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Spanien, Italien, Schweden : Ferienhäuser für wenig Geld

Bild: © Bildagentur Huber

In vielen Urlaubsländern sind die Immobilienpreise stark gesunken. Zum Teil kosten schöne Objekte nicht mehr als ein Kleinwagen.

          Natürlich kann man Träume haben. Aber was spricht dagegen, sie in die Realität umzusetzen? Vor allem, wenn die Realität es einem so leicht macht. Wir Deutschen tun nichts lieber, als in den Urlaub zu fahren. Und von kaum etwas träumen wir so gern wie vom Wochenend- oder Ferienhaus im Grünen. Jeder Vierte hätte gern eines, doch nur jeder Hundertsechzigste hat das bisher verwirklicht. Nur das selbstgenutzte Eigenheim steht noch weiter oben auf der Wunschliste, wird aber zumindest für viele Großstädter ein kaum bezahlbarer Traum bleiben. Ein Ferienhaus dagegen könnten sich sehr viele leisten. Sogar an den schönsten Flecken Europas, wo es die meisten von uns zum Urlaub hinzieht. Oft kostet so ein Haus nicht mehr als ein Kleinwagen.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zumindest kommt man in vielen Regionen mit einem fünfstelligen Eurobetrag hin. Und es sind beileibe nicht nur renovierungsbedürftige Bruchbuden oder Wohncontainer auf Campingplätzen, die man dafür bekommt. Sondern historische Stadthäuser in Fischerorten, Natursteinhäuser in Bergdörfern oder Reetdachträume hinterm Deich. In Italien, Spanien oder Schweden wird es schon ab 30.000 Euro richtig interessant. In Dänemark, Deutschland und überraschenderweise auch in Portugal müssen Sparer mehr hinblättern. Aber auch hier findet sich ab 60.000 Euro ein echter Ferientraum.

          Das große Angebot und die derzeit kleinen Preise in Südeuropa sind vor allem eine Folge der Euro-Krise. Spanier und Italiener spüren die Schwäche ihrer Wirtschaft besonders und die große Arbeitslosigkeit der Jungen. Deshalb stoßen viele Eltern ihre Zweitwohnsitze ab, um ihre Kinder zu unterstützen. In Italien erlegte der Staat den Immobilienbesitzern zudem hohe Steuern auf und treibt von Steuersündern, die Schwarzgeld in Immobilien angelegt hatten, nun das Geld ein. Seitdem haben sich selbst in der Toskana und am Gardasee die Preise halbiert, weil so viele Ferienimmobilien auf dem Markt sind wie nie.

          In Spanien drückte die geplatzte Immobilienblase die Preise noch stärker. Besonders an den Küsten zogen Bauunternehmer Ferienanlagen in die Höhe, was die Kräne hergaben. Viele stehen nun unvollendet da. Viel interessanter aber sind Häuser im Hinterland oder in der zweiten Reihe. Deren Preise sind selbst an der Costa Blanca um 60 Prozent gesunken.

          Sommerresidenzen ohne Heizung oder Häuschen für den Winterurlaub

          Wir Deutschen haben den Preisverfall im Ausland ebenfalls befeuert: Viele Käufer schafften sich in den 70er und 80er Jahren Domizile im Süden an und sind nun zu alt, sie regelmäßig zu bereisen. Ihre Kinder wollen sich meist nicht auf Lebenszeit auf ein Urlaubsgebiet festlegen und verkaufen die Häuser jetzt.

          Nun haben die Preise im Norden wenig mit der Euro-Krise zu tun. Dass ein Häuschen in Schweden oder Dänemark trotzdem so billig ist, liegt daran, dass die beiden Nordländer eine ausgeprägte „Wir fahren aufs Land“-Mentalität haben, sehr viel Platz noch dazu und sehr wenig eigene Bewohner, die sich dort gar nicht drängeln können, selbst wenn alle gleichzeitig aufs Land fahren. Schweden hat seinen Immobilienmarkt ohnehin erst 2000 für Ausländer geöffnet. Bisher haben sich dort entsprechend wenige Hauskäufer breitgemacht.

          Zudem bauen die Skandinavier mit Holz erheblich billiger. Man muss allerdings auch sagen, dass nicht jedes ihrer Häuser tatsächlich für den Winterurlaub gedacht ist. Viele sind Sommerresidenzen ohne Heizung. Darauf sollten Käufer achten. Dafür spart man sich in Dänemark Notarkosten und Grunderwerbsteuer. Und die Maklerkosten sind im Verkaufspreis schon drin. Das alles, gepaart mit der Aussicht, Geld in einem Nichteuroland anzulegen, hat beide Ziele für Hauskäufer noch attraktiver gemacht.

          Bevor man nun sofort die Koffer packt und sich auf die Suche macht, sollte man sich über zwei Dinge informieren: erstens über die Besteuerung. Die ist bei Ferienimmobilien in Italien hoch. In Frankreich gibt es zudem noch eine Wohnsteuer und eine saftige Wertzuwachssteuer, wenn man das Häuschen innerhalb von 30 Jahren wieder verkauft. Und auch hierzulande fällt je nach Region eine Zweitwohnsitzsteuer für Ferienhausbesitzer an. Portugal lockt dagegen neuerdings Rentner mit Steuervorteilen, wenn sie sich entlang der Algarve niederlassen.

          Zweitens über die genaue Kaufabwicklung. Während hierzulande ein Kaufvertrag erst mit Notar-Unterschrift besiegelt ist, gilt im Süden noch der Handschlag und bereits ein Vorvertrag ist rechtlich absolut bindend und verpflichtet zum Kauf. Vorsicht übrigens bei Maklern in Spanien: Dort sind viele selbsternannte Verkäufer unterwegs, die Grund auch ohne Baurecht verticken oder Abrisshäuser verkaufen. Auf jeden Fall einen deutschsprachigen Anwalt hinzuziehen und zuvor beim Zentrum für europäischen Verbraucherschutz nachfragen. Die Deutsche Schutzvereinigung für Auslandsimmobilienbesitz berät überdies Käufer in Italien, Frankreich und Spanien.

          Wenn man das beherzigt, stimmt am Ende auch, was der amerikanische Philosoph Henry David Thoreau sagte: „Wenn man zuversichtlich seinen Träumen folgt und sich bemüht, so zu leben, wie man es sich vorgestellt hat, wird man unerwartet von Erfolg gekrönt.“

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