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Immobilien : Regierung will Kauf-Nebenkosten senken

  • Aktualisiert am

Wer sein Haus kauft, zahlt oft zu viel - vor allem nur fürs kaufen dürfen. Bild: obs

Rund ein Siebtel zahlen Hauskäufer in Deutschland nur dafür, das Haus kaufen zu dürfen. Die Bundesregierung will das jetzt ändern. Die Grunderwerbsteuer steht aber nicht zur Debatte.

          Immobilienkäufer in Deutschland können auf eine Entlastung von den hohen Nebenkosten hoffen. „Wir prüfen aktuell, ob sich das Bestellerprinzip auch auf Immobilienverkäufe übertragen lässt“, sagte Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD).

          Das bedeutet, dass derjenige die Maklerkosten zu tragen hat, der den Makler beauftragt hat. Dies wurde bereits bei der Vermittlung von Mietwohnungen eingeführt. „Die Einführung dieses Bestellerprinzips war ein wichtiger Schritt, um Mieter spürbar zu entlasten“, sagte Barley.

          Um sechs bis sieben Prozent

          Gerade junge Familien in Großstädten können sich immer seltener Mietwohnungen oder Häuser leisten und prüfen daher einen Immobilienkauf im Umland. Maklerkosten und die zu zahlende Grunderwerbssteuer zehren aber einen Gutteil des Eigenkapitals auf. Nicht zuletzt steigen sie mit den Kaufpreisen.

          Die Maklergebühr schwankt in Deutschland zwischen 7,14 bis 5,95 Prozent des Kaufpreises. In Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen und Brandenburg zahlt der Käufer die Provision komplett, in den anderen Bundesländern wird sie in der Regel zwischen  Käufer und Verkäufer geteilt.

          Freibetrag bei Grunderwerbsteuer abgelehnt

          Ein noch einfacherer Hebel wäre die  Grunderwerbsteuer, da mit dieser der Staat selbst den Erwerb einer Immobilie verteuert. Sie ist allerdings eine Ländersteuer, über die die Bundesregierung nicht allein entscheiden kann. Je nach Bundesland beträgt der Steuersatz zwischen 3,5 (Bayern und Sachsen) und 6,5 Prozent (Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Brandenburg und Thüringen).

          Der Finanzausschuss des Bundestages hat allerdings erst im Juni einen Antrag der FDP abgelehnt, einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer anzuheben. Alle andere Parteien hatten dagegen gestimmt. Die FDP wollte den Ländern die Möglichkeit einzuräumen, einen Freibetrag bis zu einem Höchstwert von 500.000 Euro pro Person zu bestimmen.

          Die Gründe der Ablehnung waren unterschiedlich. Während die CDU meint, dass die Länder einbezogen werden müssten, sieht die SPD darin zu viel Bürokratie. Die Linke bestreitet einen Zusammenhang zwischen Grunderwerbsteuer und Wohneigentum grundsätzlich, während die AfD für direkte Wohneigentumsförderung ist.

          Steuerreform soll eher mehr Einnahmen bringen

          Im Gegenteil wollen die Finanzminister der Länder sogar Steuerschlupflöcher für Gesellschaften schließen. Bisher ist es möglich, bis zu 95 Prozent der Anteile an einer Gesellschaft, der eine Immobilie gehört zu übertragen, ohne dass Grunderwerbsteuer fällig wird. Diese Grenze soll auf knapp 90 Prozent gesenkt werden. Zudem sollen die restlichen Anteile steuerfrei erst nach zehn, und nicht mehr schon nach fünf Jahren erworben werden können. 

          Eine Reform dieser „Share Deals“ war der CDU bei Ablehnung des FDP-Antrags ebenfalls wichtig. Die Tatsache, dass die Reformrichtung bei der Grunderwerbsteuer offenbar zu mehr Steueraufkommen geht, kann als Indiz für einen gewissen Unwillen gewertet werden, Immobilienkäufer von dieser zu entlasten.

          Neben Maklerkosten und Grunderwerbsteuer fallen zudem rund 1,5 Prozent an Notar- und Grundbuchkosten an.

          Rund ein Siebtel sind Nebenkosten

          Kostet eine Immobilie in Berlin 400.000 Euro, fallen allein 28.560 Euro an Maklerprovision für die Käufer an, sowie 24.000 Euro Grunderwerbssteuer und rund  6000 Euro an Notar- und Grundbuchkosten. Das sind insgesamt etwa 58.560 Euro, also 14,6 Prozent des Kaufpreises. Eine Senkung könnte die Kaufmöglichkeiten also wirkungsvoll erhöhen.

          Zuletzt hatten die Grünen im Bundestag den Antrag gestellt, das Bestellerprinzip auch auf den Immobilienerwerb auszuweiten. In den meisten Bundesländern liege die Maklergebühr weit über dem europäischen Durchschnitt, schreiben die Grünen in dem Antrag für den Bundestag.

          Die Bundesregierung fahre einen „Makler-Kuschelkurs“, kritisierte Grünen-Fraktionschefin Katrin-Göring-Eckardt. „Maklergebühren müssen von denjenigen gezahlt werden, die eine Immobilie verkaufen, und nicht von den Käufern.“

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