dem Portal veröffentlichte Angebote ausgewertet.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im Durchschnitt sind die Preise in den vergangenen zwölf Monaten um 4 Prozent gestiegen, während der Zuwachs im gleichen Zeitraum des vorangegangenen Jahres noch bei 9 Prozent lag. Selbst in den Metropolen wie Hamburg, Frankfurt, Köln oder München steigen die Preise für Wohnimmobilien nicht mehr so rasant. Einzige Ausnahme ist Berlin: Dort haben sich die Preise für Eigentumswohnungen seit Herbst 2013 um 9 Prozent verteuert.

          Auch keine großen Mietsprünge mehr

          Bei den Mieten zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Zeit der großen Preissprünge scheint vorbei zu sein. Im Gegenteil flache die Zunahme gerade in den Wachstumsregionen überdurchschnittlich ab. Zu diesem Ergebnis kommt das Forschungsinstitut Empirica in seinem aktuellen Immobilienpreisindex. „Ein natürlicher Mietpreisdeckel ist in den Knappheitsstädten nun erreicht, noch viel höhere Mieten sind auf den allermeisten Märkten nicht durchsetzbar“, heißt es in der Analyse

          Michael Voigtländer, Immobilienfachmann beim Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln, überrascht diese Entwicklung nicht. „Der Immobilienpreis wird von Erwartungen getrieben“, sagt Voigtländer. Die Treiber waren auf dem Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren vor allem die hohen Zuwanderungsraten in die deutschen Metropolen, die niedrigen Hypothekenzinsen sowie die Mietpreissteigerungen.

          Mittlerweile hätten die Zinsen aber ihren Tiefpunkt erreicht, die Zuwanderung sei stabil, und die Mietpreisbremse deckele die Mieteinnahmen. Zudem wüchsen die Einkommen nicht mehr so stark. „Die Menschen werden vorsichtiger“, hat Voigtländer beobachtet. Er erwartet in Zukunft stetige Preissteigerungen, die jedoch nicht mehr so dynamisch ausfallen wie in den vorangegangenen Jahren. Denn der Mangel an Wohnraum bleibe bestehen. „Es wird in den Wachstumsregionen zu wenig gebaut“, sagt der Fachmann. Zudem sorge die Mietpreisbremse für große Unsicherheit im Markt.

          Eigentumswohnungen bis zu 41 Prozent teurer

          Seit 2011 haben sich die Immobilienpreise nach der Immoscout-Analyse in Deutschland um 20 Prozent verteuert. Dabei fiel die Entwicklung jedoch regional höchst unterschiedlich aus: Während strukturschwache Gegenden mit einer hohen Leerstandsquote und sinkenden Preisen kämpfen mussten, überstieg in den Metropolen die Nachfrage das Angebot bei weitem. Hier liegen die Zuwächse deswegen auch deutlich höher als im Durchschnitt. In Köln haben sich die Preise für Eigentumswohnungen in den vergangenen drei Jahren um 31 Prozent verteuert, in München waren es 39 Prozent und in Berlin sogar 41 Prozent.

          Die Hauptstadt war im vergangenen Jahr noch in einer anderen Kategorie Spitze: Zum ersten Mal wurden in Berlin mehr Umsätze mit Eigentumswohnungen erzielt als in München. Insgesamt knapp 4,3 Milliarden Euro hat der Verkauf von Eigentumswohnungen 2013 in Berlin eingebracht, das ist ein Plus von mehr als 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In München akkumulierten sich die Verkäufe auf 3,77 Milliarden Euro, was einem Minus von 0,7 Prozent entspricht.

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