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Trend geht zur Stadt : Die Mietpreisbremse wirkt nicht

  • -Aktualisiert am

Blick auf einen modernisierten Altbau - die Mieten steigen munter weiter. Bild: dpa

Die Politik will per Gesetz die rasant steigenden Mieten in den Großstädten bremsen. Doch wer derzeit in München, Hamburg, Frankfurt eine Wohnung sucht, merkt: Es klappt nicht. Was ist da los?

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          Tina und ihr Freund Frank kannten sich zwei Jahre, als sie beschlossen zusammenzuziehen. Ihre gemeinsame Wohnung in München sollte innerhalb des Mittleren Rings liegen, also halbwegs im Innenstadtgebiet. 70 bis 80 Quadratmeter haben sich beide gewünscht und sich ein Limit von 1500 Euro Warmmiete gesetzt.

          Mittlerweile sind sie umgezogen. Ihr Preislimit haben sie zwar eingehalten, beim Standort aber mussten sie herbe Abstriche machen. Das Paar wohnt jetzt in Pasing, am westlichen Stadtrand nahe der vielbefahrenen S-Bahn-Stammstrecke. Damit haben sich beide inzwischen arrangiert, eines aber ärgert sie schon: der Preis. Mehr als 10 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter müssten Tina und Frank eigentlich nicht bezahlen - so schreibt es für ihre Wohnlage zumindest die Mietpreisbremse vor, die in München seit Sommer vergangenen Jahres gilt. Ihre Miete aber liegt bei 18 Euro kalt, fast doppelt so hoch.

          „Das ist viel zu hoch“, sagt Anja Franz vom Mieterverein München. Sie hat viele Verträge auf dem Tisch. Manchmal kann sie es nicht fassen, welche Quadratmeterpreise in München aufgerufen werden. Nirgends sonst in der Republik kosten Wohnungen so viel Miete - teils über 20 Euro Kaltmiete je Quadratmeter in guten Lagen. Zum Vergleich: In Oberhausen im Ruhrgebiet zahlt man im Schnitt unter 6 Euro je Quadratmeter. In München ist schon eine durchschnittliche Wohnung doppelt so teuer. Und es geht weiter aufwärts mit den Preisen. „Momentan beobachten wir genau wie einige Immobilienportale, dass die Mieten weiter ansteigen“, sagt Anja Franz. Und der Statistikprofessor Göran Kauermann von der Ludwig-Maximilians-Universität, der schon seit Jahren die Daten für den Münchener Mietspiegel berechnet, hat, ermittelt: Bei Neuvermietungen verstoßen 55 Prozent der Münchener Wohnungen gegen die Mietpreisbremse.

          In den meisten Großstädten Deutschlands ist es wie in München. Offiziell gilt zwar mittlerweile fast überall die Mietpreisbremse - in Frankfurt seit November vergangenen Jahres, in Hamburg seit Juli und in Berlin seit Juni 2015. Seither dürfen Wohnungen in diesen Städten im Normalfall nur maximal 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen, die meist durch den Mietspiegel ermittelt wird. Doch die Mieten steigen munter weiter. Insbesondere in begehrten Lagen, für die die Bremse eigentlich gedacht war, liegen die Preise für Neuvermietungen fast durchgehend über dem, was der Mietspiegel für diese Straßen vorsieht.

          Will man etwa im edlen Stadtteil Harvestehude in Hamburg eine Vier-Zimmer-Wohnung in einer Jugendstil-Villa anmieten, so kostet der Quadratmeter in einer Anzeige fast 22 Euro kalt - dabei ist die Wohnung ohne Garten und größeren Schnickschnack, dafür war sie schon mehrfach in Wohnzeitschriften abgebildet. Der Online-Rechner zum Mietspiegel der Stadt Hamburg sieht für die Adresse maximal 12,55 Euro Kaltmiete vor. Selbst mit zehn Prozent darüber, die man offiziell nehmen darf, landet man nicht einmal nahe den Kosten in der Anzeige. Eine andere derzeit angebotene Wohnung in ähnlicher Lage ist günstiger, „nur“ 15,40 Euro je Quadratmeter. Das liegt aber auch noch 22 Prozent über den maximal 12,55 Euro. Zum Zeitpunkt der Recherche waren im Immobilienportal Immonet für Harvestehude nur zwei größere Wohnungen im Angebot, die so gerade eben mietspiegelkonform waren.

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