https://www.faz.net/-hbv-7pd3q

Immobilien-Kauf : Das Eigenheim ist günstig wie lange nicht

Teuer? Nein. Bild: dpa

Immobilien werden immer teurer, heißt es. Doch das stimmt nicht ganz. Wir haben die Kosten in 100 deutschen Städten ausgerechnet: Wer die eigenen vier Wände auf Kredit kauft, kommt gerade besonders günstig weg.

          2 Min.

          Ein Eigenheim kaufen? Für viele Deutsche wirkt das gerade unerschwinglich. Denn gerade in den beliebten Gegenden Deutschlands schießen die Immobilienpreise derzeit in die Höhe: in den Großstädten, aber auch in ihren Speckgürteln und in mancher Universitätsstadt. Für viele Leute kommt eine eigene Immobilie kaum noch in Frage - weil sie vermuten, dass sie sich das nicht mehr leisten können. Doch vielleicht sollten sie noch einmal in sich gehen.

          Michael Psotta

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

          Denn wer seine Immobilie auf Kredit kauft, kommt heute so günstig davon wie nie. Schließlich sind die Zinsen tief gesunken. Für FAZ.NET hat der Verband deutscher Pfandbriefbanken die Gesamtrechnung aufgemacht: In den 100 größten kreisfreien Städten Deutschlands ist die monatliche Belastung aus Zins und Tilgung heute kleiner als im Jahr 2007.

          Gegenübergestellt wurde als Beispiel die monatliche Belastung, die sich bei dem Kauf einer Wohnung in guter Lage 2007 ergab, und die entsprechende Belastung bei einem Kauf der gleichen Wohnung Ende 2013. Überall wurde deutlich: Das Geld, das Immobilienkäufer ihrem Vorbesitzer zahlen, sparen sie an der Bank.

          Das gilt sogar in Berlin, München und Hamburg, wo die Preise für Eigentumswohnungen in den sechs Jahren bis 2013 um rund ein Drittel gestiegen sind und damit so schnell wie nirgends sonst. Selbst in diesen Städten kommen Immobilienkäufer heute einige hundert Euro jährlich günstiger davon. Größer noch ist die Ersparnis in Frankfurt, Stuttgart und Köln. In anderen Städten, in denen die Preise langsamer gestiegen oder gar gesunken sind, ist der Effekt noch deutlicher. In Dessau-Roßlau (Wohnungspreise minus 4,4 Prozent), Neumünster (minus 4,5) und Hof (minus 9) zahlen Käufer heute für die gleiche Immobilie jährlich mehrere Tausend Euro weniger.

          In dem gerechneten Beispiel nahm der Verband der Pfandbriefbanken an, dass die Käufer nur 60 Prozent ihrer Kosten auf Kredit finanzieren. Für Leute, die mehr Kredit aufnehmen, sind die Kosten sogar noch stärker gesunken. Allerdings haben sie auch das größte Risiko.

          Denn ganz sicher sind Immobilienkäufe nie. Niemand kann dem Käufer versichern, dass der Wert seiner eigenen vier Wände im Lauf der Jahre steigt oder zumindest unverändert bleibt. Ein Wertverlust mag zunächst ohne größeren Belang sein, wenn der Hausbesitzer sowieso im Haus bleiben will. Doch so mancher Anlass zum Aus- und Umzug lässt sich schlecht vorhersehen, zum Beispiel berufliche Veränderungen oder Scheidungen.

          Einigermaßen sicher lässt sich immerhin einschätzen, ob die Immobilie in einer Wachstumsregion liegt, in der die Bevölkerung auf absehbare Zeit zunehmen wird und die Immobilienpreise eher steigen als sinken dürften – oder umgekehrt in einer Gegend, aus der die Menschen wegziehen, vor allem weil es an Arbeitsplätzen fehlt. Dort jedenfalls ist der Erwerb einer Immobilie riskanter, weil wenig für einen Wertanstieg spricht.

          Das größte Risiko aber dürfte in der Zinsentwicklung liegen. Ebenso wie der Zinsrückgang in den Berechnungen der entscheidende Faktor für den Rückgang der monatlichen Belastungen war, könnte ein Zinsanstieg den Wohnungserwerb wieder weniger erschwinglich machen. Davon kann man sich bei einem aktuellen Kauf aber immerhin für einige Jahre absichern. Und ob die Zinsen tatsächlich bald steigen oder nicht, ist nicht seriös vorherzusagen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.