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Hohe Immobilienpreise : Vom Traumhaus zur Realität

Haus an Haus: Bisweilen liegen Wunsch und Wirklichkeit zumindest räumlich sehr nah. Bild: dpa

Die Suche nach Immobilien bringt immer mehr Stress mit sich. Doch vom freistehenden Einfamilienhaus träumen die meisten Deutschen. Und ein Eigenheim hat viele Vorteile.

          2 Min.

          In der Welt der Träume ist alles möglich. Doch die Realität holt viele Menschen schnell und unerbittlich wieder auf den harten Boden der unschönen Tatsachen zurück. Aus dem ruhigen, luxuriösen und hochgelegenen Traumhaus mit Weitblick in der Natur wird so nicht selten nur eine kleine, enge Wohnung am Stadtrand. Hohe Immobilienpreise und der eigene Geldbeutel ziehen vielen Wunschträumen klare Grenzen – sind die Bauzinsen auch noch so günstig.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dabei gehört ein schönes Zuhause neben der Gesundheit zu den wichtigsten Dingen im Leben der Deutschen. Die Zahl derer, die sich Wohneigentum wünschen, hat jedoch abgenommen. Während im Jahr 2018 noch 76 Prozent der Mieter sagten, dass sie gerne Eigentum besäßen, sind es im Jahr 2019 nur noch 66 Prozent. Dies ergibt eine repräsentative Internetumfrage unter gut 2600 Deutschen von Interhyp, Vermittler von privaten Baufinanzierungen. Zwei Drittel der Befragten lebten in einer Stadt.

          Lage am Immobilienmarkt verunsichert

          Die Realitäten am Immobilienmarkt verunsicherten Interessenten, sagt Mirjam Mohr, Vorstand der Interhyp AG. Dennoch sei der Wunsch nach Wohneigentum nach wie vor sehr groß. Im Durchschnitt plane jeder zehnte Deutsche aktuell einen Immobilienkauf, heißt es von Interhyp. Wie die Umfrage zeige, sei das eigene Zuhause für viele Deutsche ein emotionales und hochaktuelles Thema. Individuelle Aspekte wie der Wunsch nach Sicherheit, Zufriedenheit und Glück träfen auf externe Faktoren wie steigende Mieten und Kaufpreise, sagt Mohr. Zudem wirke die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank wie ein Katalysator. Bei Kreditzinsen von weniger als 1 Prozent erscheine vielen Menschen der Kauf einer Immobilie attraktiver als das Mieten.

          Aktuell kostet ein Baudarlehen mit zehn Jahren Laufzeit nach Daten den Finanzdienstleisters FMH im Bundesdurchschnitt 0,70 Prozent. Für 20 Jahre feste Zinsen sind es historisch niedrige 1,19 Prozent. Die günstigen Zinsen locken letztlich schon seit Jahren. Sie haben die Nachfrage nach Immobilien und viele Preise deutlich steigen lassen.

          „Unruhige bis fiebrige“ Eigentumssuche

          Aus Gesprächen wissen die Fachleute von Interhyp, dass viele Menschen den Such- und Kaufprozess zwar als spannend, aber auch als aufreibender und stressiger empfinden als früher. Mit Immobilieneigentum verbänden sich sehr große Hoffnungen – und Enttäuschungen, sagt Mohr. Viele Mieter auf Eigentumssuche erlebten die Situation als „unruhig bis fiebrig“. Sie hätten das Gefühl, unbedingt Eigentum erwerben zu wollen.

          Neben den niedrigen Zinsen sprechen nach Ansicht der Befragten vor allem die hohe Nachfrage und weiter steigende Immobilienpreise in der Gegend für einen Kauf. Sie wollen nicht zu noch höheren Preisen kaufen oder befürchten, nicht zum Zuge zu kommen. Und obwohl der Kauf einer Immobilie oft eine Lebensentscheidung ist, haben sich fast ein Viertel der Befragten aus dem Bauch heraus dafür entschieden. Für 17 Prozent war es ein Glücksfall.

          Wohneigentum hat zahlreiche Vorteile. Für viele bedeutet es mehr Sicherheit im Alter. Großstädter machen sich laut der Umfrage mehr Sorgen über steigende Mieten als Menschen in kleineren Städten oder auf dem Land. Neben der fehlenden Miete schätzen viele Deutsche Gestaltungsfreiheit, Unabhängigkeit und den Aspekt der sicheren Wertanlage. Auch eine Immobilie bringt aber laufende Kosten mit sich und muss später renoviert oder modernisiert werden.

          Das Traumhaus der Deutschen ist weiterhin und unangefochten das freistehende Einfamilienhaus. Das sagen 63 Prozent der Befragten. Dennoch bleibt das Land oft nur ein Sehnsuchtsort. Gesucht werden die Wohnungen eher in der Stadt. Öffentliche Verkehrsmittel und die Fahrzeit zum Arbeitsplatz seien häufig genannte Aspekte, heißt es von Interhyp. Ein gutes Drittel der Befragten will kaufen, kann aber nicht, da die finanziellen Mittel fehlen. Andere sind bislang noch nicht fündig geworden – und müssen daher weiterhin träumen.

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