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Immobilien : Die Liebe zum Altbau hat ihren Preis

Leben im Altbau: Für viele Menschen ist das ein Traum. Der aber immer teurer wird. Bild: dpa

Großzügige Räume, Fischgrätparkett und Stuck an der Decke – historische Häuser und Wohnungen sind gefragt wie nie. Die Preise steigen rasant. Der Vergleich von 80 größten deutschen Städten fördert aber überraschende Unterschiede zu Tage.

          Die Vorlieben der Menschen sind zuweilen so verschieden wie sie selbst. Manche mögen die Patina des Alten und die Geschichte, die es erzählen kann, andere hingegen den klaren Chic und die Reinheit des Neuen. Dies spiegelt sich natürlich grundsätzlich in allen Lebensbereichen, wird jedoch wohl häufig besonders im Wohnumfeld deutlich – zumindest falls das nötige Kleingeld vorhanden ist, sich die eigenen Träume auch erfüllen zu können.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Denn der Immobilienboom macht inmitten des andauernden Niedrigzinsumfeldes natürlich auch nicht vor den in die Jahre gekommenen Bauten halt. Prächtige Fassaden, hohe Decken, großzügige Raumschnitte, Fischgräten-Parkett und Stuck an der Decke – historische Häuser und Wohnungen sind besonders in Großstädten so gefragt wie nie zuvor.

          Dabei sind die Preise für diese Immobilien im fortgeschrittenen Alter in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt um rund 30 Prozent gestiegen, während die Kaufsummen für die übrigen Immobilien um rund 25 Prozent zulegten. Dies hat das bundesweit tätige Maklerunternehmen Homeday nun in einem Vergleich der Immobilienpreise in den 80 größten deutschen Städten mit jeweils mehr als 100.000 Einwohnern festgestellt.

          Zu den teuersten deutschen Städten zählen demnach auch mit Blick auf Altbauten die schon fast üblichen Verdächtigen Frankfurt, Hamburg und München. Aber auch nicht nur unter Studenten sehr beliebte Städte wie Freiburg und Heidelberg warteten laut Homeday mit hohen Preisen auf. Nicht selten sei der Erwerb von historischem Wohneigentum deutlich teurer als von jüngeren Immobilien, sagen die Fachleute des Maklerunternehmens. Dies gelte insbesondere bei gefragten Architekturstilen und Bauweisen sowie einem guten Zustand der Gebäude.

          Unter dem Begriff Altbauten wurden hier alle Wohngebäude zusammengefasst, die vor dem Jahr 1950 fertiggestellt wurden. Die Einteilung erfolgte den Angaben zufolge entsprechend der üblichen Bauweisen während bestimmter Zeitperioden und wird zum Beispiel zum Beispiel im Berliner Mietspiegel angewendet. Insgesamt lägen den Berechnungen mehr als 100.000 veröffentlichte Verkaufsangebote für Altbauten in den betrachteten Großstädten für die Jahre 2015 und 2018 zugrunde. Für die Zusammenstellung der Daten seien gut 400 Quellen benutzt worden, darunter Immobilienportale, überregionale und regionale Tages- und Wochenzeitungen sowie lokale Anzeigenblätter.

          „Die bayerische Landeshauptstadt München gilt nachweislich als Großstadt mit den höchsten Immobilienpreisen“, sagt Steffen Wicker, Gründer und Geschäftsführer des Maklerunternehmens Homeday: „Auch die Kaufsummen für Altbauten machen hier keine Ausnahme.“ Immobilienkäufer, die hier nach geschichtsträchtigem Wohneigentum suchen, müssen mit Kosten von durchschnittlich 9370 Euro je Quadratmeter rechnen. In guten Lagen seien fünfstellige Beträge zudem keine Seltenheit.

          Mehr als 5000 Euro für den Quadratmeter Altbau stellen der Analyse zufolge Verkäufer im Durchschnitt in Heidelberg, Hamburg und Frankfurt am Main in Rechnung. Ähnlich hoch sei das Preisniveau in Freiburg, Ingolstadt, Regensburg, Stuttgart, Berlin, Düsseldorf und Köln mit durchschnittlichen Quadratmeterpreisen von 3800 bis 4800 Euro. Deutlich günstiger kämen Käufer dagegen in Bremerhaven, Chemnitz, Salzgitter, Hagen, Herne und Gelsenkirchen zu ihrem Altbau. Hier koste der Quadratmeter in der Regel weniger als 1100 Euro. Insgesamt wird laut der Analyse in den deutschen Großstädten ein Betrag von durchschnittlich rund 2500 Euro je Quadratmeter verlangt

          Wie begehrt Altbauten sind, zeigt sich wohl vor allem am Preisanstieg. So haben deren Preise in den vergangenen drei Jahren Homeday zufolge in jeder vierten Großstadt um mehr als ein Drittel zugelegt. Die Angebote in Kassel hätten sich im Hoch sogar fast um die Hälfte verteuert. Mit Preissprüngen von mehr als 40 Prozent gehörten aber Düsseldorf, Augsburg und Lübeck ebenfalls zur Spitzengruppe.

          Überraschend sei dagegen, dass sich neben Mannheim, Pforzheim, Fürth und Heilbronn auch Halle (Saale), Gelsenkirchen, Rostock und Mülheim an der Ruhr mit Preisanstiegen von mehr als 37 Prozent seit 2015 unter den teuersten zwölf Städten befänden. Wesentlich moderater falle dagegen die Preisentwicklung in Orten wie Bremen, Salzgitter, Oldenburg, Saarbrücken, Braunschweig und Münster mit Steigerungsraten von 10,3 bis 14,4 Prozent aus. Preisrückgänge in diesem Zeitraum sind demnach in keiner der untersuchten Städte festzustellen.

          Weniger attraktives Ruhrgebiet

          Als weiteres Zeichen für den Andrang wertet Homeday die Tatsache, dass in vielen Großstädten die geforderten Kaufsummen für Altbauten deutlich oberhalb der durchschnittlichen Immobilienpreise vor Ort lägen – am größten sei diese Differenz mit 55 Prozent in Heidelberg. Hohe Ausschläge ließen sich zudem in München (plus 32 Prozent) oder Hamburg (29 Prozent) feststellen.

          Auffällig sei auch, dass in vielen Städten des Ruhrgebiets der Erwerb historischer Gebäude und Wohnungen günstiger sei als der Kauf jüngerer Immobilien. Während zum Beispiel in Berlin und Hamburg repräsentative und hochwertig ausgestattete Bauten aus der Gründerzeit und der Jahrhundertwende das Stadtbild prägten, bildeten viele Arbeiter- und Werkssiedlungen, die in der industriellen Blütezeit des Ruhrgebiets errichtet wurden, den Grundstein für die Revierstädte, sagt Wicker und rechnet wegen fortgesetzt hoher Nachfrage ähnlich wie an den Immobilienmärkten allgemein, mit weiter steigenden Altbaupreisen.

          Gerade bei viele Altbauten dürfte es aber mit dem Kaufpreis allein nicht getan sein. Häufig dürfte nicht nur allein aus optischen Gründen noch einiges Geld für das Renovieren und energetische Sanieren mit neuen Heizungen und Dämmungen benötigt werden, um später die Umwelt und den Geldbeutel zu schonen.

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