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Immobilienpreise : Anderswo sind die Häuser noch teurer

Skandinavische Länder sind es auch, in denen (neben Deutschland) am meisten an- und umgebaut wird. Auch dort wird saniert und renoviert wie verrückt, weil das Anlegen von Geld so unattraktiv ist. „Die höchsten Investitionen pro Kopf in bestehende Wohngebäude gibt es neben Deutschland in Norwegen, Dänemark und Finnland“, sagt Ludwig Dorffmeister, Immobilienexperte des Ifo-Instituts in München. Die meisten Genehmigungen für Neubauten pro Kopf dagegen würden derzeit in der Schweiz, in Frankreich, in Norwegen und in Österreich erteilt.

Die Situation in der Schweiz ist dabei in vielem ähnlich wie bei uns - und doch noch etwas anders. In beiden Ländern fließt Fluchtgeld aus dem Ausland in Immobilien, weil das Geld dort als relativ sicher gilt. Die Schweiz sieht dabei allerdings mehr Restriktionen für den Immobilienerwerb von Ausländern vor, zugleich ist das Preisniveau insgesamt höher. Sowohl bei der Deutschen Bundesbank als auch bei der Schweizerischen Nationalbank hat man sich schon besorgt darüber geäußert, dass es im jeweiligen Land zur Bildung einer Immobilienblase kommen könnte.

Am teuersten ist es in Großbritannien

Dabei gibt es in allen Ländern in Europa, die den Euro nicht haben, eine Sondersituation: Je größer die Sorgen der Anleger im Euroraum über den Fortbestand des Euro waren, desto mehr Geld floss dorthin - auch in Immobilien.

Allerdings profitierte auch Deutschland von einem ähnlichen Effekt: In der Hochphase der Euro-Krise differenzierten Anleger sogar zwischen solchen Ländern in der Eurozone, die mit hoher Wahrscheinlichkeit dabei bleiben würden, und solchen, bei denen es weniger sicher war. So boten Griechen, Italiener und Spanier in den vergangenen Jahren öfter als früher mit, wenn in deutschen Städten wie Frankfurt, München oder Berlin Eigentumswohnungen in begehrten Lagen verkauft wurden.

Insgesamt die teuersten Wohnungen in Europa gibt es nach Erhebungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte allerdings in Großbritannien, gefolgt von Frankreich, wenn man vom Spezialfall ganz kleiner Länder wie Monaco absieht. Die teuersten Städte sind dabei London (knapp 10.000 Euro je Quadratmeter) und Paris (gut 8000 Euro je Quadratmeter). Viele Russen kaufen im Augenblick Immobilien in Großbritannien, weil der Rubel gerade verfällt. Die Bank of England macht sich große Sorgen, ob bereits eine Immobilienblase entstanden ist. Mit Sicherheit, da sind sich die meisten Experten einig, ist die Lage ernster als in Deutschland.

In Norwegen könnte die Immobilienblase platzen

Eine bemerkenswerte Umkehr gab es offenbar im Verhältnis zwischen Deutschland und den Niederlanden. „Früher haben die Deutschen oft Immobilien in Holland gekauft, weil es da billig war“, sagt Immobilienexperte Reiner Braun. „Jetzt kommen die Holländer vermehrt zu uns.“ Der Grund: In Holland hatte sich eine Immobilienblase gebildet, die geplatzt ist. Seither fallen die Preise, und viele sind verunsichert. In Deutschland ist die Preisentwicklung im Vergleich dazu stabiler.

In Norwegen, das im Augenblick unter dem sinkenden Ölpreis zu leiden hat, ist auch schon die Rede davon, die Immobilienblase könnte platzen. Der amerikanische Ökonom Robert Shiller hatte schon im Jahre 2012 gewarnt, in dem skandinavischen Land könnte sich eine gefährliche Immobilienblase gebildet haben. Zuletzt hatte das Land allerdings mit allerhand Maßnahmen versucht, der Blasenbildung entgegenzuwirken: Unter anderem wurde die sogenannte Beleihungsgrenze herabgesetzt; es dürfen nur noch Kredite bis zu 85 Prozent des Hauspreises vergeben werden.

Schließlich ist ein Land umso anfälliger für Immobilienkrisen, je stärker die Häuser per Kredit finanziert wurden. Der Kredit wirkt wie ein Hebel: In guten Zeiten ermöglicht er Bauherren, teurere Häuser zu finanzieren, als sie sich sonst leisten könnten. In schlechten Zeiten hingegen beschert ein hoher Anteil an Kreditfinanzierung den Bauherren höhere Verluste. Außerdem können im Extremfall die Banken eines Landes mitgerissen werden. So war es für Deutschland in der Finanzkrise von Vorteil, dass hierzulande Wohnimmobilien von den Banken in der Regel nur zu 60 Prozent finanziert wurden, während es in Amerika oft 100 Prozent und mehr waren - es gab sogar zusätzlich noch Geld fürs Auto.

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